Fußball: Skandale in Deutschland

Von Sepp Herberger bis Robert Hoyzer

Immer wieder haben Skandale den deutschen Fußball erschüttert. Manches hat sich der DFB selbst eingebrockt.

Der eigentliche Skandal war für viele Mannheimer der Wechsel. Dass ein Waldhofbub vom Arbeiterverein zu dem schnöselig-bürgerlichen VfR wechselte, das ging Anfang der zwanziger Jahre gar nicht. Doch als dann auch noch herauskam, unter welchen Umständen Sepp Herberger vom SV Waldhof zum VfR Mannheim gelockt worden war, bedeutete dies das vorläufige Ende der internationalen Karriere des frisch gebackenen Nationalspielers. Der Wechsel war dem VfR 10.000 Reichsmark wert, dazu eine Einbauküche und ein Jobangebot. Der spätere Reichs- und Bundestrainer wurde für ein Jahr gesperrt, weil er gegen die Amateurstatuten verstoßen hatte.

Profis waren für den DFB Teufelszeug

Noch bevor sich der DFB im Jahre 1900 gegründet hatte, hatte der englische Fußball den Kampf um den hehren Amateur schon längst aufgegeben. Selbst der Versuch, Gehaltsobergrenzen einzuführen, war auf den Insel kläglich gescheitert. In Deutschland sollte das nicht passieren, und so wachte der DFB von Beginn an eifrig über das Amateurstatut. Schnell isolierte sich der deutsche Fußball damit in Europa, denn Spiele gegen Profis waren verboten. Das Problem war nur: überall in Europa begannen sich Profiligen zu gründen. Vom Mitropa-Cup, dem Vorgänger der Champions-League, waren deutsche Mannschaften ausgeschlossen. Profis gab es in Deutschland trotzdem – getarnt zum Beispiel als Bergleute.

Ernst Kuzora und der Sturz von Schalke 04

Offiziell arbeiteten sie alle im Bergbau, die Spieler, die um Ernst Kuzora und Fritz Szepan in den 1920er Jahren den Schalker Kreisel bildeten. Tatsächlich wurden sie aber eigentlich fürs Fußballspielen entlohnt. Offiziell durfte der Verein fünf Mark Handgeld bezahlen. Doch Kuzora handelte für die Mannschaft oft mehr heraus. Mit einem Blick auf die vollbesetzten Tribünen der Glück-auf-Kampfbahn soll er auch mal einen Hunderter für jeden Spieler herausgeschlagen haben. Am Ende waren es aber 20 Mark, die den Schalkern zum Verhängnis wurden. Der DFB reagierte drakonisch. Kuzora, Szepan und Hans Tibulski wurden zu Profis erklärt und gesperrt. Schalke 04 wurde suspendiert. Der Schatzmeister des Vereins, Willy Nier, grämte sich so, dass er sich im Rhein-Herne-Kanal das Leben nahm. Doch schon ein Jahr später war Schalke wieder dabei – auf Druck der Westvereine, denen ein lukrativer Gegner abhanden gekommen war. 14 Vereine aus dem Westen gingen sogar noch weiter und forderten ultimativ die Zulassung des Profistatuts. Sie drohten mit dem Austritt aus dem DFB und einer eigenen Liga. Bei einem DFB-Bundestag im Mai 1933 sollte darüber beraten werden. Doch als die Nazis im Januar 33 die Macht ergriffen, hatte sich dieses Thema von selbst erledigt.

Der Bundesligaskandal erschüttert die Republik

Anfang Juni 1971 traf sich in Offenbach eine illustre Gesellschaft zum Geburtstagskaffee bei dem Obst- und Gemüsegroßhändler Horst-Gregorio Canellas, gleichzeitig Vorsitzender des Bundesligisten Kickers Offenbach. Gefeiert wurde sein 50. Geburtstag. Ein überraschendes Geschenk brachte der Jubilar selbst mit: Einen Tonbandmitschnitt. Der offenbarte, was nicht sein konnte: In der Bundesliga wurden flächendeckend und in großem Stil Spiele für zum Teil sechsstellige Summen verschoben. Insgesamt 18 Partien waren manipuliert worden, rund eine Million Mark an Bestechungsgeldern waren geflossen. Zehn Vereine waren an dem Skandal beteiligt, 52 Spieler wurden vom Sportgericht verurteilt, außerdem zwei Trainer und sechs Funktionäre. Arminia Bielefeld musste ebenso wie Kickers Offenbach in die Regionalliga. Der, der den Stein ins Rollen gebracht hatte, nämlich Horst-Gregorio Canellas, wurde zunächst ebenfalls lebenslang für alle Ämter gesperrt, obwohl ohne ihn der ganze Skandal gar nicht ans Licht gekommen wäre.

Robert Hoyzer stürzt Schiedsrichter in die Krise

Auf Schiedsrichter sei in Deutschland am Ende immer verlass, das war eine unerschütterliche Wahrheit, die im Frühjahr 2005 zerbröselte. Da stellte sich heraus, dass der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer das Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV verschoben hatte. Bald war klar, dass Hoyzer nicht der Einzige war und es mit Dominik Marks noch mindestens einen weiteren Unparteiischen auf der Schiedsrichterliste des DFB gab, der sich hatte bestechen lassen. Doch der befürchtete Flächenbrand ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft blieb aus. Robert Hoyzer wanderte für zwei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis. Historisch gesehen hat der Wettskandal im deutschen Fußball insofern eine Bedeutung: Zum ersten Mal wurde ein Spiel (LR Ahlen gegen Wacker Burghausen) wegen erwiesener krimineller Machenschaften neu angesetzt.

Peter S. Kaspar, Peter S. Kaspar

Peter S. Kaspar - Die journalistische Laufbahn begann für mich 1982 beim "Schwarzwälder Boten", zunächst als Lokal- und dann als ...

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