Vorsichtig setzt der Oberarzt sein Skalpell an und eröffnet den Bauchraum der Patientin, nur wenige Minuten später ertönt durch den OP ein greller Schrei - ein neues Leben ist angekommen und bereit, sich all den Dingen dieser Welt zu stellen und neugierig nach Allem zu greifen, was ihm geboten wird. In diesem Augenblick hat der Körper der frischgebackenen Mutter seine Aufgabe erfüllt und es setzt sich bereits ein naturgegebener Heilungsprozess in Bewegung. Die Wunden werden vernäht, Mutter und Kind können sich kennen lernen, und doch, die kleinen Füße, Augen und Hände sind nun so viel wichtiger als der eigene Körper.

Die ersten Tage daheim - Narben erkennen und annehmen

Spätestens bei dem ersten Besuch der Nachsorgehebamme beginnen die Narben des Kaiserschnittes, innen wie außen, eine Rolle zu spielen. Eine lange, noch stark gerötete und empfindliche Narbe hat sich über den Bauch gelegt und ist nun Teil des eigenen Körpers. War der Eingriff nicht gewollt, kommen oft noch seelische Narben hinzu, die ebenso Pflege und Zuwendung bedürfen. Eine anstrengende Schwangerschaft, eventuell eine vorangegangene, vergebliche Spontangeburt und anschließend der Kaiserschnitt - das alles muss ein einzelner Körper erst einmal verarbeiten. In den ersten Wochen, dem sogenannten Wochenbett, ist es daher besonders wichtig sich zu schonen, zu erholen und sich an das Leben mit dem neuen Erdenbürger zu gewöhnen.

Von außen nach innen - die Pflege beginnt

Hat die Narbe ihre starke Rötung verloren und krustet nicht mehr, kann vorsichtig mit der ersten Pflege begonnen werden. Ideal hierfür sind spezielle Narbenpflegeöle, sowie Cremes, Sprays und Fette, die für die Verwendung von Narben eigens konzipiert wurden. Am Anfang reicht es aus, die Narbe mehrmals täglich sanft einzucremen oder zu ölen, um die Heilungskräfte der Narbe zu unterstützen.

Taub, kribbelnd und so ganz anders - Berührungen wirken Wunder

Nach einem operativen Eingriff ist es üblich, dass nicht nur die Narbe selbst, sondern auch die umliegenden Strukturen Pflege benötigen, um wieder in ihre alte Form zurück zu finden. Viele Frauen berichten nach einer Kaiserschnittentbindung von Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder ähnlichen Gefühlsstörungen um die Narbe herum. Wichtige Strukturen wurden getrennt und müssen nun wieder zueinander finden, mit Berührungsreizen kann man ihnen helfen. Der Körper braucht viele neue Reize von außen, um die verstörte Gefühlswelt in der Bauchgegend neu zu aktivieren. Intensives Einschäumen des Bauches in der Badewanne, kleine Streicheleinheiten zwischendurch oder leichte Massagen mit den Händen, sanft und leicht, sind besonders am Anfang ein guter Weg um dem Körper zu helfen, sich selbst zu regenerieren. Doch auch die inneren Narben profitieren von soviel Zuwendung - Berührungen regen die Durchblutung und damit die körpereigene Wundheilung an und unterstützen somit auch die Heilung der inneren Wunden.

Der Anfang ist gemacht, das Ziel zum Greifen nah - bleiben Sie dran

Etwa sechs bis neun Monate nach dem Kaiserschnitt sind die äußeren wie inneren Wunden bei vielen Frauen bereits gut verheilt und dennoch kann man auch an diesem Punkt der Wundheilung den Prozess noch aktiv unterstützen. Durch eine leichte Bauchmassage mit Igelbällen, rauhen Schwämmen oder speziellen Massagerollern, kann man verstärkt Berührungsreize abgeben und erreicht damit auch tiefer gelegene Gewebeschichten. Gefühlsstörungen lassen sich damit wunderbar entgegenwirken, gänzlich vermeiden lässt es sich aber dennoch nicht bei jeder Frau. Die Narbe selbst sollte stets nur sanft massiert werden, Hilfsmittel dieser Art sind nur für die umliegenden Strukturen relevant.

Professionelle Narbenbehandlung - nutzen Sie die Hilfe von Experten

Freie Praxen für Physiotherapie und Ergotherapie bieten ihren Patienten oftmals ein gutes Angebot an fachmännischer Unterstützung bei der Narbenpflege. Besonders Frauen, die zu recht wulstigen und schlecht heilenden Narben neigen, sind oft gut damit beraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ist eine Narbe noch frisch und jung, lässt sich in vielen Fällen der Heilungsverlauf positiv beeinflussen, bei älteren Narben ist dies meist nur noch in sehr langwierigen Behandlungen möglich.

Auch die Seele muss heilen - gehen Sie in sich

Nach einem ungewollten Kaiserschnitt sind die körperlichen Narben oft das geringste Übel - das verpasste Geburtserlebnis, das sterile Antlitz eines Op-Raumes, urplötzlich ist da ein Bündel im Arm, ohne Bezug zum eigenen Ich, eine solche Geburt hinterlässt bei vielen Müttern einen negativen Beigeschmack. Im Erfahrungsaustausch mit anderen Müttern, in darauf ausgelegter Fachliteratur oder einfach im Gespräch mit der Hebamme oder Gynäkologin hilft es, einiges aufzuarbeiten - Wege gibt es viele, gehen Sie sie.

Zusammenfassung

  • Nutzen Sie spezielle Produkte für die Narbenpflege
  • Berühren Sie Ihre Narbe und den Bauch so oft es geht
  • Suchen Sie bei Bedarf die Hilfe von Fachkräften
  • Pflegen Sie auch Ihre seelischen Wunden

Siehe auch

Das Kaiserschnitt Netzwerk - Informationen, Hilfsangebote und Verarbeitungswege