Knapp 15 Millionen Euro: So viel war Real Madrid die Verpflichtung des deutschen Jung-Nationalspielers Mesut Özil (21) wert. Einen Bruchteil davon, 350.000 Euro, zahlte Borussia Dortmund an Cerezo Osaka für den 21-jährigen Japaner Shinji Kagawa.
Soweit liegen die Talente also auseinander - zumindest finanziell. Doch wo der gefeierte Mesut Özil noch Schwächen zeigt, lässt das Schnäppchen aus Fernost Konstanz durchblicken. Özil zeigte bei der Weltmeisterschaft in Südafrika ähnliche Leistungen wie in der Bundesliga: der Neu-Madrilene schwankte stets zwischen Weltklasse und unterem Durchschnitt. Shinji Kagawa konnte hingegen in der gesamten Vorbereitung für den BVB durchweg starke Leistungen zeigen. Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp sind sich einig, dass sie einen richtig guten Kicker in den Ruhrpott gelotst haben.
Kagawa überzeugt in den ersten Pflichtspielen
Einen kleinen Vorgeschmack deutete der Japaner schon in den ersten beiden Pflichtspielen für den BVB an. Beim 3:0 im DFB-Pokal gegen Drittligist Burghausen glänzte er als Vorlagengeber und Spielgestalter. Beim 4:0 im Europa-League Hinspiel gegen Karabach (Aserbaidschan) krönte er sein exellentes Spiel mit zwei Toren. Mit seinen knapp 1,72 Meter Körpergröße gelang dem Asiaten sogar ein Kopfballtreffer. Damit stieß er seinem neuen Klub die Tür zur Gruppenphase ganz weit auf.
Natürlich sind Karabach und Burghausen andere Kaliber, als mögliche Gegner in der Gruppenphase im Europapokal (Liverpool, Juventus, Manchester City). Auch in der Bundesliga muss der schmächtige Offensivspieler sich ersteinmal gegen die Großen behaupten und viel wichtiger: seine erste Saison in Deutschland verletzungsfrei überstehen.
Bei seinem ersten Bundesligaspiel am ersten Spieltag gegen Bayer Leverkusen (0:2) zeigte der 13-malige japanische Nationalspieler eine engagierte und kämpfersiche Leistung. Zu selten ließ er allerdings sein Talent aufblitzen, blieb weitesgehend ungefährlich. Lediglich in 13. Minute tauchte der pfeilschnelle Kagawa nach einer guten Aktion vor Bayer-Torhüter Réne Adler auf, konnte den Ball allerdings nicht im Tor unterbringen.
Ruhiges Umfeld in Dortmund
Kritker können sagen: Er ist mit seinen 21 Jahren noch nicht reif für die Bundesliga. Doch genau das ist doch der falsche Weg. Glücklicherweise hat Shinji Kagawa einen Vorteil im Gegensatz zu Mesut Özil: ein ruhiges Umfeld. Mit Jürgen Klopp hat er einen Trainer, der auf junge Talente baut, stets die Ruhe bewahrt und zudem über Motivationskünstler-Qualitäten verfügt. Kagawa wird sich in Dortmund ein, zwei oder vielleicht auch fünf oder zehn schwache Auftritte leisten können. Ganz langsam wird man ihn an die harte Bundesliga ranführen.
Mesut Özil sieht sich in Madrid nicht nur einem extravaganten Trainer José Mourinho gegenüber, sondern auch einem erfolgsverwöhnten Publikum. Hinzu kommen die hohen Ansprüche die nun das Trainerteam der DFB-Elf um Joachim Löw an ihn stellen wird. Ein ungemeiner Leistungsdruck, der sich schnell auf den jungen Özil und dessen Leistungen auswirken.
Diese Fehler wird man in Dortmund nicht machen. Gibt man Shinji Kagawa die Zeit die er braucht, dann wird auch in Dortmund bald die japansiche Sonne aufgehen.
