Über 40 detailgetreue Nachbauten historischer Schiffe von der Antike bis zur Gegenwart gibt es derzeit im Römermuseum in Seebruck am Chiemsee zu sehen. Während die vierwöchigen Seebrucker Römerwochen „Vivat Bedaium“ am 22. Juli endeten, kann die Sonderausstellung „Galeeren, Schoner und Fregatten“ noch bis zum 2. September besichtigt werden.

Bereits zum zweiten Mal stellt Ludwig Oberauer in Seebruck, dem antiken Bedaium, seine maßstabsgetreuen Schiffsmodelle aus. Neu ist unter anderem die Nachbildung einer römischen Galeere.

Ludwig Oberauer und seine große Leidenschaft

Der passionierte Chiemseesegler und Modellbootbauer Ludwig Oberauer aus Altenmarkt fertigte die im Erd- und Obergeschoss des Museums ausgestellten „Schiffe der Weltmeere“ in mühevoller Kleinarbeit mit viel Akribie und Geduld allein anhand von Bauplänen und Bildern an. So galt es Schiffsrumpf, Masten, Takelage und Besegelung sowie sämtliche Schifffahrtsdetails wie Galionsfiguren, Kanonen, Ruder, Steuerräder, Pumpen, Säulen, Luken und vieles mehr individuell anzufertigen und originalgetreu zu gestalten.

„Auf einen Bausatz habe ich in den vergangenen 50 Jahren stets verzichtet“, betont Rentner Oberauer, der in seiner Werkstatt so gut wie jeden Tag in See sticht. Auch seine nicht weniger schiffsbegeisterten Kollegen Günther Scholz und Siegfried Mauerberger sind bei der Ausstellung mit eigenen Nachbauten vertreten.

Nachbau einer antiken Galeere im Erdgeschoss des Museums

Während der Eröffnungsveranstaltung strich der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Bedaium Dr. Alfons Regnauer das im Erdgeschoss in einer großen Glasvitrine befindliche Modell einer antiken Galeere heraus und verglich diese mit dem römischen Flusskriegsschiff „Victoria“, das eine der Hauptattraktionen der unlängst zu Ende gegangenen Seebrucker "Römerwochen" war.

Etwa 590 Stunden benötigte Oberauer für den Nachbau der etwa 2200 Jahre alten Galeere, die etwa 35 Meter lang war und mit 250 bis 300 Ruderern und Soldaten eine Rammgeschwindigkeit von über zehn Knoten erreichen konnte.

„Constitution“ und „Victory“ als Modellbau-Meisterleistungen

Zu sehen gibt es auch ein beeindruckendes Modell von Amerikas erster Fregatte „Constitution“, die 1797 in den USA vom Stapel gelaufen war. Das sehr gut erhaltene Schiff liegt heute in Boston vor Anker und wird nicht mehr gesegelt. Im Original hat die „Constitution“ eine Länge über Alles von 111 Metern und eine Breite von 16 Metern und war damit größenmäßig allen anderen Fregatten überlegen. 400 Mann fanden auf ihr Platz und es wurden Geschwindigkeiten von bis zu 13,5 Knoten, also rund 25 Stundenkilometer erreicht. Insgesamt 970 Arbeitsstunden steckte Oberauer in „seine Constitution“.

Was für die Amerikaner die „Constitution“, ist für die Engländer die „HMS Victory“, deren Nachbau den Museumsbesuchern gleich nebenan ins Auge sticht. Als Admiral Nelsons Flaggschiff feierte die 40-jährige „Victory“ 1805 in der berühmten Seeschlacht von Trafalgar ihren größten Triumph. Die französisch-spanische Flotte wurde vernichtend geschlagen und Napoleon musste die britische Seeherrschaft anerkennen. Zur Herstellung ihres Abbildes benötigte Oberauer 2500 Stunden. Mit keinem Modell war er länger beschäftigt.

Die legendäre „Bounty“ und viele weitere Attraktionen

In unmittelbarer Nachbarschaft zur „Victory“ steht noch ein anderer Schiffsnachbau, dessen Original in die Geschichtsbücher eingegangen ist, das legendäre Vollschiff „Bounty“. Wer kennt sie nicht die dramatische Geschichte um die 1787 in der Südsee gegen ihren Captain William Bligh meuternden Matrosen, die in zahlreichen Büchern und 1935, 1962 und 1984 auch in drei Verfilmungen verarbeitet wurde. Oberauer erbaute das „Bounty“-Modell 2008 in 800 Arbeitsstunden.

Neben diesen vier Prachtexemplaren gibt es noch viele weitere eindrucksvolle Schiffsmodelle zu bestaunen, darunter die „SMS Seeadler“, die „Gorch Fock“, der im Bau befindliche holländische Ostindienfahrer „Prins Willem“, Hochseekreuzer, Mississippi-Dampfer, Schoner, Plätten und vieles mehr. Ludwig Oberauer bietet auch Führungen an. Weitere Informationen im Römermuseum oder unter Telefon 08667/7503.

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