Garküchen - leichte und rasche asiatische Esskultur

Garküche und mobile Näherei in Bangkok, Thailand - Wolfgang Reuter
Garküche und mobile Näherei in Bangkok, Thailand - Wolfgang Reuter
Ohne die mobilen Straßenküchen, Garküchen genannt, würde im Bild vieler asiatischer Städte etwas fehlen. Die asiatische Esskultur wird durch sie geprägt.

Ob Bangkok, Hanoi oder chinesische Metropolen, aus dem Straßenbild asiatischer Städte sind die kleinen, mobilen Küchen, genannt Garküchen, nicht wegzudenken. Garküchen sind das, was (früher) unsere Pommesbuden oder Hähnchenbratereien waren. In China und Südost-Asien sind sie in den Städten ubiquitär verbreitet.

Garküchen sind auch deshalb so beliebt, weil Asiatinnen und Asiaten gerne zwischendurch mal eine kleine Portion zu sich nehmen, auf der Straße. Und das wird hier geboten: ein kleiner Imbiss, schnell und frisch zubereitet, schmackhaft, zu günstigen Preisen.

Garküchen in Thailand

Die thailändische Küche wird als eine der besten der Welt geschätzt - nicht zu Unrecht. Entsprechend hoch ist die Zahl der Restaurants, in denen sie Einheimischen und Touristinnen und Touristen offeriert wird. Aber damit nicht genug, allein in der thailändischen Hauptstadt Bangkok soll es bis zu 50.000 Garküchen geben. Sie stehen am Rand größerer oder kleinerer Straßen und sind die Restaurants der (nicht nur) kleinen Leute. Auch von ausländischen Besucherinnen und Besuchern werden sie gerne frequentiert.

Was die Garküchen anbieten ist im Prinzip fast food, also schnelles Essen. Doch das hat nichts mit dem zu tun, was bei uns darunter verstanden wird: fettige Pommes und Currywürste, Fleischklopse in pappigen Brötchen. Kennzeichen: Dickmacher ohne Vitamine und Ballaststoffe. Ergo, ungesund und nicht bei allen beliebt.

Schnelle, frische und aromatische asiatische Küche

In den Garküchen, den rollenden Kombüsen, wird gekocht, gebraten, gebrutzelt und gegrillt - und das ausschließlich mit frischen Zutaten. Für europäische Reisende fast unvorstellbar bei dem doch sehr überschaubaren Raum, der dafür auf schmalen Gehwegen zur Verfügung steht. Zentrales Utensil ist dabei der Wok. Kochen im Wok, der runde, gewölbte Wände aufweist, wird auch als Pfannenrühren bezeichnet. Die klein geschnittenen Zutaten werden nach und nach in den Wok gegeben kurz gegart und dabei gerührt, so dass alles knackig bleibt.

Die frischen Zutaten wie Gemüse, Fleisch oder Fisch werden häufig in einer kleinen Vitrine ausgestellt, damit Interessierte ihre Qualität beurteilen können.

Die asiatische Küche zeichnet sich dadurch aus, dass deutlich weniger Fleisch verwendet wird als hier zu Lande, stattdessen reichlich Gemüse.

Wird ein Gericht bestellt, werden die benötigten Zutaten geputzt, gesäubert und klein geschnitten. Die Speisen sind schnell fertig, da die meisten Zutaten nur kurz gegart werden. So bleibt Gemüse bissfest und ist nie zerkocht. Asiatisches fast food, schnelle Küche, bissfest, fettarm, vitaminreich und raffiniert gewürzt - einfach schmackhaft und gesund.

Was bei der Zubereitung nicht fehlen darf: Fischsauce (in Thailand: nam pla, in Vietnam: nuoc nam) sowie Sojasauce.

Was haben die Garküchen zu bieten?

Die Auswahl an Speisen ist angesichts der Möglichkeiten zwangsläufig begrenzt, aber das ist kein Nachteil. Jede Garküche hat ihre eigenen Angebote und Spezialitäten. Speisekarten gibt es nicht, es gilt nachzufragen oder sich ein vorbereitetes, z.B. Currygericht, im Topf zeigen zu lassen. Auch Suppen, wie Hühner-, Gemüse- oder eine sauer-scharfe Suppe (thailändisch: Tom Yum) werden zumeist angeboten, sehr empfehlenswert.

Die Garküchen verfügen meist über eine einfache Möblierung, einige kleine Tischchen und Stühlchen aus Plastik. Uns Farangs (thailändisch für westliche Ausländer, auch Langnasen genannt) kommen sie niedlich vor, aber: Asiaten, vor allem Südost-Asiaten erreichen selten unsere Körpergröße. Zudem muss das Mobiliar transportabel sein.

Als Essenswerkzeug dient vorwiegend der Löffel, die Gabel wird gelegentlich verwendet. Messer kommen kaum zum Einsatz, wozu auch? Die Zutaten werden vor der Zubereitung mundgerecht geschnitten und sind somit gut löffelbar.

In manchen Ländern werden gerne Essens-Stäbchen benutzt. Was für westliche Ausländer zunächst als nicht nachahmbar erscheint, ist schnell erlernbar und der Umgang mit der flinken Zange (aus dem chinesischen) ist gar nicht so schwer.

Schwimmende Garküchen im einstigen Venedig des Ostens

Die thailändische Hauptstadt Bangkok wurde bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts als das Venedig des Ostens bezeichnet. Der Grund dafür war, das es kaum Strassen gab, weil die Stadt in einem Sumpfgebiet lag und von einer Vielzahl von Kanälen durchzogen war (thailändisch: Klongs), die als Transportsystem fungierten. Die Klongs wurden im Laufe der Zeit zunehmend zugeschüttet und durch Straßen ersetzt. Einige gibt es aber noch. Wer in Bangkok weilt, sollte sich eine Klong-Rundfahrt nicht entgehen lassen. Vorzugsweise auf dem Teil der Stadt, die westlich des großen Mae-Nam-Stromes liegt. Dort wird Reisenden sicherlich eine der schwimmenden Garküchen begegnen. In den kleinen Booten ist, wie in den Kombüsen auf Rädern, alles vorhanden, was für die Zubereitung einer schnellen und schmackhaften Mahlzeit erforderlich ist.

Sind Garküchen für Touristen empfehlenswert?

Durchaus, auch wenn pauschale Urteile immer schwierig sind. Die Gerichte der Garküchen müssen nicht schlechter sein, als die von Restaurants. Auch die Hygiene ist in der Regel kein Problem.

Tipp 1: Die Zutaten werden gut sichtbar ausgestellt. Es ist also möglich, sich einen Eindruck von Frische und Qualität zu verschaffen.

Werden Geschirr und Besteck sorgfältig gereinigt?

Tipp 2: Wer darauf achtet, wo vor einer Garküche zahlreiche Einheimische ihr Essen einnehmen, kann kaum einen Fehler machen.

Siehe auch: Curry - asiatische Küche

Wolfgang Reuter - Textkontor - Texte, die gelesen werden Wolfgang Reuter ist studierter Sozialwissenschaftler und Historiker. Nach 15 Jahren in der ...

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