Gefährlich für Mensch und Tier: der Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner auf Nahrungssuche - hhsow / Pixelio
Eichenprozessionsspinner auf Nahrungssuche - hhsow / Pixelio
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schädigen nicht nur Eichen, sondern können auch bei Mensch und Tier heftige allergische Reaktionen auslösen.

Dass man vor Eichen bei Gewitter weichen sollte, sagt ein alter Spruch aus dem Volksmund. Es gibt jedoch einem ganz anderen Grund, warum man sich von dieser Baumart fernhalten sollte: Sie wird zunehmend von den Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) befallen, die man an ihrer breiten dunklen Rückenlinie und den samtigen Feldern mit rotbraunen, langbehaarten Warzen erkennt. Die Raupen leben in ihren fein gesponnenen Nestern zwischen den Ästen und Zweigen der Eichen.

Starke Vermehrung in trockenen Jahren

Um Nahrung zu suchen, formen sie gemeinsam lange Schlangen und bewegen sich prozessionsartig fort – daher auch der Name des Tiers. Geschädigte Bäume erkennt man leicht an den kahl gefressenen Baumkronen, da die Raupen vor allem die frischen Blätter der Eichen verzehren. Die Schmetterlingsart vermehrt sich seit etwa 15 Jahren in rasanter Geschwindigkeit, besonders in trockenen Jahren wie diesem. Der Schaden an den Bäumen ist der geringere, für die Menschen können die Raupen jedoch äußerst gefährlich werden. In den silberfarbenen Brennhaaren des Raupenkörpers ist das Nesselgift Thaumetopein enthalten, das zu schweren Hautreizungen und anderen allergischen Reaktionen führen kann.

Brennhaare mit Fernwirkung: Allergisierung nicht nur beim Anfassen

Dabei ist es noch nicht einmal notwendig, die Raupen anzufassen. Während sich die Tiere im Gebüsch oder an den Bäumen bewegen, lösen sich ständig einige der Brennhaare ab und bleiben entweder an den Pflanzen hängen oder fliegen bis zu 200 Meter weit durch die Luft. Sobald ein Härchen auf die Haut oder Schleimhaut gelangt, kann das Gift einen heftigen Hautausschlag, Asthma oder sogar einen allergischen Schock auslösen. Die hohlen Brennhaare halten sich mit einem Widerhaken an der Haut fest, reizen sie mechanisch und geben zudem den Eiweißstoff Thaumetopein ab, der giftig wirkt. Die ersten Anzeichen können sich in Form von Juckreiz, punktuellen Rötungen und Schwellungen, Brennen, Quaddeln oder einer Bindehautentzündung äußern. Übelkeit und Schwindel sowie Atemnot kündigen eine schwerere allergische Reaktion an. Diese Symptome können auch bei Tieren auftreten, zum Beispiel bei Hunden, die man auf einem Spaziergang im Wald mit sich führt.

Was tun bei Kontakt mit dem Gift?

Wenn man schon aus einiger Entfernung erkennen kann, dass die Eichen kahlgefressen sind, sollte man schnellstens umkehren. Auch Nester aus feinen hellgrauen Spinnfäden deuten auf einen Befall durch Eichenprozessionsspinner hin. Wer in die Nähe solcher Bäume gelangt ist oder bereits erste Reaktionen auf das Nesselgift zeigt, sollte so schnell wie möglich duschen gehen und die gesamte Kleidung, die er getragen hat, waschen. Die reizende Wirkung der Härchen kann bis zu einem Jahr aktiv bleiben, daher ist die Entfernung äußerst wichtig. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schlüpfen Anfang Mai und verpuppen sich nach fünf bis sechs Entwicklungsstadien Ende Juli bis Anfang August. Zurück bleiben ihre Nester, die aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen bestehen. Sie halten sich durchaus mehrere Jahre und können während der ganzen Zeit Allergien bei Mensch und Tier auslösen. Bei Problemen sollte also sicherheitshalber der Arzt beziehungsweise der Tierarzt aufgesucht werden.

Eichenprozessionsspinner melden und entfernen lassen

Wer die reizenden Tierchen auf Eichenbäumen im eigenen Garten entdeckt, sollte die Entfernung Fachleuten überlassen, die dies mit geeigneter Schutzkleidung und Arbeitstechnik vornehmen. Sollten Sie in der freien Natur befallene Bäume und Nester des Eichenprozessionsspinners entdecken, melden Sie dies bitte dem zuständigen Forstamt. Derzeit hat man den Schädling vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz gefunden. Genaueres finden Sie auf einer Karte des Julius Kühn-Instituts.

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Quellen:

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

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