Was schon in verschiedenen Prognosen angedeutet wurde, bestätigte sich im Laufe der Vorrunde.. Der FC Bayern München wird sich keine für Münchner Verhältnisse so "verkorkste" Saison wie im Vorjahr mehr leisten, sondern zielstrebig den Meistertitel im Visier haben. Im Mittelfeld wird es ein heftiges Gerangel um die europäischen Plätze geben, und der Abstiegskampf wird wohl zwischen den bereits nach der Vorrunde im Schlussdrittel der Tabelle stehenden Mannschaften ausgetragen.

Der Kampf um den Meistertitel

Sah es zu Beginn der Saison noch so aus, als würde es einen Alleingang des FCB zum Titel geben, relativierte sich diese Vermutung durch Punktverluste auf Grund der Verletzung von Bastian Schweinsteiger sowie der Sperre von Anatoli Timoschtschuk und der damit verbundenen Umstellung im Mittelfeld der Bayern. Borussia Dortmund konnte zudem durch das frühe Ausscheiden in der Champions League und den überaus dosierten Einsatz von Spielern in der Nationalmannschaft wieder Fuß fassen und trotz verletzter Stammspieler näher an die Bayern heranrücken. Die Klopp-Schützlinge werden wohl der erste "Bayernjäger" bleiben, zumal der BVB - wie schon letztes Jahr - von europäischen Aufgaben "befreit" ist, keine größeren Belastungen durch die Nationalmannschaft zu erwarten hat und auch im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Viertligisten Holstein Kiel keinen gravierenden Substanzverlust befürchten muss. All dies ist ein unschätzbarer Vorteil für den BVB und übrigens auch für Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen gegenüber den Bayern, der am Ende ausschlaggebend sein könnte. Anders verhält es sich mit Schalke 04 und Bayer Leverkusen. Beide befinden sich noch in europäischen Wettbewerben und sind - je nachdem, wie weit sie kommen - erheblichen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Vieles wird davon abhängen, ob Leverkusen unter Trainer Robin Dutt zur Form des Vorjahres zurückfindet, Mönchengladbach die nötige Konstanz aufbringt und den Rummel um Markus Reuß verkraftet und ob Werder Bremen endlich über einen längeren Zeitraum sein Potenzial abrufen, sich in der Winterpause zu verstärken vermag und die Spekulationen um Claudio Pizarro beenden kann. Und natürlich auch, ob Schalke 04 den Trainerwechsel sowie die Vertragsverhandlungen ( Jefferson Farfan, Raul ) ohne vereinsinterne Unruhe hinbekommt.

Gerangel um Europapokalplätze im Mittelfeld

Die Spiele der Vorrunde haben gezeigt, dass es im Mittelfeld der Tabelle zu einem erbitterten Kampf um die Plätze, die eine Teilnahme in einem europäischen Wettbewerb ermöglichen, kommen wird. Bayer Leverkusen auf Rang sechs und der Hamburger SV auf Platz 13 trennen ganze sieben Punkte, bei der 3-Punkte-Regel und 17 verbleibenden Spielen kein aussichtslloser Rückstand. Dazwischen tummeln sich Vereine wie Hannover 96, VfB Stuttgart, 1899 Hoffenheim oder der VFL Wolfsburg, alles Clubs, die auf Grund ihres Potenzials durchaus die Möglichkeit haben, die begehrten Plätze fünf oder sechs zu erreichen. Andererseits ist es aber auch möglich, dass Vereine wie der 1. FC Köln und Hertha BSC Berlin, die jetzt noch relativ gesichert im Mittelfeld stehen, in die Abstiegszone rutschen.

Im Abstiegskampf - die üblichen Verdächtigen

In so mancher Prognose zur laufenden Saison wurde schon befürchtet, dass der 1. FC Nürnberg, Mainz 05, der SC Freiburg und der 1.FC Kaiserslautern die überraschenden Erfolge der Saison 2010/2011 nicht wiederholen könnten. Zwar ließen einige gute Spiele der angesprochenen Vereine immer wieder einmal die Spielkultur der vergangenen Saison aufblitzen, aber es fehlte die Konstanz, und auch die Abgänge von Führungsspielern wie Ömer Tobrak ( Freiburg ), Erwin Hoffer, Jan Moravek ( Kaiserslautern ), Mehmed Ekici, Ilkay Gündogan, Julian Schieber, ( Nürnberg ), und Christian Fuchs, Lewis Holtby, Andre Schürrle, Malik Fathi ( Mainz ) wirkten sich leistungshemmend aus. Und dass ein Aufsteiger große Schwierigkeiten hat, sich in der 1. Liga zu behaupten, hat sich noch in jeder Saison gezeigt, zumal der FC Augsburg zum ersten Mal der höchsten Spielklasse angehört, wichtige Spieler mit Moritz Leitner und Ibrahima Traore abgeben musste und die Mittel für Neuverpflichtungen begrenzt waren. Köln, Hamburg und Wolfsburg sollten sich auf Grund ihres Kaders und ihrer Bundesligaerfahrung aus der Abstiegszone herausspielen, während man bei Hertha BSC noch abwarten muss, wie die Hauptstädter den Trainerwechsel von Markus Babbel zu Michael Skibbe verarbeiten.

Am 05.05.2012 jedenfalls wird Fußballdeutschland wissen, wer die Meisterschaft gewonnen hat, wer europäisch spielen darf und wer den harten Weg in die 2. Liga antreten muss.

Quelle: Sport Bild