Geister zum Fest – Weihnachtliche Gruselgeschichten

Cover der Erstausgabe Geister zum Fest - (c) Droemer-Knaur
Cover der Erstausgabe Geister zum Fest - (c) Droemer-Knaur
Galaabend für Gespenster: Diese hervorragende Anthologie bietet Gruselgeschichten zum Thema Weihnachten aus zwei Jahrhunderten Literatur.

Die 1992 in der Erstauflage bei Knaur erschienene und danach mehrfach neu aufgelegte Anthologie „Geister zum Fest“, Herausgeber Richard Dalby, bietet 30 weihnachtliche Gruselgeschichten vom Feinsten. Frei nach dem Motto: „Auf allen Tannenspitzen, sieht man böse Geister sitzen.“ finden sich Literaturgiganten wie Charles Dickens, Robert Louis Stevenson und M. R. James, Seite an Seite mit weniger bekannten Autoren, wie Mrs. B. M. Croker, Bernard Capes und Mrs. Alfred Baldwin (die Mutter des Premierministers Stanley Baldwin), die jedoch zu ihrer Zeit nicht minder populär waren.

Ein besonderes Highlight ist Charles Dickens „Die Geschichte von den Kobolden, die einen Totengräber stahlen“: diese Kurzgeschichte diente Dickens als Vorlage seiner berühmten Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“; der miesepetrige Totengräber Gabriel Grub ist ein direkter literarischer Ahne Ebenezer Scrooges.

Warum spukt es bevorzugt am Weihnachtsabend?

Die Geschichten werden in chronologischer Reihenfolge präsentiert – der Leser gruselt sich durch Schauergeschichten von 1836 bis 1988, wobei der Schwerpunkt auf klassischem Horror liegt: Die ersten 500 Seiten sind mit Stories gefüllt, die bereits vor dem zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurden. Der bekannteste Autor der hier vertretenen modernen Horrorgeschichten ist Ramsey Campbell.

Warum spukt es bevorzugt am Weihnachtsabend? Dazu Jerome K. Jerome („Unsere fröhliche Geisterschar“, S. 13): „Weshalb ausgerechnet am Heiligabend, habe ich selbst nie verstehen können. Es ist und bleibt eine der ungemütlichsten Nächte zum Ausgehen – kalt, dunkel und naß. Und außerdem möchte ich wetten, daß an Weihnachten jeder sowieso schon seine liebe Not hat – mit lauter lebendigen Verwandten unter einem Dach -, auch ohne, daß sich ungebetenerweise noch irgendwelche tote Verwandtschaft im Haus herumtreibt.“

In diesem Sinne - Frohes Gruseln zum Fest der Liebe mit folgenden Kurzgeschichten:

Unsere fröhliche Geisterschar – die Kurzgeschichten im Überblick:

  • Jerome K. Jerome: Unsere fröhliche Geisterschar
  • Charles Dickens: Die Geschichte von den Kobolden, die einen Totengräber stahlen
  • Mark Lemon: Das Gespenst als Detektiv
  • J. Sheridan Le Fanu: Der Totengräber
  • Robert Louis Stevenson: Markheim
  • J. M. Barrie: Das Heiligabend-Gespenst
  • Mrs. Alfred Baldwin: Original und Fälschung
  • Mrs. B. M. Croker: Nummer Neunzig
  • J. K. Bangs: Thurlows Weihnachtsgeschichte
  • Elia W. Peattle: Liebes kleines Gespenst
  • Grant Allen: Der Turm von Wolfverden
  • Bernard Capes: Ein Geisterkind
  • Algernon Blackwood: Der Seesack
  • E. Nesbit: Der Schatten
  • Elinor Glyn: Das Gespenst von Irtonwood
  • E. G. Swain: „Grabet und ihr werdet finden“
  • Algernon Blackwood: Übergang
  • M. R. James: Die Geschichte eines Verschwindens und eins Erscheinens
  • Marie Corelli: Der Mönch und der Engel
  • Hugh Walpole: Der Schnee
  • A. M. Burrage: Smee
  • Majorie Bowen: Das Rezept
  • J. B. Priestley: Der Dämonenkönig
  • H. Russel Wakefield: Der Weihnachtsbaum
  • H. Bushnell: Ich werde die geeigneten Vorkehrungen treffen
  • Rosemary Timperley: Weihnachtsbekanntschaften
  • L. P. Hartley: Der Mann im Lift
  • Ramsey Campbell: Das Weihnachtsgeschenk
  • Daphne Froome: Weihnachtszauber
  • David G. Rowlands: Gebal, Ammon und Amalek

Richard Dalby: Geister zum Fest. Weihnachtliche Gruselgeschichten. Knaur, Erstausgabe 1992. 556 Seiten. Im Moment nicht aufgelegt, aber bei Second-Hand-Buchshops erhältlich.

Uli Gönczi, Annie Schwaiger

Uli Gönczi - Uli Gönczi studierte Alte Geschichte an der LMU München und arbeitete in diversen Redaktionen. Nach dem Studium erhielt er bei ...

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