Die Hansestadt Gardelegen liegt im Südwesten der Altmark zwischen Berlin und Hannover. Seit 2011, da wurden 18 Gemeinden nach Gardelegen eingemeindet, ist die Stadt nach ihrer Fläche die drittgrößte Stadt Deutschlands nach Berlin und Hamburg. In der Innenstadt sind zahlreiche Fachwerkhäuser und Bauten der norddeutschen Backsteingotik zu sehen.

Sehenswürdigkeiten in der Hansestadt Gardelegen

Das 1241 als Kauf- und Schauhaus erstmals erwähnte Rathaus steht mitten in der historischen Altstadt auf dem dreieckigen Rathausplatz. Es zeigt eine spätgotische Backsteinfassade. Die Arkaden an der Südseite sind mit Sterngewölben versehen. Der Hausmannsturm mit doppelter Laterne und die Wappen an Ost- und Westseite machen das Rathaus sehenswert.

Das Große Hospital „St. Spiritus“ stiftete ein Gardelegener Adliger. Es nahm 10 alten und hilfsbedürftigen Bürger auf. Heute nutzen mehrere Vereine und das Staatliche Schulamt die Räume.

Die Marienkirche war ursprünglich ein spätromanischer Backsteinbau. Der wurde um 1200 erbaut. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts erfolgte der Umbau zu einer fünfschiffigen Hallenkirche. 1539 hielt mit der Berufung von Bartholomäus Rieseberg, einem Schüler von Martin Luther, zum Pfarrer die Reformation Einzug in Gardelegen.

Die Nikolaikirche gehört zu den Bauten der norddeutschen Backsteingotik. Ursprünglich war sie eine romanische Basilika. Um 1300 wurde sie gotisch überformt und im frühen 16. Jahrhundert entstanden weitere Anbauten. Am 15. März 1945 wurde die Nicolaikirche bei einem Bombenangriff auf Gardelegen schwer beschädigt und steht seitdem als Ruine in der Stadt. Gerettete Stücke der Ausstattung wurden in die Marienkirche gebracht. Darunter waren u. a. der Altar und das Taufbecken.

Der Gardeleger Roland wurde erstmals 1450 erwähnt. Durch Rathausbrände wurde er mehrfach beschädigt und stets wieder aufgebaut Doch am 7.November 1727 brach er endgültig zusammen. 275 Jahre später wurde er am 18. April 2002 er wieder aufgestellt.

Das Hospital St. Spiritus entstand schon im Mittelalter aus einer Stiftung eines Gardelegener Adligen. Es konnte 10 alte und hilfsbedürftige Bürger aufnehmen. Heutzutage nutzen mehrere Vereine und das Staatliche Schulamt die Räume.

Das Salzwedeler Tor ist das einzige erhaltene Tor von einstmals drei Stadttoren. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Seine beiden mächtigen Türme, die dem Tor vorangestellt sind, haben einen Durchmesser von 9 und 18 Metern. Vom Magdeburger- und Stendaler Tor und der Stadtmauer sind nur noch Reste erhalten geblieben. Als erste Stadt in Deutschland wurde die Fläche der Stadtbefestigung zur Wallanlage. Die ist heute ein Teil des Netzwerks Gartenträume Sachsen-Anhalt.

In der Ernst-Thälmann-Straße steht das Denkmal zu Ehren des berühmten Sängers Otto Reutter. Der kam 1870 in Gardelegen zur Welt. Das im Oktober 2002 aufgestellte Denkmal schuf Heinrich Apel. Das Grab von Otto Reutter befindet sich auf dem städtischen Friedhof.

An der Landstraße von Gardelegen in Richtung Bismarck befindet sich die Mahn- und Gedenkstätte „Isenschnibber Feldscheune” für Häftlinge aus Konzentrationslagern, die hier am 13. und 14. April 1945 ermordet wurden.

Kloster Neuendorf

Wenige Kilometer sind es von der Stadt zum Kloster Neuendorf mit der gotischen Backsteinkirche und Resten der Klosterbauten.

Schloss Letzlingen

Etwa 12 Kilometer südlich der Hansestadt steht das Jagdschloss Letzlingen. In seiner heutigen Form im Tudorstil ließ es der preußische König Friedrich Wilhelm IV. auf den Grundmauern des Vorgängerbaus ab 1843 durch Friedrich August Stüler und andere Baumeister errichten. Heute sind im Schloss ein Hotel und eine Ausstellung zum Thema Jagd untergebracht.

Stadtmuseum Gardelegen

Das Stadtmuseum in der alten Löwenapotheke von 1685 beherbergt Teile der alten Ausstattung und informiert über die Stadtgeschichte. Gewürdigt werden bekannte Gardeleger Persönlichkeiten wie die Dichter Wilhelm Bornemann und Christoph Tiedge und den Coupletsänger Otto Reuter. Eine kleine Ausstellung widmet sich der in Gardelegen einst sehr wichtigen Knopfmacherei. Und in den Kellergewölben gibt es eine Ausstellung zur Bierbrauerei, zum Hopfenanbau und zur Böttcherei.

Geschichte von Gardelegen

Die erste Erwähnung Gardelegens als Sitz des Heinricus comes de Gardelege stammt von 1186. Dieser Graf Heinrich von Gardelegen war ein Bruder des Markgrafen Otto II. 1314 erhielt die Stadt das Braurecht. Seitdem wird in Gardelegen das Garleybier gebraut. Garley ist wohl der weltweit älteste bis heute genutzte Markenname. 1316 erwarb die Stadt das Schulzenamt und die „Hohe Gerichtsbarkeit“.

1353 trat Gardelegen dem Altmärkischen Städtebund und 1358 der Hanse bei. 1488 kam es zu einem Streit um die Steuern auf Bier mit dem Kurfürsten von Brandenburg. 1553 war der Bau der Stadtbefestigung mit Magdeburger, Stendaler und Salzwedeler Tor abgeschlossen. Seit 1715 gab es in Gardelegen eine Garnison. 1816 wurde der Kreis Gardelegen gebildet. Seit 1871 führt die Bahnstrecke von Berlin nach Lehrte durch die Stadt.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges kam es am 15. März 1945 zu einem Luftangriff auf Gardelegen. 52 Menschen starben. Die Nicolaikirche und weitere Gebäude wurden zerstört. Am 13. April 1945 ermordete die SS in der Isenschnibber Feldscheune 1016 KZ-Häftlinge. Einen Tag später rückte die US-Armee in die Stadt ein.

1952 wurde Gardelegen Kreisstadt im Bezirk Magdeburg. Seit 1994 gehört die Stadt zum Altmarkkreis Salzwedel.

Lage und Anreise

In Gardelegen kreuzen sich die Bundesstraßen B 71 von Magdeburg über Salzwedel nach Uelzen und die B188 von Wolfsburg via Stendal, Tangermünde und Rathenow zur B 5 bei Briesen.

Die Schnellfahrstrecke von Hannover nach Berlin führt durch Gardelegen. Vom Bahnhof Gardelegen verkehren meist im Stundentakt Regionalbahnen in Richtung Braunschweig über Oebisfelde und Wolfsburg sowie nach Stendal.

Literatur

  • Herbert Becker: Gardelegen - Tausend Jahre einer Stadt. Sutton Verlag Erfurt 2011, ISBN 978-3-8668-0840-9

Steckbrief von Gardelegen

  • Bundesland: Sachsen-Anhalt
  • Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel
  • Höhe: 43 Meter über Normal Null
  • Fläche: 632,2 Quadratkilometer
  • Einwohner am 31.12.2010: 23.971
  • Stadtgliederung: Ackendorf, Algenstedt, Berge, Breitenfeld, Dannefeld, Estedt, Gardelegen, Hemstedt, Hottendorf, Ipse, Jävenitz, Jeggau, Jerchel, Jeseritz, Kahnstieg, Kassieck, Kloster Neuendorf, Köckte, Laatzke, Letzlingen, Lindenthal, Lindstedt, Lindstedterhorst, Lotsche, Lüffingen, Mieste, Miesterhorst, Parleib, Peckfitz, Polvitz, Potzehne, Roxförde, Sachau, Schenkenhorst, Seethen, Sichau, Siems, Solpke, Tarnefitz, Taterberg, Trüstedt, Wannefeld, Wernitz, Weteritz, Wiepke Wollenhagen, Zichtaun, Zienau und Ziepel,
  • Anschrift der Stadtverwaltung: Rudolf-Breitscheid-Str. 3, D-39638 Gardelegen
  • Touristeninformation: Rathausplatz 1, D-39638 Gardelegen, Fon +49.(0)3907 19433, Mail touristinfo@gardelegen.info
  • Städtepartnerschaften: Gifhorn in Niedersachsen, Waltrop in Nordrhein-Westfalen, Darlowo (Rügenwalde) in Polen

Quellen

  1. Hansestadt Gardelegen
  2. Verein für Kultur- und Denkmalpflege Gardelegen
  3. Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt - Jagdschloss Letzlingen
  4. Schlosshotel Letzlingen