Marga in Brieske bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) ist die älteste Gartenstadt Deutschlands. „Sie gehört auf die Liste des Weltkulturerbes“, mit diesem Vorschlag sorgte der Senftenberger Architekt und Buchautor Wolfgang Joswig im Sommer 2007 in der Lausitz für Aufsehen. „Ihre gestalterische Geschlossenheit überragt alle vergleichbaren Siedlungen Deutschlands.“
Marga ist die erste deutsche Gartenstadt
Die denkmalgeschützte Gartenstadt wurde zwischen 1907 und 1914 nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Georg Heinsius von Mayenburg als Arbeiterkolonie der Ilse Bergbau-AG errichtet. Es entstanden 78 Gebäude mit 15 verschiedenen Haustypen. Wolfgang Joswig gilt als der Entdecker der ersten deutschen Gartenstadt. Er hatte 1991 die Geburtsurkunde beim Öffnen des Turmknaufs der Kirche gefunden. „Marga ist einzigartig und gilt noch heute als Vorbild für neue Siedlungen, beispielsweise in den USA“, sagte der Stadtplaner. Alle Straßen auf dem kreisförmigen Grundriss führen auf den rechteckigen Marktplatz. Jedes Haus hat seine speziellen Eigenheiten und wurde individuell im Jugendstil gebaut. Es gibt keine strengen Häuserfronten. Vor- und Mietergärten lockern die Anlage auf, eine Schule, Gasthaus, Kirche, Post, das Kulturhaus „Kaiserkrone“ und Geschäfte machten den Ort zu einer eigenen Stadt.
Marga auf dem Weg zum Weltkulturerbe
„Der Status als Weltkulturerbe würde der ganzen Region einen enormen Imagegewinn und einen europaweiten Bekanntheitsgrad bringen“, nennt der Architekt die großen Chancen. „Aber schon der Antrag käme einer Oscar-Nominierung gleich.“ Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Joswig sieht den hundertsten Geburtstag – 2014, das Jahr der offiziellen Fertigstellung – als realistisches Ziel. Vor allem das Umfeld, das ursprünglich ein grüner Ring um die Stadt war, müsste wieder hergestellt werden. „Auch das Windrad in unmittelbarer Nähe wäre für die Kommission sicher nicht akzeptabel.“
Die Gartenstadt ist Anziehungspunkt für den Tourismus
Die Gartenstadt Marga ist heute schon ein großer Anziehungspunkt für Touristen, die nach Senftenberg kommen. Sie gehört außerdem zu den 25 Projekten der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land. Jährlich besuchen rund 5000 Gäste die Siedlung. Darunter sind auch viele Fachgruppen und Architekturstudenten aus ganz Europa. Marga ist ein wichtiger Baustein für die touristische Entwicklung. Mit dem neuen Lausitzer Seenland wandelt sich die vom Braunkohletagebau geschundene Region derzeit zum Natur-, Kultur- und Erholungsgebiet.
Marga steht seit 1985 unter Denkmalschutz
Zu DDR-Zeiten war die Gartenstadt Marga immer mehr verfallen. Wegzug und Leerstand war die Folge. 1985 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Nach der Wende fand sich lange kein Investor. Deshalb sanierte die Eigentümerin, die Treuhand-Nachfolgerin TLG, zwischen 1998 und 2000 die maroden Gebäude selbst. Mit finanzieller Unterstützung des Landes wurden die 72 Wohnhäuser mit insgesamt 396 Wohnungen für rund 90 Millionen Mark renoviert. Heute sind in dem Briesker Stadtteil nahezu alle Wohnungen vermietet.
