Ihn hatte wohl kaum jemand auf dem Zettel. Philipp Bargfrede war allenfalls ein Ersatzspieler. Ein Jungprofi, der zwischen zweiter Mannschaft und den Profis pendelt. In der Regel trainieren 20-Jährige mit der ersten Mannschaft, um dann aber im Unterbau regelmäßig eingesetzt zu werden. Erst recht beim SV Werder Bremen, wo schon seit Jahren keiner aus dem eigenen Nachwuchs den Weg zu den Profis geschafft hat. Die Konkurrenz bei dem ambitionierten Norddeutschen ist zu groß für ein Talent, das bisher keine Erfahrungen im Profibereich sammeln konnte.
Trotzdem ist Philipp Bargfrede der Coup gelungen, sich auf Anhieb in die erste Mannschaft der Bremer zu spielen. Nach 14 Spieltagen in der Bundesliga stand der Youngster dreizehn Mal auf dem Rasen. Nur ein Mal musste er von der Bank aus zuschauen. Das war am zweiten Spieltag. Seitdem kommt er regelmäßig zum Einsatz. Seit dem vierten Bundesligaspieltag steht Bargfrede sogar ständig in der Startelf. Drei Spiele stand er die volle Distanz auf dem Rasen. Oft wird er in der Endphase ausgewechselt. Trotzdem beachtliche Werte für einen Spieler, der so keiner auf der Rechnung hatte.
Philipp Bargfrede - von der Jugend zu den Profis
Dabei profitierte Bargfrede anfangs von der Verletzungsmisere der Bremer. Torsten Frings, Tim Borowski und Daniel Jensen mussten immer wieder mit dem Training aussetzen oder sich nach langen Verletzungspausen erst langsam wieder in die Mannschaft kämpfen. Dadurch erhielt Bargfrede die Chance sich direkt zu behaupten. Er nutzte sie. Durch seine Vielseitigkeit, seine Lauffreude und die Zweikampfstärke entwickelte er sich vom Lückenfüller zur Stammkraft. Trainer Thomas Schaaf schätzt zudem die bescheidene Art, wie Bargfrede auf und neben dem Platz auftritt. Ein Ebenbild von ihm oder einer anderen Werder-Ikone: Dieter Eilts.
Philipp Bargfrede identifiziert sich wohl wie kaum ein anderer Spieler mit dem Verein. Mit 15 Jahren wechselte er von TuS 1906 Heeslingen zu dem Bundesligisten. Seitdem ging es steil bergauf. Von der U19 über die A-Jugend und zuletzt die zweite Mannschaft ging es zu den Profis, bei denen er im Sommer 2008 einen Profivertrag unterschrieb. Bundesligaspiele waren ihm in seiner ersten Saison nicht gegönnt. Oft saß er auf der Bank oder musste bei der zweiten Mannschaft aushelfen. Erst in der Sommervorbereitung 2009 drängte er sich auf und startete wenig später durch. Auf den Spuren seines Vaters.
Vater Hans-Jürgen Bargfrede als fußballerisches Vorbild
Das Fußballspielen wurde Philipp Bargfrede förmlich in die Wiege gelehnt. Schon sein Vater war langjähriger Profi. Ein Spieler, der seine Karriere ebenfalls beim SV Werder Bremen begann. 1978 holten ihn die Norddeutschen. Sechs Jahre lang suchte er den Durchbruch, der jedoch nie gelang. Deshalb wechselte Hans-Jürgen Bargfrede im Sommer 1984 zum FC St. Pauli, für die er in fünfeinhalb Jahren 15 Bundesligaspiele absolvierte, ehe er bei Preußen Münster seine Karriere ausklingen ließ.
Noch zwei Spiele fehlen dem Junior, um mit seinem Vater gleich zu ziehen. Dann hat auch er 15 Bundesligaspiele auf seinem Konto. Der Senior wird es seinem Sprößling nicht übel nehmen, sondern mit ihm seinen Traum noch einmal leben. Eine Karriere, die wie die des Vaters enden soll. Im Sportgeschäft in Zeven, das Hans-Jürgen Bargfrede betreibt. In 15 Jahren möchte der Senior in Rente gehen, dann soll Philipp Bargfrede das Geschäft fortführen.
Auf den Spuren von Aaron Hunt
Doch vorher möchte der gelernte Einzelhandelskaufmann seinem Vorbild Frings nacheifern und ihn irgendwann beim SV Werder beerben. Gelingt es ihm, den Stammplatz dauerhaft zu sichern, wäre Bargfrede der erste Spieler aus dem eigenen Nachwuchs seit Aaron Hunt 2003, dem dies gelungen wäre. Bis dahin soll auch das erste Tor für die Profis gelingen und vielleicht klopft Philipp Bargfrede schon bald an die Tür zur Nationalmannschaft. Für die U21 hat der 20-Jährige vier Spiele (1 Tor) absolviert.
Schon jetzt ist Thomas Schaaf erneut ein Coup gelungen. Geht Bargfrede seinen Weg konsequent weiter könnte er schnell vom Talent zum Star beim SV Werder Bremen oder gar der gesamten Bundesliga reifen.
