Gammelfleischskandal - Haftstrafe für Fleischer Wolfgang Lermer

Gammelfleisch-Döner - K. Mieth
Gammelfleisch-Döner - K. Mieth
Fleischermeister Wolfgang Lermer wurde jetzt zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Auf ihn geht einer der größten Lebensmittelskandale zurück.

Am 10. August 2011 wurde der sechzigjährige Schlachtermeister Wolfgang Lermer aus Wertingen vor dem Augsburger Landgericht zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde wegen gewerbsmäßigen Betrugs ausgesprochen. Der Fleischer hatte vor vier Jahren 130 Tonnen abgelaufenes und für den Verzehr nicht mehr zugelassenes Fleisch umetikettiert und größtenteils an Berliner Händler verkauft. In mindestens 26 Imbissen wurde das vergammelte Fleisch von Lermer an Kunden verkauft. Die Aufdeckung des Lebensmittelskandals fand im Jahr 2006 auf dem Berliner Großmarkt statt. Dort konnte die Polizei 95 Tonnen vergammelte Fleischstücke von Puten sicher stellen. Das als Schlachtabfall ausgewiesene Fleisch gelangte auf kriminellen Umwegen in den schwäbischen Betrieb des Schlachters. Aber nicht nur vergammeltes Fleisch von Puten sondern auch verfallenes Fleisch von Rindern setzte der heute Verurteilte Schlachter gewinnbringend um. Ein algerischer Abnehmer hatte das vergammelte Rindfleisch retourniert, Wolfgang Lermer nahm es ab und veräußerte es für 100.000 Euro.

Zivilcourage des LKW-Fahrers Miroslaw Strecker

Durch einen Hinweis des LKW-Fahrers, der das Gammelfleisch für Lermers Firma "Wertfleisch" transportieren sollte, flog einer der größten deutschen Lebensmittelskandal auf. Im Jahr 2007 sollte der Fahrer Miroslaw Strecker mehr als 11 Tonnen Rindfleisch bei der Firma "Wertfleisch" abliefern, das für die Tierfuttermittelherstellung ausgewiesen war. "Ich wunderte mich, was dieses Abfallfleisch in einer Fleisch- und Wurstfabrik soll", erinnert sich der brandenburgische LKW-Fahrer. Den Ausschlag gab die Handlung des Chefs des Betriebes, als der vor den Augen des Fahrers die Etiketten mit dem Aufdruck: "Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet" von den Abfallverpackungen abriss. Als Dönerspieße von mehr als 36.000 Kilo verschleiert, hatte Wolfgang Lermer das vergammelte Fleisch gewinnbringend verkauft. Vor Gericht sagte der Verurteilte lediglich, er hätte eine Riesendummheit begangen.

Eine eingespielte Produktions- und Lieferkette

Im Jahr 2006 hatte die italienische Firma „L’Altra Carne“ über die deutsche „Expim GmbH“ und den englischen Betrieb „Meat and More“ (heute Interfleisch) tonnenweise vergammeltes Fleisch und Fleischabfälle verschoben. Die schleswig-holsteinische Firma „Sonac“ in Bad Bramstedt, ein amtlich zugelassener Spezialverwerter für Schlachtabfälle und Tochterfirma von Europas größtem Fleischverarbeiter, der niederländischen Firma „Vion N.V“, kaufte die Abfälle erneut auf. Von dort aus sollen die Abfälle laut Rechnungsbelegen an die belgische Verarbeitungsfirma namens „Madrigo“ gegangen sein. In Wahrheit beauftragte die niederländische Firma „Sonac“ die „Europalogistik Zeh“ aus dem schwäbischen Schlierbach, die Fleischabfälle nach Wertingen in Bayern an die Firma „Wertfleisch“ zu transportieren. Die sogenannten K 3-Abfälle „bereitete“ der dortige Chef, Wolfgang Lermer als Dönerspieße wieder auf.

Gammelfleisch-Lieferung für Berlin

Über die Firma „Beysan“ belieferte die schwäbische Firma „Wertfleisch“ von Lermer schon jahrelang Berliner Imbisse mit tonnenweise vergammeltem Dönerfleisch. Die widerwärtige Wahrheit klingt für den LKW-Fahrer Miroslaw Strecker wie ein billiger Kriminalroman.

Von einer Spanientour kommend, wurde er später ins schwäbische Wertingen weitergeordert, wo sich vor seinen Augen der Fleischskandal offenbarte. Wolfgang Lermer übernahm die Entladung der Abfälle selbst, Strecker wurde angewiesen, sich zu entfernen. Als Lermer die Etiketten der Schlachtabfällen abriss, wurde dem Fahrer der Umfang des Skandals allgegenwärtig. Seine Tour führte ihn weiter nach Ulm, wo er die Polizei informierte. Die Gewerbeaufsicht reagierte schnell, schickte ein Polizeikommando zur „Wertfleisch GmbH Wurst- und Fleischfabrik“. Dort befand sich keine K 3- Ware (Fleischabfälle) mehr, die Beamten entdeckten nur das Dönerfleisch. Da der Lieferschein Abfälle auswies, wurde Lermers „Wurst- und Fleischfabrik“ sofort geschlossen.

Ehrung des LKW-Fahres Miroslaw Strecker durch Horst Seehofer

Der seinerzeitige Bundesminister für Landwirtschaft und Forsten sowie Verbraucherschutz Horst Seehofer ehrte Strecker im Jahr 2007 mit der „Goldenen Plakette“ für sein „außergewöhnliches Maß an Gemeinsinn und seine Zivilcourage“. Mit dem Gesetzesvorschlag des neuen Paragraphen 612 a BGB, der couragierte Hinweisgeber schützen soll, legte Seehofer eine Eingabe vor, die Menschen gesetzlich schützen soll, die auf Missstände hingewiesen haben. Sein Vorhaben scheitert am Widerstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Der Inhaber der Firma „Wertfleisch“, Wolfgang Lermer wurde am 10. August 2011 wegen "gewerbsmäßigem Betrugs" zu 2 Jahren Haft verurteilt. Der Fleischer hatte in 22 Fällen Abfälle umetikettiert und mithilfe zweier Geschäftspartner das Gammelfleisch verkauft.

Quellen: anstageslicht.de, Stern, Businessforbusiness

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Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen, wurde in den 80er Jahren ...

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