
- Cover zu Geisterhafte Grotestken - Manticor Illustrations
"Wasserspeier" waren das Thema einer Ausschreibung für Kurzgeschichten, die Fabienne Siegmund zusammen mit dem Verlag Torsten Low 2009 startete. Zahlreiche Beiträge wurden zu der Ausschreibung eingereicht und nun liegt ein liebevoll gestalteter Band vor, dessen düstere und melancholische Geschichten von den Geheimnissen der Gargoyles erzählen.
Die Autorinnen und Autoren
Neben Christoph Hardebusch, Christoph Marzi und Oliver Plaschka, die auch einem größeren Publikum bekannt sind, haben sich weitere bekannte AutorInnen an dieser Geschichtensammlung beteiligt. Hierzu gehören unter anderem Chris Lind, die zuletzt historische Romane veröffentlichte, und Tanya Carpenter, die seit 2007 mit ihrer Vampirserie erfolgreich ist.
Alle Namen hier aufzulisten, würde den Rahmen ebenso sprengen wie eine Einzelbesprechung aller Geschichten, aber der Übersetzer und Herausgeber Torsten Scheib, der auch 2011 wieder für den Vincentpreis nominiert war und dort hervorragend abgeschnitten hat, sowie Ruth M. Fuchs, die Herausgeberin des Magazins "Neues aus Anderwelt", sollen nicht unerwähnt bleiben.
Aber auch die Namen der bisher nicht so bekannten AutorInnen sollte man sich merken und nach weiteren Werken von ihnen Ausschau halten.
Wer mehr erfahren möchte, ist mit dem ausführlichen Autorenregister gut bedient.
Die Geschichten und Illustrationen
23 grandiose gargoyleske Texte sind hier zusammengefasst, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit eine faszinierend einheitliche Grundstimmung und Geschlossenheit aufweisen, die diese Sammlung zu etwas Besonderem machen. Dank des Ideenreichtums der AutorInnen und der sorgfältigen Auswahl und Zusammenstellung durch die Herausgeberin wird die Lektüre nie langweilig und angenehmes Gruseln und anhaltende Empathie für die Figuren der Geschichten ist garantiert - wobei es sich bei dieser Empathie nicht unbedingt um Mitgefühl oder Mitleid handeln muss: Es kann auch ein Gefühl von Schadenfreude sein. In der Geschichte "Verfolgswahn" zum Beispiel gönnt man dem Protagonisten das Ende der Geschichte genauso wie in "Die Nachtwache".
Jede Geschichte erhielt von Maik Schmidt, Manticore Illustrations, noch eine eigene, einleitende Zeichnung. Diese Bilder sind so aussagekräftig, dass darin viele Geschichten schon auf den Punkt gebracht werden. Bitte mehr davon!
Kleine Mängel
Bei aller Begeisterung für diese Geschichtensammlung gibt es aber doch zwei kleinere Kritikpunkte. Zum einen weist eine Geschichte einen kleinen Grammatikfehler auf. Dieser fällt aber wohl nur einem Grammaholic wie der Rezensentin auf und schmälert das Lesevergnügen definitiv nicht. Trotzdem soll an dieser Stelle möglichen Beschwerden anderer Grammatikjunkies vorgebeugt sein.
Der andere Mangel ist schon etwas auffälliger und leider richtig - nun ja: doof. Durch ein technisches Problem sind laut Verlagsauskunft ein paar Leerzeichen dem Satz entfleucht. Aber gut, Schwund ist überall und vielleicht hocken die Ausreißer ja jetzt auf irgendeiner Kathedrale und warten auf ihre Gargoylisierung. Am Lesevergnügen ändert das jedenfalls nichts.
Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen.
Geisterhafte Grotesken, Hrsg.: Fabienne Siegmund, Verlag Torsten Low, Meitingen, 2010, Umschlaggestaltung und Illustrationen: Maik Schmidt, Manticore Illustrations, ISBN 978-3-940036-05-6, 13,90 € (D)
