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Fußballergesänge: Die WM-Lieder der deutschen Nationalelf

Fußball ist unser Leben - Polydor (Universal)
Fußball ist unser Leben - Polydor (Universal)
Franz Beckenbauer und seine „guten Freunde" begründeten 1974 eine Tradition, die über 20 Jahre gepflegt wurde. Ein musikalischer WM-Rückblick.

Fußball und Gesang sind untrennbar miteinander verbunden. Nicht nur die Fans im Stadion zelebrieren ihre Hymnen, auch Spieler trauen sich ungeachtet ihrer musikalischen Talente immer wieder hinter das Mikrofon. Wenige von ihnen machten dauerhaft als Sänger Karriere, so konnte als Ausnahme der Österreicher Toni Polster an seinen Hit mit den Fabulösen Thekenschlampen „Toni, lass es polstern“ anknüpfen und ist noch heute mit professioneller Unterstützung als Schlagersänger unterwegs.

Früher aber, als alles besser war, ging es beim Fußballergesang noch in erster Linie um Fußball und erst danach um Gesang.

Franz Beckenbauer und Sepp Maier: „Gute Freunde“ und „Die bayerische Loreley“

Die Wurzeln des deutschen Fußballergesangs liegen in den 60er Jahren: Als einer der Ersten und auch Begabtesten spielte Franz Beckenbauer 1966 die Single „Du allein“ mit der B-Seite „Gute Freunde kann niemand trennen“ ein. Während der Titelsong weitgehend in Vergessenheit geriet, hat sich die B-Seite zur obligaten Stadion-Hymne des FC Bayern gemausert und bis heute gehalten.

Schnell fanden sich Nachahmer im konkurrierenden Lager, der Torhüter von 1860 München, Petar „Radi“ Radenkovic, setzte mit „Bin i Radi, bin i König“ neue Maßstäbe: weg vom musikalischen Anspruch, hin zum fußballerischen Statement.

Das konnte der FC- Bayern-Keeper Sepp Maier natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Dem Gegenschlag „Bin i Radi, bin i Depp. König ist der Maier Sepp“ folgte 1968 noch „Die bayerische Loreley“. Auch Gerd Müllers „Dann macht es bumm (ja, und dann kracht’s)“ von 1969 wurde ein Hit, ohne als intellektuelle oder musische Spitzenleistung zu gelten.

„Fußball ist unser Leben“, Weltmeistersong von 1974, und „Buenos Dias Argentina“

Nach diesen Publikumserfolgen entstand zur Weltmeisterschaft 1974 die Idee einer offiziellen Einspielung mit der Nationalmannschaft. „Fußball ist unser Leben“ wurde von Horst Nussbaum alias Jack White produziert, der sich nach dem Ende seiner aktiven Zeit recht erfolgreich im Musikbusiness betätigte. Schon diese erste LP enthielt, wie auch ihre Nachfolger, ein volles Programm mit mehr als 10 Titeln – überwiegend traditionelles deutsches Liedgut von „Blau blüht der Enzian“ bis zu „Schöne Maid“. Dazwischen sollten ein paar fremdsprachige Textbrocken wie „Olala L’Amour“ etwas internationales Flair vermitteln.

Nach dem eindeutig auf den Gesang zurückgeführten WM-Sieg musste 1978 für Argentinien wieder eine musikalische Einlage her, und die sollte noch professioneller klingen. Ausgerechnet der gebürtige Österreicher Udo Jürgens führte die Mannschaft mit „Buenos Dias Argentina“ zum größten musikalischen Erfolg ihrer Geschichte, sportlich endete allerdings die WM mit der Schmach von Cordoba, der nie verziehenen 2:3-Schlappe gegen Österreich in der zweiten Finalrunde.

„Olé Espana“, „Mexiko, mi amor“ und „Sempre Roma“

Als nächstes suchte der DFB mit Bedacht einen deutschen Vorsänger aus und fand in Michael Schanze 1982 die Idealbesetzung für „Olé Espana“ zur WM in Spanien. Immerhin trug der Titel die Elf ins Finale – bis zum Ende des hart umkämpften Halbfinales gegen Frankreich mitsamt Verlängerung und Elfmeterschießen hat die Motivation gereicht.

1986 versuchte Peter Alexander, die tapfer die Lippen bewegenden Nationalkicker mit „Mexiko, mi amor“ auf Erfolgskurs zu singen. Deutschland schaffte es wiederum bis ins Finale, und der Argwohn gegen österreichische Gesangsunterstützung schwand.

Daher durfte 1990 Udo Jürgens noch einmal sein Glück versuchen: „Wir sind schon auf dem Brenner“, ein textlich angesichts der vielen längst in Italien kickenden Spieler gewagtes Lied, und „Sempre Roma“ führten endlich wieder zum Sieg.

Vom Desaster mit den Village People zum Ende des Spielergesangs

Für die WM 1994 in den USA wichen die Organisatoren von der alten Tradition der deutschsprachigen Texte ab und wählten als gesangliches Zugpferd eine unerwartete amerikanische Band: Zwischen den Village People, einer Ende der 70er Jahre in der Disco-Ära gecasteten Schwulentruppe mit stereotypen Figuren aus der homosexuellen Szene, wirkten Völler, Matthäus, Basler und Co. etwas deplatziert. Der Song „Far away in America“ schaffte es auch nur in die untersten Ränge der Charts, und die deutsche Mannschaft schied im Viertelfinale gegen Bulgarien aus.

Den DFB-WM-Song 1998 spielten daraufhin Europe-Sänger Joey Tempest und Anna-Maria Kaufmann ohne die Mannschaft ein, und 2002 gab es nicht einmal mehr ein offizielles Lied. Der Spielergesang beschränkt sich seitdem auf die Nationalhymne, und allen Fans bleiben zum Trost die vielen inoffiziellen Hits, die jede WM hervorbringt.

Elke Geyer, Elke Geyer

Elke Geyer - Ich erblickte 1974 in Hildesheim das Licht der Welt und entschied mich nach der Schulzeit zunächst für die Juristenlaufbahn. ...

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