
- Gerold Späth: Das Spiel des Sommers neunundneunzig - Lenos
Da sucht also Heinrich R., gerade einen Herzinfarkt überstanden, Ruhe und Ausgleich, auf den ersten Blick scheint Maidenford, im Westen Irlands, der ideale Platz. Mit den Individuen dort ist in dieser Form allerdings nicht zu rechnen, und so wird der Erholungsurlaub eine Reise, die den inneren Frieden ernsthaft gefährdet.
Gerold Späth: Heinrich und irische Sonderlinge
Suzanne, Heinrichs zweite Frau, begibt sich auf Weltreise, warum also alleine zu Hause bleiben, warum nicht nach Irland, Ruhe hat man auch dort, man hat es sich verdient. Aufgenommen wird man freundlich, Ruhe gibt’s auch, wären da nicht die skurrilen Figuren und Geschichten, die zu glauben schwer fällt. Da steht Paddy Swift parat, seines Zeichens Geschäftsmann und König von Maidenford; die Nachbarin schwimmt bei jedem Wetter im See, besucht fortwährend ihren toten Mann; ein Colonel träumt sich seinen täglichen Untergang im Maiden’s Best Hotel und ein Trip mit Jim Junior Sheridan wird zum Überlebenskampf.
"Es erweist sich aber, dass der junge Sheridan zu jenen Leuten gehört, die sich irgendwann in grüner Jugend unterschriftlich verpflichtet haben, in ihrem hoffentlich gerade deswegen langen Leben niemals weder Bier noch Wein noch Whiskey oder dergleichen zu trinken, und daran hält er sich während beinah einer Stunde", tja, und dann wird’s unangenehm.
Geschichten von Menschen, Geschichten vom See
Gerold Späths Protagonist Heinrich will sich nicht hineinziehen lassen, fühlt sich allerdings jung angesichts der Aufmerksamkeit, die ihm die Gemeinschaft und besonders Bernadette angedeihen lassen; freilich gilt es, immer mit Bedacht zu agieren, und es ist auch so:
"Merke: hier fährt man scharf links, wird von rechts her überfahren."
Gerold Späth erzählt einmal mehr Geschichten von Menschen, von den Lebenden und den Toten, die so tot niemals sind solange erzählt wird, und Gerold Späth tut dies wie immer humorvoll und voller Weisheit und Ironie, ein Sprachkünstler ist er sowieso, denn wie sagt Paddy:
"Etwas Lustiges" – er überlegt eine Weile, fängt an zu grinsen – "Aber Tragödien sind doch lustig! wir mit unseren Katastrophen, Henry! wie blinde Ameisen!"
Tragödien und Komödien, die Sinnsuche und Erkenntnis kommt sicher, wenn Du sie nicht erwartest, übrigens, Charlie Joycie steht vor der Tür, steht eigentlich bereits mitten im Haus, seines Zeichens Briefträger und Commander mit direktem Kontakt in andere Lebensbereiche, da gibt’s zu lernen, Henry, da lernt Henry und der Leser lernt mit, verzweifelt und trübsinnig aber immer auch leicht und beschwingt.
Der Autor Gerold Späth
Gerold Späth wurde 1939 in Rapperswil am Zürichsee geboren. Der mehrfach ausgezeichnete Autor (1979 Alfred-Döblin-Preis, 1992 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und viele anderemehr) debütierte mit dem inzwischen legendären Roman "Unschlecht" (1970). Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke. Er lebt in Italien, Irland und Rapperswil.
Der Lenos Verlag
Der Lenos Verlag wurde 1970 gegründet und zählt zu den renommierten Verlagshäusern der Schweiz. Sein umfangreiches Programm wird geprägt von drei Schwerpunkten: von Schweizer Literatur, arabischer Literatur und aktuellen Sachbüchern. Es ist dem Verlag zu danken, dass in den letzten Jahren einige der besten Bücher des Schweizer Autors Gerold Späth erschienen, beziehungsweise wieder aufgelegt wurden. Unter anderem "Unschlecht", "Aufzeichnungen eines Fischers" oder "Mein Lac de Triomphe". "Das Spiel des Sommers neunundneunzig" , nun wieder erhältlich, erschien erstmals 1993.
Gerold Späth: Das Spiel des Sommers neunundneunzig. Lenos 2009. Gebunden, 177 Seiten. Euro 18,00.
