Gegen den illegalen Hundehandel

Skrupellose Händler haben Welpen als Ware entdeckt

Mitleid ist ein schlechter Ratgeber beim Welpenkauf: Illegaler Handel und unseriöse Praktiken haben seit der Grenzöffnung in Europa dramatisch zugenommen.

Sie machen sich das Kindchen-Schema zunutze und appellieren an das Mitleid tierlieber Menschen: Skrupellose Händler verkaufen Hundewelpen im Akkord, auf Märkten oder als „Lieferung frei Haus“, bestellt per Handy oder im Internet – Hundebabies ungeklärter Verpaarungen, oft geschwächt von schlechter Aufzucht, Unterernährung, der zu frühen Trennung von der Mutter und langem Transport. Seit die Grenzen nach Osteuropa im Zuge der europäischen Erweiterung offen sind, habe der illegale Handel mit Welpen in Deutschland dramatisch zugenommen, beklagen Tierschützer – und sehen die Politik gefordert.

Mit Gesetzen das Tierleid bekämpfen

„Der Weg, das Tierleid zu bekämpfen, sind strikte Grenzkontrollen, konsequentes Durchgreifen in den Ländern vor Ort und harte Strafen für die Verantwortlichen“, erklärt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Wolfgang Apel. Auch Vier Pfoten setzt sich unter anderem für strengere Einfuhrbestimmungen ein. Ende März 2008 übergaben Vertreter der Stiftung im für den Tierschutz zuständigen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin 51 000 Unterschriften gegen die „Hundemafia“.

Den in der Europäischen Union geltenden Gesetzen zufolge müssen Hunde beim Grenzübertritt mindestens acht Wochen alt, geimpft und mit Chip oder Tätowierung individuell gekennzeichnet sein. Viele der in Deutschland verkauften Tiere sind den Erkenntnissen zufolge jedoch deutlich jünger. Die meisten kommen aus Massenzuchten in Polen, Tschechien oder Ungarn: „Das Leid der Welpen aus illegalen Hundefabriken im Ausland ist immens“, weiß man beim Tierschutzbund.

Nicht alles, was legal ist, ist auch seriös

Ein weiteres Problem ist die Grauzone zwischen Illegalität und Legalität. Denn von kriminellen Aktionen wie dem Fälschen von Papieren abgesehen, ist auch längst nicht alles das seriös, was im Bereich Hundehandel den Gesetzen entspricht. Tiere, die gechippt und geimpft und im „richtigen“ Alter sind, stammen häufig ebenfalls aus katastrophalen Aufzuchtbedingungen, bei denen es nicht nur an der Gesundheitsvorsorge, sondern auch an der für die Wesensentwicklung so wichtigen Sozialisation mangelt.

Vier Pfoten sieht denn auch den Import von Hunden generell kritisch, auch wenn er unter dem Stichwort „Tierschutz“ geschieht. Mitleid sei ein schlechter Ratgeber beim Hundekauf, mahnt Sprecherin Beate Schüler. Der Deutsche Tierschutzbund warnt generell davor, „Hunde von dubiosen Anbietern zu kaufen“. Hellhörig werden sollten Interessenten zum Beispiel, wenn der Züchter eine große Zahl von Tieren verschiedener Rassen anbietet, man die Elterntiere nicht zu Gesicht bekommt oder die Übergabe gar an einem ungewöhnlichen Ort wie etwa einem Parkplatz stattfinden soll, rät Vier Pfoten unter dem Slogan „Augen auf beim Welpenkauf“.

Seriöse Züchter sind die richtige Adresse

Wer einen Welpen zu sich nehmen will, sollte sich an seriöse Züchter vor Ort wenden; kontrolliert wird etwa bei den dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossenen Rassezuchtvereinen. Für einen Hund aus dem Tierschutz sind die Tierheime vor Ort die richtige Adresse, lautet der einhellige Appell von Vier Pfoten und dem Deutschen Tierschutzbund, dessen Mitgliedsvereine in Deutschland mehr als 500 solcher Einrichtungen unterhalten. Und wer sich für mehr Tierschutz in anderen Ländern engagieren will, kann entsprechende Initiativen vor Ort wie zum Beispiel Kastrationsaktionen für Straßenhunde unterstützen.

Heike Wells, Heike Wells

Heike Wells - Heike Wells, geboren 1957 im Rheinland, lebt heute an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und arbeitet als freie Journalistin ...

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