
- Gazpacho andaluz: mehr als Tomatensuppe - María Trébol
Während die deutsche Küche bei Hitzewetter eher auf Kaltschale spezialisiert ist, bietet die spanische Mittelmeerküche höchsten Genuss beim Schlürfen eines eisgekühlten Gazpacho andaluz. Der Ausdruck „Gazpacho“ hat seinen Ursprung vermutlich im lateinischen „caspa“ und bedeutet Reste. Allerdings soll der Gazpacho schon in vorrömischer Zeit von Hirten zubereitet worden sein. Die nach den Römern in Spanien herrschenden Mauren verfeinerten die Suppe aus ungekochtem Gemüse dann.
Lange Gazpacho - Tradition in der spanischen Küche
Eine andere Wortinterpretation deutet den „Gazpacho“ auf arabischen Ursprung mit der Bedeutung „eingeweichtes Brot“. Vielleicht stimmt beides – das schlichte Grundmahl gab es auf der iberischen Halbinsel schon vor mehr als 1500 Jahren, das arabische Wort dafür wurde ab dem 8. Jahrhundert unter den neuen Herrschern gebräuchlich. Für diese These spricht die Geschichte: das Lateinische überlebte im kastilischen Dialekt, der sich erst ab dem 11. Jahrhundert mit der Rückeroberung und Rechristianisierung der maurischen Gebiete langsam ausbreitet und im Jahr 1492 nach dem Fall der andalusischen Stadt Granada - also der Heimat des Gazpacho - in der ersten spanischen Grammatik als Nationalsprache die Oberhand gewann.
Andalusisch kochen immer mit Knoblauch
Letztlich geht auch der Gazpacho andaluz des 21. Jahrhunderts auf eine einfache, stärkende Mischung der Landbevölkerung aus altem Brot, Knoblauch, Olivenöl, Salz und Essig zurück. Das Gemüse aus Tomaten, Paprikaschoten und Gurken macht daraus eine exquisite Vor- oder Hauptspeise bei Sommerhitze, ideal für laue Abende auf Balkon oder Terrasse. Die spanische Hausfrau, ebenso der kochende Hausmann, hat immer einen Gazpacho im Kühlschrank bereitstehen für erschöpfte Familienmitglieder oder unerwartete Gäste. Bei Festgelagen eignet sich der Gazpacho auch als Vorspeise eines Paella-Hauptgerichts.
Basisrezept für Gazpacho-Suppe
Zutaten für 2-4 Personen, je nach Speisenfolge:
1 Pfund (500 g) möglichst sonnengereifte Tomaten, enthäutet und kleingeschnitten
½ Pfund (250 g) grüne Paprikaschote, entkernt und kleingeschnitten
1 geschälte Salatgurke, kleingeschnitten
3-5 Knoblauchzehen
1 Zwiebel
200 g Weißbrot, wenn altbacken, dann einweichen, frisches Brot nur zum Aufquellen anfeuchten
1/8 l Olivenöl
Salz und Pfeffer
knapp 1/8 Wein- oder Sherryessig
Zubereitung:
Tomaten, Paprika, Gurke, Zwiebel, Knoblauch und Brot im Mixer oder mit Zauberstab pürieren, Weinessig und Olivenöl dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken, Wasser nach Dickebedarf einrühren, eventuell durch ein Haarsieb streichen, dadurch verdünnen. Die Vitamine und Mineralien halten allerdings besser ohne Durchsieben. Mindestens eine Stunde im Kühlschrank stehenlassen, ggf. mit Eiswürfeln servieren.
Gazpacho garnieren mit geröstetem Weißbrot
Wer Gäste bewirtet, sollte Schälchen mit Garnierzutaten auf den Tisch bringen: geröstete Weißbrotwürfel, weitere sehr kleine Tomaten-, Gurken- und Paprikastückchen, geraspelte Zwiebel, hartgekochte Eierscheiben. So kann jeder seine kalte Suppe nach individuellem Geschmack anreichern. Als Nachtisch kommt vielleicht eine deutsche Obstkaltschale in Frage.
Ajo Blanco aus Málaga: Kalte Knoblauch-Mandelsuppe
Eine Variation aus Málaga ist die Kalte Knoblauch-Mandelsuppe: Ajo Blanco, das bedeutet "weißer Knoblauch". Statt der Tomaten verwendet das malagenische Rezept 150 bis 200 g geschälte Mandeln und garniert die köstliche Suppe mit frischen weißen Trauben, Rosinen oder in deren Ermangelung mit Apfelstücken.
