Der so kurvigen und rothaarigen wie temperamentvollen Sylter Strandbar-Betreiberin Katja Friese (Carolin Fortenbacher) hat die Nase voll. Die Promi-Insel muss Unsummen an Steuereinnahmen ans Festland überweisen, um dann damit den „Handarbeitsclub von Süderbrarup“ zu finanzieren. Als Gegenleistung erhält das nordseezerfressene Eiland nicht einmal genug Gelder für notwendige Sandvorspülungen. Da hat Ex-Politiker Heiner (Tim Grobe) einen tollkühnen Plan: Sylt, „das geilste Fleckchen Erde“, soll unabhängiger Freistaat werden. So beschließt Katja Friese: Sylt kommt ohne den Rest der Republik aus. Berlin kann uns mal", meint sie.Und schon laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und provozieren einen Skandal, der die allerhöchsten Kreise erreicht. Politikprominenz wird eingeflogen, mit Viagra und Wodka kübelweise abgefüllt, weil natürlich wieder einmal etwas schiefläuft, und die sexy Reporterin (Ina Briese) von jener deutschen Tageszeitung, die angeblich durch "starke Behauptungen die Wahrheit ersetzt", deren Chefredakteur Diekhoff heißt, hat ihr gefundenes Fressen...

Seichte Handlung und schmissige Lieder

Dietmar Löffler hat seiner sehr seichten, nahezu plumpen, Handlung witzige Liedtexte zu bekannten Melodien beigefügt. So wird zum berühmten Bossanova "darum fahr'n sie nciht nach Amrum. Darum häng'n Sie lieber hierum" geträllert. „Sylt – Ein Irrtum Gottes“ – entpuppt sich als eine Liebeserklärung an die Insel mit viel Musik und Liedern wie „Nur noch kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko, den zukünftigen Inselhits: „Sylt ist göttlich“, und dem „Sylt Cha Cha“ und Songs von George Michael, Queen, Lionel Richie, Nat King Cole, Jerry Lewis und einer brandneuen Sylt Hymne. Löffler hat die ideale Besetzung um sich versammelt und so wird aus der musikalischen Klamotte ein durchaus heiterer und gelungener Abend.

Anfangsschwierigkeiten bei der Premiere

Lag es am Premierenfieber oder an einer womöglich zu kurzen Probenzeit? Das Ensemble um Dietmar Löffler musste sich zunächst einmal warm spielen. Carolin Fortenbachers Norddeutscher Zungenschlag rollt erst gegen Ende geschmeidig über die Zunge. Stefan Hossfeld gibt den schwulen Barmann Sven zwar ausgesprochen charmant, doch auch er wird von kleinen Patzern erwischt, die immerhin souverän ausgemerzt werden. So richtig Stimmung kommt erst mit Tim Grobe als Ex-Staatssekretär auf, der sichtlich Spaß daran hat, das Publikum bei der auf die schnelle zusammengeschusterten Sylt-Hymne aufstehen zu lassen.

Ein Ensemble das Spaß macht

Doch das Ensemble spielt sich schnell auf Hochtouren. Der Spaß ist den sechs Darstellern deutlich anzumerken. Tommaso Cacciapuoti überrascht mit gesanglichem Talent und Tim Grobe begeistert mit seiner Leichtigkeit und Sinn fürs Komische. So wurde die Uraufführung in den Hamburger Kammerspielen vom Publikum umjubelt und gefeiert. Schließlich wurde noch Sylts Bürgermeisterin Petra Reiber vorgestellt, die sich ebenfalls begeistert von dem launigen Abend zeigte.

"Sylt - ein Irrtum Gottes?" läuft noch bis zum 12. August 2012 in den Hamburger Kammerspielen.