Geld, Macht und Sex bilden eine gefährliche Trias

Labyrinth - Bernhard Schlögl
Labyrinth - Bernhard Schlögl
Erfolgreiche Machtmenschen sehen es scheinbar als ihr gutes Recht, sich im gesellschaftlichen Umfeld einfach zu nehmen, was immer ihnen gefällt.

In der Sendung von Anne Will am Sonntag den 22. Mai 2011 ging es um die Frage, ob Männer in exponierten Positionen ein eigenes Moralverständnis haben. Schließlich scheint es so, dass „mächtige Männer“ Reichtum und beliebigen Sex als etwas betrachten, was ihnen nach ihrem eigenen Selbstverständnis „zusteht“. Die Person des 62-jährigen IWF-Chefs Strauss-Kahn, für den die Unschuldsvermutung gilt, und der ihm vorgeworfene gewaltsame sexuelle Übergriff auf eine 32-jährige Reinigungsfrau eines Hotels in New York am 15. Mai 2011, war der Anlass der Diskussion. Ähnliche Vorkommnisse sind aber kein Einzelfall. Ein in die Sendung eingespielter Erklärungsversuch einer Frau Dietz hat die Theorie nahegelegt, dass „sexuelle Übergriffe mächtiger Männer auf beliebige Frauen“ ein Verhaltensmuster sind, das in der Zoologie ganz allgemein sogenannten „Alpha-Tieren“ zugeordnet wird.

Die Grenzziehung in der Sendung

Wie unterschiedlich die Standpunkte der Diskussionsteilnehmer auch immer waren, einig war man sich darüber, dass Gewaltanwendung eine Grenze ist, die nicht überschritten werden darf. Bei allen kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland, Frankreich und Amerika, war man sich zumindest darüber einig. Darüber, dass Liebeswerben zumindest tendenziell auch immer einen Hauch von Aggression in sich birgt, war man sich ebenso einig, wie darüber, dass die Grenze von aggressivem Werben und Gewaltanwendung unscharf ist.

Die bislang vorhandenen Informationen im Fall Strauss-Kahn

Die Anzeige der 32-jährigen Reinigungsfrau eines New Yorker Hotels führte zur umgehenden Verhaftung des IWF-Chefs Strauss-Kahn am Flughafen von New York. Ihm wird sexuelle Nötigung und ein Vergewaltigungsversuch vorgeworfen. Als Gegenposition haben Freunde von Strauss-Kahn umgehend Verschwörungstheorien politischer Gegner in die Welt gesetzt und alles als einen großen Irrtum darzustellen versucht. Seine Frau hält zumindest in der Öffentlichkeit zu ihm und versichert, dass könne einfach nicht wahr sein, weil ihr Mann so etwas nie tun würde. Seit Jahren gibt es mehrere Vorwürfe wegen sexueller Belästigungen gegen Strauss-Kahn, ohne dass es aber je zu einer Anklage gekommen ist. Gegner von Strauss-Kahn möchten nun gerne diese alten unbewiesenen Vorwürfe als erschwerend gegen ihn in die Wagschale werfen.

Opferschutz kontra Täterschutz

Mehrfach wurde von den Diskussionsteilnehmern beteuert, dass in der Rechtsordnung die Täter oftmals mehr Schutz genießen als die Opfer. Für die Täter gilt bis zu einer eventuellen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Daraus ergibt sich aber leider zwangsläufig, dass bis zum Zeitpunkt der eventuellen Verurteilung des Täters das Opfer einer Vergewaltigung als potentielle Lügnerin dasteht. Der anwesende Jurist Peter Raue hat die Situation realistisch darzustellen versucht, in der sich ein Opfer sexueller Gewalt vor Gericht befindet. Demnach muss das Opfer damit rechnen, dass es vor Gericht ein zweites Mal zum Opfer wird. Ein zugeschalteter ehemaliger Staatsanwalt hat das unterstrichen, indem er bekannt hat, dass er seiner eigenen Tochter, die Opfer eines Sexualtäters geworden ist, geraten hat, nicht zu klagen, um ihr diese Peinlichkeiten vor Gericht zu ersparen, oder, wenn es dumm läuft, am Ende selbst als Verleumderin eines ehrenwerten Mannes dazustehen.

Was in Gesellschaft und Recht schief läuft

Wer es in unserer Gesellschaft zu Reichtum und Macht bringt, gilt von vornherein als ehrenwert. Wer Geld und Macht besitzt, gilt als begehrenswert. Geld und Macht gelten als sexy und das weibliche Geschlecht fährt in der Regel auf diese Reize voll ab. Die Illustrierten sind voll mit Bildern und Geschichten von älteren wohlhabenden Herren und ihren jungen hübschen Gespielinnen. Da sich mächtigen reichen Männern Frauen in Scharen anbieten, finden diese es als selbstverständlich, sich an Frauen nach Wunsch bedienen zu können, und das oft auch ohne lange nach deren Einverständnis zu fragen oder gar darum zu bitten. Da diese Fälle mit mangelndem Einverständnis ganz selten vor Gericht kommen, aus schon erwähnten Gründen, scheinen sie in keiner Statistik auf, sondern sind lediglich Dunkelziffer über die man mutmaßen kann, jedoch nichts Genaues weiß.

Dass das Recht nicht wie Regen vom Himmel fällt, sondern von politischen Mandataren als Machtansprüche ihrer Wähler im parlamentarischen Prozess in Gesetzesform gebracht wird, legt nahe, dass es nicht Ausdruck von Gerechtigkeit ist, sondern ein Abbild der Machtverhältnisse in einem Staat. Daraus ergibt sich logisch, dass das Recht die Mächtigen schützt und die Schwachen benachteiligt. Dass es Personen gibt, die verabscheuenswürdige Dinge tun, liegt in der menschlichen Natur. Um das durch Strafandrohung zu unterbinden oder wenigstens im Nachhinein zu bestrafen und damit der Wiederholung vorzubeugen, gibt sich eine Gesellschaft ein Rechtssystem. Der eigentliche Skandal ist daher, dass dieses Rechtssystem zumindest für mächtige Personen vielfach eher als ein Täterschutzprogramm wirkt, als dass es anständige Bürger und unschuldige Opfer vor Straftätern schützt.

Quelle: ARD Sendung ANNE WILL, Sendung vom 22. Mai 2011

Labyrinth, mein Logo seit den 1980er Jahren, Bernhard Schlögl

Bernhard Schlögl - Jahrgang 1952 Teilstudium Medizin, Jus, Philosophie Beruf: Pharmareferent bunte Interessenvielfalt Sternzeichen: Steinbock

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