Als Christoph Columbus im Jahr 1502 auf seiner vierten Reise die Küste Mittelamerikas erkundete, lebten zahlreiche indigene Völker in der Region, die unterschiedliche Kulturen entwickelt hatten und in häufige Kriege miteinander verwickelt waren. Auch wenn keine gigantischen Tempel aus Stein wie in Mexiko, Guatemala oder Peru in Costa Rica gefunden wurden, waren die Ureinwohner Costa Ricas alles andere als primitiv.

Ureinwohner von Costa Rica - Die ersten Siedler in Mittelamerika

Die meisten Wissenschaftler sind sich heute einig, dass die ersten Siedler vor etwa 12.000 Jahren über die Beringstraße aus Asien nach Amerika gelangten. Zu jener Zeit verband eine Landmasse namens "Beringia" die beiden Kontinente. Jene ersten Siedler werden als Amerinden bezeichnet. Der Zeitpunkt, als die ersten Siedler über den zentralamerikanischen Isthmus in die Region um Costa Rica und Panama gelangten und sich dort niederließen, wird um 6.000 v. Chr. vermutet.

Geografisch-kulturell wurde das heutige Lateinamerika in drei große Regionen unterteilt: Mesoamerika, wo die Hochkulturen der Maya, Azteken und Olmeken entstanden; eine Übergangszone, zu welcher auch das heutige Costa Rica gehörte; und die inkaisch-andische Zone in Südamerika, wo sich wiederum die Hochkultur der Inka entwickelte. Die Übergangszone (Zona intermedia) reicht von Honduras über Nicaragua, Costa Rica, Panama und Kolumbien bis in den Norden von Ecuador. Aufgrund der Faszination, welche die erstaunlichen Kulturen in Mesoamerika und den Anden bei Forschern auslösten, wurde die Frühgeschichte dieser mittleren Region zunächst wenig beachtet und erst in den letzten Jahren intensiver beleuchtet.

Die Nachfahren der Chibcha in Costa Rica

Die frühen Siedler Costa Ricas werden der Gruppe der Chibcha zugeordnet, die in der Region im Südosten des Landes eine eigenen Identität entwickelten, wenn auch unter wiederholtem Einfluss aus dem Norden und Süden. Jene Siedler führten anfangs ein nomadisches Leben und schlossen sich zu Clans aus 10 bis 30 Individuen zusammen. Diese Clans identifizierten sich über ein Totem oder ein Tier, beispielsweise den Jaguar, den Uhu oder die Jagd.

Vermächtnis der Ureinwohner in Costa Rica - Die geheimnisvollen Steinkugeln der Diquís

Mit der Entwicklung der Landwirtschaft und der Lagerung von Lebensmitteln, begannen die Clans sesshaft zu werden und größere Siedlungen zu gründen. Wichtigstes Gebiet dieser Niederlassungen war das Delta des Río Diquís (Río Térraba), des größten Flusses von Costa Rica, der in der südlichen Provinz Puntarenas nahe der Halbinsel Osa in den Pazifik strömt.

Man weiß heute, dass die „Diquís“ im Südwesten Costa Ricas nicht das primitive Volk waren, als was man sie im Vergleich zu den Maya, Azteken und Inka vermutete. Neben der Herstellung von Keramik und Stoffen sowie der Holzbearbeitung zeugen ihre Goldschmiedearbeiten und ihre Kunstwerke vom Gegenteil. Dennoch wurden niemals Steine für die Errichtung von Häusern und Tempel verwendet. Ihre soziale Organisation bestand zu jener Zeit aus Stämmen, die sich durch Bräuche, Sprache und Territorium unterschieden.

Hierarchien bildeten sich heraus, bis hin zum Priester und zum Kaziken (Häuptling) als Anführer eines Stammes. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Herrschertitel matriarchalisch weitergegeben wurden. Vom 4. bis 9. Jahrhundert nach Christus wurden die Gesellschaftsstrukturen immer ausgefeilter. Jener Zeit ordnet man auch die so genannten esferas de piedra zu, perfekt geformte Kugeln aus Stein, die vermutlich zu kultischen Zwecken verwendet wurden. Die ersten wurden 1939 von der United Fruit Company aus der Umarmung des Regenwaldes befreit. Ihre Bedeutung liegt bis heute im Nebel.

Das Nationalmonument Guayabo in Costa Rica

Die einzige präkolumbische Stadt, die in Costa Rica gefunden wurde, ist Guayabo im Zentralen Hochland nahe Turrialba. Es ist nicht bekannt, welches Volk die Stadt zwischen 1.500 und 1.000 vor Christus errichtet und im 15. Jahrhundert nach Christus aus unbekannten Gründen verlassen hat. Zwischen 10.000 und 25.000 Menschen haben dort gelebt, die politisch, ökonomisch und kulturell weit entwickelt gewesen sein müssen. Grabstätten, Aquädukte, Zisternen und eine breite gepflasterte Straße können in der im Nebelwald eingebetteten Stätte heute besichtigt werden.

Die Chorotega im Nordwesten Costa Ricas

Die ethnische Gruppe der Chorotega, die in Honduras, Nicaragua und dem Nordwesten Costa Ricas verbreitet war, gilt als eines der am weitesten entwickelten Völker des vorkolumbianischen Costa Rica. Als einzige Gruppe im Land sollen sie Kenntnis von einer Schrift und einem Kalender gehabt haben. Vor allem im nördlichen Verbreitungsgebiet Honduras wurden die Chorotega von den Kulturen der Olmeken und Maya beeinflusst.

Die Sprache der Chorotega, die Chorotega oder Mangue genannt wurde und mit den Maya-Sprachen verwandt war, ist im Laufe der Geschichte ausgestorben. Sie werden als kriegerisches Volk beschrieben, dass Schlachten mit Pfeil und Bogen austrug, den Maisanbau kultivierte, seine Kleidung aus Baumwolle webte und in einem stark hierarchischen, zutiefst kultisch geprägten System lebte.

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Quellen