In Warschau wurden die Qualifikationsgruppen für die Fußball-EM 2012 ausgelost. Deutschland trifft in Gruppe A auf machbare Gegner. Der vermutlich stärkste Rivale ist die Türkei, außerdem geht es gegen die Nachbarländer Belgien und Österreich. Krasse Außenseiter sind Aserbaidschan und Kasachstan. Bei den Duellen gegen die ehemaligen Sowjetrepubliken gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Aserbaidschan wird von Ex-Bundestrainer Berti Vogts betreut, bei Kasachstan sitzt Ex-Bundesligaprofi Bernd Storck auf der Bank. Die deutschen Gegner im Kurzporträt:
Türkei: Revanche für das Aus im EM-Halbfinale 2008
Das letzte Aufeinandertreffen mit Deutschland verlief für die Türken überaus bitter. Im Halbfinale der EM 2008 besiegelte Philipp Lahm mit seinem Treffer kurz vor Schluss das Aus der Männer vom Bosporus. Dafür möchte die Türkei sich natürlich revanchieren. Allerdings war die Truppe zuletzt weit von ihrer Bestform entfernt. Bei der Qualifikation zur WM 2010 scheiterte man an Spanien und Bosnien-Herzegowina, was Nationaltrainer Fatih Terim zum Rücktritt bewog. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Der Einzug ins EM-Semifinale 2008 war der jüngste, aber nicht der größte fußballerische Paukenschlag der Türkei. Bei der WM in Japan und Südkorea 2002 stieß die Elf um den mittlerweile zurückgetretenen Top-Star Hakan Sükür sensationell ebenfalls ins Halbfinale vor und wurde am Ende WM-Dritter. Bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlange langte es immerhin fürs Viertelfinale. Zum aktuellen Kader gehören die Bundesliga-Profis Hamit und Halil Altintop (Bayern/Frankfurt) sowie Nuri Sahin (Dortmund). In der Fifa-Weltrangliste belegt die Türkei Platz 42, Deutschland ist 6. Die Bilanz gegen die Türken ist aus deutscher Sicht positiv: In 18 Spielen gab es fürs DFB-Team 12 Siege und 3 Remis. Nur 3 Begegnungen wurden verloren (Torverhältnis 43:12).
Österreich: Den Triumph von Cordoba im Hinterkopf
Was war das für ein Rummel, als "Team Austria" bei der Heim-EM 2008 im letzten Gruppenspiel auf den Erzrivalen traf! Mit einem Sieg wären die Österreicher weiter gewesen und hätten, was sie vermutlich noch mehr gefreut hätte, die ungeliebten Deutschen nach Hause geschickt. Doch ein wuchtiger Freistoß von Michael Ballack zum 1:0-Endstand beendete die Träume - und so ist das 3:2 von Cordoba bei der WM 1978 weiterhin der einzige geschichsträchtige Triumph der "kleinen Österreicher" gegen die "großen Deutschen". Seit 1986 hat das DFB-Team nicht mehr gegen die Alpenrepublik verloren, in insgesamt 35 Partien gab es 21 deutsche Siege und sechs Unentschieden, acht Mal gewann Österreich (Torverhältnis 76:51). Außer der Heim-EM, für die man automatisch gesetzt war, qualifizierte sich Österreich nur zwei Mal in grauer Vorzeit für ein EM-Endturnier, bei einer WM war man zuletzt 1998 in Frankreich dabei. In der Quali für Südafrika blieb hinter Frankreich und Serbien nur der Gruppenplatz drei. Einziger Bundesliga-Profi im aktuellen Kader ist Christian Fuchs (Bochum). Eine Rückkehr von Andreas Ivanschitz, der beim FSV Mainz gute Leistungen bringt, war für Nationaltrainer Dietmar Constantini zuletzt kein Thema. In der Weltrangliste ist Österreich 61.
Belgien: Hoffen auf den neuen Trainer Dick Advocaat
In der WM-Qualifikation für Südafrika spielten die "Roten Teufel" in derselben Gruppe wie die Türkei - und belegten hinter dieser den enttäuschenden vierten Platz. Überhaupt haben die Belgier ihre besten Zeiten auf der Bühne des Weltfußballs offenbar hinter sich. So war bei der EM 1980 erst im Endspiel Schluss (1:2 gegen Deutschland durch zwei Treffer von Hrubesch), bei der WM 1986 in Mexiko gelang ein beachtlicher vierter Platz. Seither schieden die Belgier bei allen großen Turnieren früh aus oder qualifizierten sich erst gar nicht. In der Quali zur EM 1992 war Deutschland schon einmal Gruppengegner, beide Spiele gewann das DFB-Team mit 1:0. Das Aufeinandertreffen im WM-Achtelfinale 1994 in den USA entschieden die Deutschen 3:2 für sich. Insgesamt gab es in 23 Vergleichen 18 deutsche Siege, ein Unentschieden und 4 Niederlagen (Torverhältnis 54:25). Hoffnungsträger der Belgier, die in der Weltrangliste Platz 66 belegen, sind Bundesliga-Legionär Daniel van Buyten (Bayern) und Trainer Dick Advocaat, der das Team vor Kurzem übernahm.
Aserbaidschan: Wiedersehen mit Berti Vogts
Die Mannschaft aus der Kaukasus-Republik kennen Jogi Löw und Co. noch ganz gut. Erst kürzlich, bei der Qualifikation zur WM in Südafrika, traf Deutschland auf Aserbaidschan und siegte zwei Mal ungefährdet. Auswärts hieß es am Ende 2:0, das Rückspiel in Hannover endete 4:0. Um Einiges bekannter als Aserbaidschans namenlose Spieler, die ihr Geld allesamt in der heimischen Liga verdienen, ist der Nationalcoach: Es ist kein Geringerer als Ex-Bundestrainer Berti Vogts, der die Geschicke des Fußballzwergs seit 2008 lenkt. Nennenswerte Erfolge kann der Weltranglisten-114. (hinter der Demokratischen Republik Kongo, Kenia und Vereinigten Arabischen Emiraten) nicht verbuchen – ein 1:1 gegen den großen Nachbarn Russland in der zurückliegenden WM-Qualifikation wurde als Riesen-Erfolg gefeiert. Außer den beiden erwähnten Begegnungen gab es bisher keine weiteren Aufeinandertreffen mit Deutschland.
Kasachstan: Noch nie gegen Deutschland gespielt
Ein noch unbeschriebeneres Blatt als Aserbaidschan ist die sowjetische Ex-Republik Kasachstan, in der seit 2008 der Ex-Bundesligaprofi Bernd Storck als Trainer das Regiment führt. Nach Spielerstationen in Dortmund und Bochum war Storck hierzulande bei verschiedenen Erstligisten als Assistenz-Coach von Jürgen Röber aktiv. Als größter Achtungserfolg gilt ein 2:1-Sieg gegen Serbien in der Qualifikation zur EM 2008, die Kasachstan letztlich aber deutlich verpasste. In der Quali für die WM in Südafrika gab es zwei Siege gegen Andorra, alle anderen Partien gingen aber verloren. In der Weltrangliste liegt Kasachstan zwischen Georgien und Luxemburg auf Platz 123, Begegnungen mit Deutschland gab es bisher noch nicht.
Termine und Modus
Die Spiele werden zwischen September 2010 und Oktober 2011 ausgetragen, genaue Termine stehen noch nicht fest. Um sich direkt für die EM zu qualifizieren, müsste Deutschland Gruppenerster werden oder bester Zweiter im Vergleich aller neun Gruppen. Die acht anderen Zweitplatzierten müssen in die Relegation.
