Als Kind wurde der spätere Schriftsteller Nick Hornby 1968 zu einem Fußballspiel von Arsenal London mitgenommen. Das genügte. Das Fußballfieber hatte ihn erfasst. Und daraus ist eine Bindung geworden, die bei Hornby länger gehalten hat, als irgendeine andere Beziehung, die er freiwillig eingegangen ist. In seinem grandiosen Fußballbuch „Fever Pitch“ beschreibt er diesen Akt und die Folgen der Prägung, durch denen unbedarfte Menschen für den Rest ihres Lebens eine ewige Treue zu einem Fußballclub injiziert wird. Eine unerschütterliche, unzerstörbare Treue, die Friedrich Torberg mit den Worten „Ein Austria-Anhänger ist, wer es trotzdem bleibt“ treffend auf den Punkt bringt.

Fußballvereine und Fußballclubs in Deutschland - wie sind sie entstanden?

1863 wurde der englische Fußballverband gegründet und von britischen Matrosen, Unternehmern und Geschäftsleuten in alle möglichen Länder exportiert. Dem Beispiel von England folgend, wo sich der Fußball großer Beliebtheit erfreute, hockten sich eines Tages auch in deutschen Großstädten ein paar Kerle zusammen und gründeten aus Trotz ihren eigenen „Verein für Ballspiele“ oder „Sportclub“ oder „1. Fußballclub“, weil sie mit der anfangs gescholtenen englischen „Fußlümmelei“ nicht in die nationalistisch geprägten Turnvereine aufgenommen wurden. Damals brauchte es noch keine Vereinsnachrichten oder große Vereinsausstattung: Einige Bälle, ein paar Spieler und zwei Tore genügten völlig. Als sich der Fußball nach dem Ersten Weltkrieg allmählich als Massensport etablierte, fristeten die meisten Stadtteilvereinchen weiterhin stur ihr Nischenleben. Doch andere Vereine schafften den Aufstieg.

Fußballvereine und Fußballclubs werden mit Sponsoren erfolgreich und bekannt!

Durch wirtschaftliche Macht, durch spendierfreudige Gönner oder durch den Glücksfall einer außergewöhnlich spielstarken Mannschaft mutierten manche Vereine und Clubs zu regionalen oder nationalen Größen. Dafür sorgte auch so manches Volkstheater bei Mitgliederversammlungen, als schwungvolle Reden, Freibierversprechen oder ein Kinnhaken ausreichen konnten, in ein Vereinsamt oder zum Vorstand gewählt zu werden. Heute haben in den meisten Vereinen und Clubs Aufsichtsräte das Sagen.

Gute Vereinsausstattung durch gute Vereinsorganisation

Die großen Fußballvereine und Fußballclubs sind inzwischen organisiert und strukturiert wie eine Staatsregierung. Es gibt Abteilungen für Äußeres (Pressearbeit, Sponsorenbetreuung und Sponsoren gewinnen), Familie (Spielerfrauen), Wirtschaft und Finanzen (Schatzmeister), Justiz (Strafenkatalog, Satzungen) und sogar Bereiche für Verteidigung und Geheimdienste (Talentsucher, Ausspionieren des Gegners). Mit diesen Ressorts funktionieren die Clubs und Vereine bestens. Vor allem durch das Zusammenspiel von Mythos und Marketing.

Große Vereine kombinieren Mythos mit Marketing

Es ist vor allem der Mythos, der aus einem Vereinsnamen einen Markenartikel macht: für Schalke war es der „Schalker Kreisel“ um Szepan und Kuzorra, für Real Madrid die königliche Mannschaft um di Stefano und Puskas, für Manchester der Tod der „Busby Babes“ beim Flugabsturz 1958 und ihre Wiederauferstehung in den 60ern, für Bayern und Ajax Amsterdam Stars wie Franz Beckenbauer und Johann Cruyff. „Der Verein gibt Heimat“, so heißt es und diese Heimatbindung funktioniert sogar über weite Entfernungen - zum Beispiel gibt es viele Bayernfans, die noch nie ein Bayern-Spiel live im Stadion gesehen haben. Genau diese millionenfache Zugehörigkeit stellt das wahre Vermögen einer Fußballmannschaft dar. Gegen einen kleinen Obolus kann sich jeder als Teil einer starken Gemeinschaft mit mythischer Vergangenheit fühlen. Es genügen die Pokale, Triumphe, Namen, Gesichter, Geschichten und Mythen der Vergangenheit, um die ständig wechselnden Farben der Gegenwart im Rahmen von Merchandising an den Mann oder die Frau zu bringen und das Vereinsimage zu stärken. Manchester United machte es vor: Er verdiente als erster Fußballverein Millionen durch den mehrfachen Wechsel der Fußballtrikots während einer Saison.

Kleine Vereine bedeutet vor allem Ehrenamt und freiwilliges Engagement

Vereine: Das sind natürlich auch die unzähligen Klubs, deren Trikots nur die eigenen Spieler tragen. Das sind volksnahe Körperschaften mit idealistischen Trainern und Jugendbetreuern, Altherren-Teams mit Bierbäuchen und Präsidenten, die dem Bezirksliga-Messi schon mal einen 500-Euroschein zustecken. Diese Klubs sind der sportliche Mittelstand, mit dessen biederem Kleinbürger-Habitus sich nur wenige schmücken wollen, an dem aber alles hängt. Eins haben nach Sepp Herberger aber große, kleine und mittlere Vereine gemein: „Wenn alle Vereine von Leuten geführt würden, die eine Ahnung von Fußball hätten, ginge es dem Spiel besser. Trotzdem ist es so stark, dass es selbst die Dilettanten nicht kaputtmachen können.

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