Gehaltsgespräche führen: Argumente für mehr Gehalt

Gute Argumente helfen mehr als ein Glücksschwein - G.Spalke
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Frauen tun sich mit Gehaltsforderungen schwer. Wer ein Gehaltsgespräch führen möchte, sollte den richtigen Zeitpunkt wählen und gute Argumente sammeln.

Wer mehr verdienen möchte, der muss mehr Gehalt fordern, denn eine Gehaltserhöhung kommt in den seltensten Fällen vom Himmel gefallen. Gerade Frauen tun sich mit Forderungen jeglicher Art schwer, weil sie entweder glauben, sie hätten es nicht verdient oder meinen, sie seinen egoistisch und unverschämt, wenn sie ihren Wunsch nach besserer Bezahlung kundtun. Gehaltsgespräche sind aber unumgänglich, denn sonst wird Frau leicht übersehen und finanziell aufs Abstellgleis geschoben. Lesen Sie hier, wie man gute Gehaltsgespräche plant und führt.

Frauen verdienen weniger Gehalt als Männer

Noch immer verdienen Frauen in Deutschland deutlich weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. So bezog im Jahr 2005 eine weibliche Angestellte etwa 29 Prozent weniger Lohn als ein angestellter Mann. Zwar hat sich die Diskrepanz zwischen Männern und Frauengehältern seit den 1960er Jahren deutlich verringert, jedoch sind die Gehaltsunterschiede noch immer erheblich.

Die Gründe für diesen Missstand vielfältig. Oft haben Männer die besser bezahlten Jobs, das heißt, Frauen machen im Allgemeinen immer noch die schlechter bezahlte Arbeit. Auch arbeiten Frauen häufiger in kleinen Betrieben mit insgesamt niedriger Gehaltsstruktur. Zudem sind Frauen wesentlich seltener als Männer in Führungspositionen anzutreffen.

Das Statistische Bundesamt untersucht die Verdienstabstände zwischen Männern und Frauen regelmäßig auf der Basis „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und kommt auch nach der Berücksichtigung oben genannter Strukturunterschiede auf einen Gehaltsabstand von immerhin 17 bis 19 Prozent bei weiblichen Angestellten im Jahr 2005. Was können Frauen also tun, um wenigstens genauso gut wie ihre männlichen Kollegen bezahlt zu werden?

Gehaltsgespräche führen: Das richtige Timing

Wer ein Gehaltsgespräch plant, sollte den Zeitpunkt für das Gespräch mit Bedacht wählen. Vorgesetzte sind auf Lohnforderungen nicht gut zu sprechen, wenn sie viel Stress haben und wichtige Sitzungen anstehen. Dass man sich einen Termin für das Gehaltsgespräch geben lässt und den Chef oder die Chefin nicht auf dem Gang von der Seite anspricht, versteht sich von selbst. Hat der Arbeitgeber eine Sekretärin oder einen Assistenten, dann ist dieser oder diese die erste Anlaufstelle für die Terminvergabe. Chefs wollen meist nicht über das Gehalt reden, wenn das Jahr sich neigt und sie vor Arbeit kaum Luft holen können. Wählen Sie also, je nach Branche, einen Zeitraum, in dem das Geschäft eher ruhig läuft. In vielen Fällen wird das eher im Sommer der Fall sein.

Argumente für das Gehaltsgespräch

Wer mehr Gehalt möchte, sollte wissen, welchen Wert er für die Firma hat und sich seiner selbst sicher sein. Hat man beispielsweise seit Monaten die Arbeit eines erkrankten Kollegen übernommen und die Arbeit zusätzlich zum eigenen Pensum bewältigt, dann ist das ein gutes Argument für eine Gehaltserhöhung. Auch wer in der Firma die Abteilung oder Position wechselt und anspruchsvollere Arbeiten übertragen bekommt, hat gute Gründe mehr Geld zu fordern, vor allem wenn es Kollegen gibt, welche die gleiche Arbeit bei höherem Gehalt tun.

Den eigenen „Marktwert“ kennen kann sehr vorteilhaft sein. Man tut also gut daran zu wissen, was die Konkurrenz an Jobs zu bieten hat und wie viel dort gezahlt wird. Vorgesetzte möchten gute Mitarbeiterinnen in der Regel behalten und haben kein Interesse daran, diese an Wettbewerber zu verlieren. Wer bei einer anderen Firma für die gleiche Arbeit besser bezahlt wird, kann das gut als Argument in einem Gehaltsgespräch verwenden, oder gleich die Stelle wechseln.

Gehaltsgespräch führen: Wie hoch darf die Gehaltsforderung sein?

Ein Gehaltsgespräch ist kein Lotto-Jackpot, das heißt, es hat keinen Sinn das doppelte Gehalt zu fordern, damit man wenigsten zehn Prozent mehr bekommt. Arbeitnehmerinnen sollten sich vorab bei Berufsverbänden oder Headhuntern informieren, welche Gehälter in ihrer Branche üblicherweise gezahlt werden. Auch findet man im Internet verschiedene Portale, die Informationen über Gehälter liefern, beispielsweise auf Frauenlohnspiegel.de. Eine Gehaltserhöhung von 5 bis 20 Prozent ist, je nach Argumentation, im normalen Rahmen.

Neben guten Argumenten braucht man für Gehaltsgespräche eine ordentliche Portion Selbstsicherheit, um die Forderung angemessen zu äußern. Wer schüchtern auf seine Schuhe starrt und stottert, wird kaum einen Vorgesetzten von sich überzeugen können. Auch kommt es bei Chefs in der Regel nicht gut an, wenn Angestellte versuchen Mitleid zu erzeugen und private Gründe, wie Kreditverpflichtungen und Ähnliches, als Argumente für mehr Lohn ins Feld führen. Privates sollte privat bleiben. Argumentieren Sie nur mit Dingen, die mit ihrer Arbeit direkt zu tun haben.

Gehaltsgespräch gescheitert! Was nun?

Falls ein Vorgesetzter die Gehaltsforderung ablehnt, sollte man gut auf die Begründung hören und ein neues Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt versuchen, beispielsweise wenn ein Projekt besonders gut gelaufen ist. Wer mehrfach vertröstet wird, befindet sich wahrscheinlich auf einem beruflichen Nebengleis und sollten eventuell die Firma wechseln.

Nicht immer ist mehr Geld das Ziel einer Gehaltsverhandlung. Man kann auch fordern, die Wochenarbeitszeit zu reduzieren oder anders aufzuteilen. Viele Arbeitgeber bieten statt Geld einen Geschäftswagen oder andere Vergünstigungen, zum Beispiel Tankgutscheine, an. Frauen sollten ihre Ziele kennen und diese klar und selbstbewusst formulieren.

Quelle:

Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen, März 2006.

Buchtipp:

Claudia Kimich: Um Geld verhandeln – Gehalt, Honorar und Preis: So bekommen Sie, was Sie verdienen, Broschiert, 128 Seiten, Beck Juristischer Verlag, 2010, ISBN: 978-3406608391, 6,80 €

Gudrun-Aimée Spalke, G.Spalke

Gudrun-Aimée Spalke - Diplom Chemikerin - Diplom-Chemikerin, fünf Kinder Veröffentlichungen: Sachbücher für Menschen ab 5 ...

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