Gefälschte Arzneimittel

Die größte Gefahr droht bei im Internet angebotenen Medikamenten

Tabletten - pixelio.de
Tabletten - pixelio.de
Die Zahl gefälschter Arzneimittel, die oft von skrupellosen Geschäftemachern vertrieben werden, nimmt zu. Justiz und Hersteller sind meist machtlos

Experten sind sich einig darüber, dass die Zahl der Arzneimittelfälschungen zunimmt. In Deutschland davon betroffen sind vor allem sogenannte Lifestyle-Medikamente, wie zum Beispiel Schlankmacherpillen und Tabletten gegen Erektionsstörungen. Nachahmungen des Potenzmittels Viagra sind nach wie vor die beliebteste Fälschung.

Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa die Hälfte der in den Industriestaaten im Internet angebotenen Medikamente Fälschungen.

Was sind Fälschungen?

Als Fälschungen werden Arzneimittel bezeichnet, die so, wie sie dem Patienten angeboten werden, entweder gar nicht, oder nicht in der Form vom Originalhersteller stammen.

Beispiele dafür sind Medikamente, die

  • keinen Wirkstoff aufweisen,
  • einen anderen als den angegebenen Wirkstoff beinhalten,
  • den richtigen Wirkstoff, aber in zu hoher oder zu niedriger Dosierung aufweisen,
  • hinsichtlich des Verfallsdatums manipuliert wurden,
  • mit gefälschten Verpackungen und/oder Beipackzetteln angeboten werden.

Solche "Arzneimittel" sind leider in vielen Fällen weder von Ärzten oder Apothekern noch von Laien ohne nähere Informationen als Fälschungen erkennbar.

Auswirkungen

Für die Fälscher ist das ein äußerst lukratives Geschäft - sie nutzen den guten Ruf der Produkte des Originalherstellers für ihre Zwecke aus. Es kommt ihnen vor allem darauf an, die äußere Verpackung möglichst originalgetreu nachzuahmen, der Inhalt interessiert meist nicht.

Die Hälfte der 2006 in Europa qualitativ beanstandeten Waren stammte aus China. Auch wenn die chinesische Regierung mittlerweile versucht, die Sicherheit von Arzneimitteln zu gewährleisten, kommt es doch immer wieder zu Skandalen: In Panama starben letztes Jahr 100 Personen, die mit Frostschutz verseuchten Hustensaft eingenommen hatten.

In den USA, Italien, Portugal, Spanien und Rumänien zogen die Behörden hunderttausende Tuben Zahnpasta aus dem Verkehr, die ebenfalls mit Frostschutzmittel kontaminiert waren.

Auch wenn es bisher in Deutschland keine Toten aufgrund von Arzneimittelfälschungen gegeben hat, ist die Gefahr doch groß, dass die Gesundheit mittel bis schwer leidet.

"Wir haben in Deutschland das Glück gehabt, dass es bisher noch keine nachweisbaren - ich betone nachweisbaren - Fälle von zu Tode gekommenen Menschen jüngerer Zeit gibt", sagt Harald Schweim vom Pharmazeutischen Institut der Uni Bonn über gefälschte Medikamente. "Es kann aber auch wieder eine sehr große Dunkelziffer geben. In anderen Ländern wie Großbritannien hatten wir Todesfälle."

Gegenmaßnahmen

Privatpersonen sollten bei Käufen im Ausland vorsichtig sein. Hände weg von Medikamenten aus asiatischen oder osteuropäischen Ländern. Nicht auf obskure Arzneiverkaufsplattformen im Internet hereinfallen. Größtes Misstrauen ist angebracht, wenn der Anbieter bereit ist, rezeptpflichtige Medikamente ohne ärztliche Verordnung zu verschicken.

Der Staat versucht entgegenzuwirken, indem er wichtige Regelungen zur Erschwerung von Arzneimittelfälschungen einführt. Dazu gehören unter anderem die lückenlose Regelung der Arzneimittelvertriebswege, verschärfte Strafandrohungen sowie verbesserte Ermittlungsmöglichkeiten. Aufgrund des verstärkten Internethandels sind weitere Anstrengungen, insbesondere auf europäischer und internationaler Ebene erforderlich.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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