Galileos Tochter – Maria Celeste führte ein armes Klosterleben

Grabstätte von Galileo Galilei - Klaus Rupp/pixelio.de
Grabstätte von Galileo Galilei - Klaus Rupp/pixelio.de
Virginia Galilei alias Suor Maria Celeste trat 1613 ins Kloster San Matteo in Arcetri ein, um für den Rest ihres Lebens in Armut und Klausur zu leben.

Virginia wurde am 12.08.1600 als erstes Kind aus einer wilden Ehe zwischen Galileo Galilei und Marina di Andrea Gamba in Padua geboren. Ein Jahr später folgte Livia, im Jahr 1606 der Sohn Vincenzio. Nach 18-jähriger Besetzung des Lehrstuhls für Mathematik in Padua zog es Galileo im Jahre 1610 wieder in seine Heimat, nach Florenz in der Toskana. Beide Töchter nahm er dabei mit, während Marina mit Vincenzo in der Republik Venedig (der Padua angehörte) verblieb. 1613 heiratete sie Giovanni Bartoluzzi, zu dem Galileo auch nach Marinas späteren Tod gute Beziehungen unterhielt.

Galileo trat in Florenz seine Stellung als Hofmathematiker beim Großherzog der Toskana an. Dabei bestimmte er das Schicksal seiner beiden noch im Kindesalter befindlichen Töchter, indem er sie ins Kloster "San Matteo" in Arcetri steckte. Da beide Mädchen noch nicht das vorgeschriebene Mindestalter für den lebenslangen Eintritt in das Kloster erreicht hatten, konnte dies Galilei erst im Jahr 1613 und auch nur mit Hilfe des Kardinals Maffeo Barberini bewerkstelligen. Im Jahr 1614 legten Virginia und Livia Galilei Nonnentracht an. 1616 legte Virginia als Suor Maria Celeste ihr Gelübde ab, im darauf folgenden Jahr folgte ihre Schwester als Suor Arcangela.

Die Entscheidung Galileis für das Nonnenkloster

Ein konkreter Grund, warum Galileo seine Töchter ins Kloster brachte, lässt sich heutzutage nicht nennen. Möglicherweise spielen alle im Folgenden genannten Beweggründe zusammen eine Rolle.

Zunächst war Galileo hoch verschuldet. Trotz seines guten Gehaltes an der Universität in Padua und später am Hofe der Medicis zehrten Verpflichtungen aus den Eheschließungen seiner beiden jüngeren Schwestern an Galileis finanziellem Spielraum. Hätte er seine beiden Töchter in mittlerer Zukunft anständig – das heißt mit einer Mitgift in würdiger Höhe – verheiraten wollen, wäre seine Verschuldung ins Astronomische gestiegen. Schon die Schulden, die aus der Mitgift seiner beiden Schwestern in Vertretung des verstorbenen Vaters entstanden waren, verfolgten ihn sein halbes Leben lang und führten fast zu seiner Einlieferung ins Schuldgefängnis. Der Eintritt der beiden Töchter ins Kloster verlangte zwar auch eine Mitgift bis einmalig 200 Scudi, jedoch stand diese in keinem Verhältnis zur üppigen Mitgift einer Vermählung.

Um das Jahr 1600 breiteten sich Einrichtungen wie das Kloster San Matteo mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit in der Gegend aus. Während Florenz 66.000 Bewohnern eine Heimat bot, lebten 5.000 Mönche und Nonnen in achtzig in der Umgebung verteilten Klöster. Vielleicht hatte der Aufenthalt Kardinals Barberinis in Florenz, der einem Besuch seiner beiden Nichten in einem nahegelegenen Kloster diente, Galileo auf die Idee hinsichtlich der Zukunft seiner Töchter gebracht. Der Gedanke war nicht abwegig, hatten seine beiden Schwestern einst doch ebenfalls einen Teil ihres Lebens im Kloster verbracht – beide hatten das Kloster später um des Sakraments der Ehe willen wieder verlassen. Für seine eigenen Töchter jedoch schätzte er aufgrund der Umstände ihrer Geburt die Chancen einer Vermählung als sehr gering ein.

Der Eintritt ins Kloster versprach Galileo auch eine gewisse Sicherheit im Gegensatz zu der Umgebung, die er ihnen zu jener Zeit lediglich bieten konnte. Seine Mutter – für ihre Streitsucht berühmt – wurde mit jedem Lebensjahr schwieriger und seine Schwestern waren mit ihren eigenen zahlreichen Kindern ausgelastet. Möglicherweise beschleunigte er seine Entscheidung aufgrund seines in diesen Monaten schlechten Gesundheitszustandes, der ihn zu einer langzeitigen Bettruhe verdammte.

Das harte und entbehrungsreiche Leben im Kloster San Matteo

Arbeit und Gebete dominierten den Tagesablauf des klösterlichen Lebens. Das Verlassen des Klostergeländes war für die Nonnen zu keiner Zeit erlaubt und Besuche waren zeitlich nur sehr eingeschränkt in speziellen Besucherräumen möglich; dabei trennte ein Eisengitter Gast und Nonne. Das Klostergelände war durch eine hohe Mauer geschützt. Im Hintergelände gab es ein großes Grundstück, das die Nonnen betreten durften bzw. mussten, um Gemüse anzubauen. Die Landwirtschaft trug zu den kargen Mahlzeiten bei, mit denen sich die Schwestern begnügen mussten. Ansonsten war das arme Kloster von Almosen abhängig. Nicht selten hungerten die Nonnen und aus rund 120 erhaltenen Briefen der Sour Celeste an ihren Vater aus den Jahren 1623 bis 1634 lässt sich herauslesen, dass sie ihn oft um Almosen bitten musste.

Im Jahr 1630 erreichte die Pest Florenz. Im Kloster wurden strenge Sicherheitsregeln erlassen. Sofern Besuch überhaupt zugelassen wurde, durfte durch das Eisengitter nur mit vorgehangenem Pergamentpapier gesprochen werden. Unabdingbare Waren vom Markt durften nur in aller Frühe gekauft werden, so dass diese von so wenigen Menschen wie möglich angefasst worden waren.

In der Tat gab es im Kloster keinen einzigen Todesfall, der auf die sogenannte Beulenpest zurückgegangen war. All die Sicherheitsmaßnahmen hätten wohl kaum die Ratten, die ja – wie man heute weiß – als Überträger der Pest verantwortlich waren, von den Klostereinrichtungen fernhalten können. Aber da die Nonnen in dieser Zeit große Hungersnot litten und die Vorratskammern leer waren, lohnte sich ein Besuch wohl nicht einmal für die Ratten.

Eine innige Liebe zwischen Vater und Tochter

Celeste erledigte ihre Aufgaben mit Hingabe und zeichnete sich im Kloster durch Fleiß und einem freundlichen Wesen aus. In ihrer sehr raren Freizeit, die sie oft zu Lasten ihrer Schlafzeit zum Schreiben der Briefe an ihren Vater nutzte, versuchte sie, ihrem Vater mit Handarbeiten nützlich zu sein. Dabei weißte sie seine Hemdkragen, kandierte Zitronen, kopierte Teile seiner Bücher in Schönschrift und ließ ihm Medizin zukommen. Um die räumliche Distanz zu seiner Tochter zu überwinden, zog Galileo am 22. September 1631 in ein Mietshaus in unmittelbarer Nähe zum Kloster.

Die erhalten gebliebenen Briefe von Celeste an ihren Vater zeugen von einer gegenseitigen emotionalen Abhängigkeit und einer nie erschütterten Liebe. Die an Celeste gerichteten Briefe Galileos allerdings bleiben bis heute verschwunden. Vermutlich wurden sie von der Mutter Oberin nach dem Tod Celestes vernichtet. Nach dem Inquisitionsprozess gegen Galileo war die Angst vor Beweisstücken wohl zu groß und die Verbindung zu einer in Verdacht der Ketzerei stehenden Person unakzeptabel gewesen.

Suor Maria Celeste starb am 2. April 1634 an der Ruhr.

Quellen:

  • Buch von Dava Sobel "Galileos Tochter", 2001, btb-Verlag, ISBN 3-442-72296-9
  • Buch von Zsolt Harsányi "Und sie bewegt sich doch", 1974, Wilhelm Heyne Verlag München
  • Biografische Daten von Suor Maria Celeste
Profilbild, Michael Jacobi

Michael Jacobi - Ich liebe das Schreiben seit ich überhaupt schreiben kann. Meine Lieblingsthemen sind Politik und Wirtschaft. Bisher habe ich ein ...

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