
- Vorsicht bei Schimpfwörtern - Christian Moser
In den Sprachkursen findet man die gebräuchlichsten Schimpfwörter nicht gerade in den Anfänger-Kapiteln. Die gehen eher nach dem touristischen Motto vor: "Wo bitte hält der Autobus und wie viel Verspätung hat er heute?“ Nichts dagegen, aber im Ausland möchte man doch hin und wieder sprachgerecht seinem Ärger Luft machen. Und da wird es schwierig. Ohne tatkräftige Hilfe von Einheimischen geht da gar nichts, Wörterbücher können einen da möglicherweise auf die falsche Fährte bringen, denn es gibt in jedem Land auch regionale Unterschiede, oft zwischen Nord und Süd.
Harmloser, aber oft wirkungsloser Fluch beginnt mit „verrückt“
Im deutschen Sprachgebrauch ist ja "Sch...“ schon fast salonfähig geworden, aber wie viel eleganter klingt doch "shit“ im Englischen, auch in Plattdeutsch gut verständlich. „Merde“ im Französischen und "mierda“ auf Spanisch ginge auch noch, wenn es mehr wie ein spontaner Ausrutscher klingt und nicht zur Gewohnheit wird in der Öffentlichkeit.
Es ist ja besonders der Straßenverkehr und die oft eigenwillige Auslegung der Regeln durch die Südländer, die einen in Rage bringen. Einheimischen-Tipp: Fenster herunterkurbeln und "crazy“ (englisch, fast liebevoll, kommt aber auf den Tonfall an!), "mazzo" (italienisch) oder "loco“ (spanisch), rufen. Aber keine Hoffnung hegen, dass damit auch nur irgendeine erzieherische Wirkung erzielt wird.
Vorsicht bei sexuellen Anspielungen
Gefährlich wird es bei der Anwendung der sogenannten Four-letter-Words, die tatsächlich im Englischen und Amerikanischen immer diese geringe Anzahl von Buchstaben aufweisen wie "f...“ und alle Redewendungen damit. Die Spanier brauchen dazu schon sechs oder mehr Buchstaben. Und Zusammensetzungen mit der verehrten Mutter (mother, madre) können dazu führen, dass Sie auf offener Straße verprügelt werden!
Natürlich gibt es auch das drastische "A...loch" in allen Sprachen, und Beschimpfungen mit Zusammensetzungen von "Hure“ bedeuten auch schon eine Steigerung der Wut. Wobei sich ein Spanier nie und nimmer angegriffen fühlt, wenn ein Tscheche "Curva" sagt, was Hure in seinem Land bedeutet, in spanischen Gefilden ab nur die (Straßen)Kurve.
Als Frau ist Schimpfen besonders gefährlich oder missverständlich
Und als Frau kann ein Four-letter-Word zur grinsenden Antwort führen: "Aber gerne Señora, gleich oder später?“ Deshalb ist besonders für Vertreter des weiblichen Geschlechts Vorsicht beim Schimpfen angesagt. Ein "Kriegsrat“ mit hispanischen Frauen ergab, dass man im Straßen-Verkehr zu einem Macho, der einem die Vorfahrt nahm, sagen könne: "Machista, povrecita tu mujer!“ ("Du Macho, deine arme Frau!“), aber wer kriegt das als Ausländerin so pistolenschnell heraus wie die Einheimischen, da ist der Beschimpfte schon längst im übernächsten Kreisverkehr. Sie wiegen allerdings bedenklich den Kopf, wenn man "cabron" (Ziegenbock) schreien würde. Klingt in unseren Ohren harmlos, ist aber das übelste aller spanischen Schimpfwörter, denn es bedeutet ein Tier mit Hörnern, und dass der Spanier oder Latino ein Gehörnter, also Betrogener durch seine Frau, wäre - da versteht er überhaupt keinen Spaß.
Übrigens: bei allen Schimpfwörtern und Flüchen gilt wohl, dass sie keine Probleme lösen helfen, sie tun nur dem Schimpfenden in der ersten Aufregung selbst gut, lassen Dampf ab und vermeiden Magengeschwüre.
