Fußball-WM der Frauen: Ist auch 2011 ein Sommermärchen möglich?

2011 steht in Deutschland schon wieder eine Fußball-WM an: im Frauenfußball - und vielleicht wird es ein kleines Sommermärchen geben.

So beliebt wie der Männerfußball ist der Frauenfußball noch lange nicht, doch die Damen haben im Vergleich zu früher aufgeholt. Das nährt Hoffnungen auf ein Sommermärchen 2011, denn vom 26. Juni bis 17. Juli findet die mittlerweile sechste WM im Frauenfußball statt und Deutschland wird erstmals Gastgeber sein. Die Chancen, dass die deutschen Damen möglichst weit kommen, sind nicht schlecht. Schieden sie bei ihrer ersten WM-Teilnahme im Jahr 1999 noch im Viertelfinale gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister USA aus, holten sie bereits im zweiten Versuch 2003 den Titel und 2007 gleich noch einmal. Trotz der berechtigten Hoffnungen, dass sie auch 2011 nicht frühzeitig ausscheiden, können die Fußballdamen alleine die Sache mit dem Sommermärchen jedoch nicht richten. Zwar können sie sich selbst mit einem Titelgewinn ein Sommermärchen bescheren, damit das Ereignis auch für den Rest des Landes zum Selbigen wird, müssen jedoch die Medien und die Bürger mitspielen.

Sommermärchen: Es begann mit der WM 2006

Begonnen hatte das Sommermärchen seine Laufbahn 2006, als man den Eindruck hatte, sowohl die Boulevard- als auch die sogenannten seriösen Medien hätten im Vorfeld der WM beschlossen, es müsse in Deutschland nun weniger miesepetrig zugehen und eine gelungene Fußball-WM solle dazu beitragen. Entsprechend positiv stimmten sie auf das Ereignis ein, ausführlich wurde über das geplante Public Viewing berichtet. Da Fußballfans sich schon immer gerne zusammentaten um Spiele zu verfolgen und das Wetter schön war, war es nicht erstaunlich, dass viele Menschen die Angebote wahrnahmen und schon zum ersten Spiel vor die Leinwände strömten.

Jürgen Klinsmann hatte sein Faible für positives Denken auch seinen Spielern gepredigt, die wie erhofft ihr erstes Spiel gewannen, was die öffentliche Begeisterung befeuerte und die Medien freudig über den Sieg und die ekstatischen Fans berichten ließ. Auch solche, die derlei Phänomenen bislang skeptisch gegenüberstanden, erfreuten sich nun am schwarz-rot-goldenen Jubel und etliche Bürger, die exzessive Fußballbegeisterung und patriotischen Jubel bislang ebenfalls skeptisch betrachteten, hatten daraufhin ebenfalls Lust auf öffentliche Jubelfeiern. Irgendwann konnte man sogar in der „Süddeutschen Zeitung“ von einer Redakteurin lesen, die die Begeisterung auch ihres Blattes so sehr übermannt hatte, dass sie nun selbst ein kleines Tattoo in den deutschen Farben am Fuß trug.

Sommermärchen: Karriere eines Wortes

Die von so viel Enthusiasmus beschwingte Mannschaft holte Sieg um Sieg, und als sie gegen Italien verlor, war das schon nicht mehr so schlimm, nun feierte man eben das Spiel um Platz drei, wo man doch gerade die Freude am gemeinsamen Feiern entdeckt hatte. Die deutsche Feierlaune trotz Niederlage sorgte auch im Ausland, wo man ohnehin schon erstaunt über das neue Deutschland war, für Sympathiepunkte. Dieser Begeisterungszustand musste auch in Worte gefasst werden und prompt kam in Anlehnung an Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ das Sommermärchen auf. So hatten sich also die Deutschen unter vielfältiger Beteiligung ein Sommermärchen geschrieben und weil die gemeinsame Begeisterung und das märchenhafte Wort vielen gefielen, wollten sie diese Kombination nun öfters haben, wenn auch in kleinerem Maßstab. Fortan gab es Handball-Wintermärchen, diverse Freiluftveranstaltungen wurden zu Sommermärchen erklärt und die Begeisterung für Lena Meyer-Landrut wurde medial beinahe ebenso intensiv geschürt wie eine Fußball-WM. Als sie tatsächlich als Gewinnerin des European Song Contests aus Norwegen zurückkehrte, gab es den entsprechenden Empfang – und natürlich war verschiedentlich auch bei diesem außersportlichen Ereignis von einem Sommermärchen die Rede.

Die WM in Südafrika: Sommermärchen 2010

Indes klappt es nicht immer mit den gemeinschaftlichen Märchen. Aus der Leichtathletik WM im Jahr 2009 in Berlin wollten jedenfalls weder Medien noch Bürger ein Sommermärchen machen, obwohl die Leichtathleten bestimmt nichts dagegen gehabt hätten, vielleicht aber sind Einzelsportarten weniger geeignet. So hatte die Veranstaltung große Zuschauerprobleme und es gab noch nicht mal in Berlin ein kleines Sommermärchen 2009. Dafür waren Fußballer, Medien und Bürger offenbar fest entschlossen zu WM 2010 wieder ein Sommermärchen zu schreiben. Der Sieg gegen Australien sorgte für einen ersten Rausch, die weniger glanzvollen Spiele gegen Serbien und Ghana wurden nicht übermäßig thematisiert. Hauptsache man war im Achtelfinale, denn wenn für ein Sommermärchen auch kein Titelgewinn nötig ist, so verhindert ein frühzeitiges Ausscheiden der eigenen Mannschaft ein solches doch. Die Nationalspieler schienen froh zu sein, endlich wurde nicht gleich gemosert wie in der Vergangenheit, wenn es mal nicht so lief, und siehe da: gegen England und Argentinien lief es umso prächtiger und schon hatte Deutschland sein Sommermärchen 2010.

Frauenfußball-WM: Gibt es ein kleines Sommermärchen 2011?

Wenn für ein Sommermärchen also eine Mannschaft, die nach Möglichkeit wenigstens das Halbfinale erreicht, Medien, die zu sommermärchenhafter Berichterstattung bereit sind und genügend Bürger, die gerade Lust darauf haben, sich gemeinsam in einen Begeisterungstaumel hineinzusteigern nötig sind, kann es dann ein Sommermärchen 2011 geben? Was die Fußballdamen betrifft, gibt es, siehe oben, berechtigte Hoffnungen, dass sie auch bei der WM 2011 möglichst weit kommen. Dass der Frauenfußball zu einer solch überschwänglichen medialen Begeisterung führt, wie der Männerfußball, davon ist allerdings nicht auszugehen, doch wurde schon während der WM 2003 sehr ausführlich und durchaus auch begeistert über die Fußballdamen berichtet, und wie die TV-Quoten zeigten, waren nicht wenige Bürger bereit, auch Frauen beim Fußballspielen zuzusehen.

Nachdem die WM 2011 in Deutschland stattfindet, dürfte deshalb durchaus der ein oder andere den Weg ins Stadion finden, zumal der DFB durch werbende Maßnahmen und entsprechende Preisgestaltung das Seine dazu beiträgt: Die Hälfte des Kartenkontingents, das in den freien Verkauf kommt, gibt er zu ermäßigten Preisen ab, hauptsächlich an Familien, Schulen und Vereine. In den Stadien dürfte damit eine ordentliche Auslastung erreicht werden, die Leinwände werden in den städtischen Kommunen jedoch kaum ausgepackt werden. Sollte die deutsche Mannschaft aber erfolgreich spielen, gäbe es vermutlich doch die ein oder andere Ansammlung an gemeinsam schauenden Fans und eine mit zunehmendem Erfolg wachsende Begeisterung am gemeinschaftlichen Feiern. Das alles dürfte nicht für ein riesiges Sommermärchen reichen, wie man es vom Männerfußball kennt, aber doch: ein kleiner Begeisterungstaumel wäre schon drin – und dann könnte man wieder überall vom Sommermärchen lesen.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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