Geisterzug fällt aus!

Logo des Geisterzuges - geisterzug.de
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Leider mussten die Veranstalter den alternativen Karnevalsumzug für dieses Jahr absagen.

Im Geisterzug kann jeder spontan und ohne vorherige Anmeldung als Geist oder dunkle Gestalt durch die Straßen der Kölner Innenstadt ziehen. Der Zugweg wechselt jährlich und wird bewusst so gelegt, dass Fahrzeuge nicht teilnehmen können; auch elektrische Musik ist nicht erwünscht. Die Teilnehmer dieses Umzugs wollen durch ihre gruseligen Kostüme und selbstgemachter Musik Aufmerksamkeit erregen.

Zum einen steht dieser Umzug historisch in der alten Tradition der Geistervertreibung zum Frühlingsbeginn. Damit der helle Teil des Jahres wieder einziehen konnte, sollten die Geister in der Nacht zum 4. Februar aus dem Haus getrieben werden. Man dachte, da die Geister gerne ihre Ruhe haben, diese mit viel Lärm vertreiben zu können. Und so werden auch heute noch die dicke Trumm, Sambagruppen und ähnliches für diesen Zweck eingesetzt. Nach alter Logik musste Gleiches mit Gleichem gebannt werden, daher wurden die Geister verjagt, indem man sie darstellte und zwar zu der ihnen gemäßen Tageszeit: im Dunklen.

Zum anderen bietet der Geisterzug die Möglichkeit durch Protestlieder und -Aufmachungen gemeinschaftlich gegen widrige Umstände zu demonstrieren. Diese Funktion lag schon in den Anfängen des Geisterzuges, wie wir ihn aus dem Kölner Karneval kennen. Als wegen des 2. Golfkriegs der Kölner Rosenmontagszug 1991 ausfiel, sollte auf der üblichen Strecke des Rosenmontagszugs eine Anti-Golfkriegs-Demonstration stattfinden. Letztlich gingen Antikriegs-Demonstranten und Karnevalisten gemeinsam durch die Kölner Innenstadt. Aufgrund des Erfolgs fand am Karnevalssamstag des folgenden Jahres der zweite Geisterzug statt und es ging von da an jährlich weiter.

Der Zug steht auch heute noch jedes Jahr unter einem Motto, das in der Regel von aktuellen politischen Ereignissen inspiriert ist. Der Zugweg wird so gewählt, dass er an Orten vorbei führt, die mit diesem Thema in Verbindung stehen. Die Geisterzüge 2010 – 2017 stehen unter dem Obermotto „Däm Agrippina ze Ihre“, da im Jahr 2015 der 2.000ste Geburtstag der Stadt-„gründerin“ gefeiert werden kann.

Bei den Geisterzügen zu Agrippina gibt es neben dem Geschichtlichen auch ein politisches Hauptthema: die Emanzipation. Sie war in den 1970er und 80er Jahren ein wesentliches Thema, mittlerweile geht die Tendenz aber in die Gegenrichtung, wie die Veranstalter des Geisterzuges beklagen. „Auch wenn offiziell darüber gejammert wird, dass es zu wenig Frauen in den Führungsetagen gibt, geht es doch in der Hauptsache darum, dass Frauen wieder an Heim und Herd sollen, um Kinder aufzuziehen, weil die Deutschen angeblich aussterben und damit sie aus den Arbeitslosenstatistiken rauszufallen. Agrippina ist ein Musterbeispiel an emanzipierter Frau: sie war die einzige römische Kaiserin; nicht nur Kaisergattin.“

Die Geisterzüge sollen nacheinander die römischen Hauptstraßen nach Köln hinein gehen. Der Umzug 2012 sollte in Braunsfeld beginnen und dann einer der wichtigsten römischen Hauptstraßen nach Köln folgen: der Aachener Straße bis zum mittleren der drei römischen Westtore und am Apostelnkloster enden.

Und genau aus diesem Grund werden die Geister dieses Jahr nicht zu Karneval durch Kölns Straßen ziehen. Denn bei einer Begehung der Strecke mit Ordnungsämtern, Polizei und KVB mussten die Veranstalter feststellen, dass die Absicherung dieses Zugweges den Rahmen aller bisherigen Züge um ein vielfaches sprengen würde: “Da die Gleise der KVB zwischen Rudolfplatz und Eisenbahn sowie westlich der Inneren Kanalstr. nicht abgesichert sind, wir aber die Aufrechterhaltung des Straßenbahnverkehrs in Köln für notwendig erachten, müssten wir fast auf der gesamten Aachener Str. bis zur Eupener Str. Drängelgitter aufstellen, die auch nur mittels eines hohen Ordnereinsatzes von den Zuschauern respektiert werden. Dadurch würden sich unsere Kosten gegenüber anderen Jahren mehr als verzehnfachen!” schreibt der Verein auf seiner Homepage. “Das können und wollen wir unseren Zuschussgebern nicht zumuten. Und in der Kürze der Zeit weitere Sponsoren in dieser Größenordnung zu finden, ist vollkommen unrealistisch.”

Aus diesen Gründen hat der Verein sich dafür entschieden, den Geisterzug 2012 komplett ausfallen zu lassen. Die Zeit für die Organisation einer verkürzten oder alternativen Strecke reicht nun leider nicht mehr aus.

2013 soll sich der Geisterzug aber auf der Venloer Straße zurückmelden. Ob es gelingen wird, hängt davon ab, ob das Ordnungsamt bereit ist, mit den Forderungen auf alte Standards zurück zu kommen und sich weitere Sponsoren für den Geisterzug finden lassen.

Dafür wird der Nubbel dieses Jahr vielleicht umso öfter ins Feuer geworfen!