
- Abendhimmel - furioses Spiel der Farben - Günter Jagodzinska
Schenkt man Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Magazinbeilagen großer Tageszeitungen Glauben, dann scheinen sich tatsächlich "wahre Schätze auf den Festplatten" von Hobbyfotografen zu verbergen. Angeblich warten diese nur darauf, gehoben zu werden. Mit Überschriften wie "Machen Sie Ihre Urlaubsfotos zu barer Münze" wird Interesse geweckt. Derart animiert entstehen Träume vom schnellen Geld. Die Anmeldung bei einer Bildagentur ist nur einige wenige Mausklicks entfernt, und dann beginnt das große Geldscheffeln.
Bildagenturen verlangen Topqualität zu Minipreisen
Die Realität hingegen sieht ganz anders aus. Das Geschäft mit dem Bild ist heiß umkämpft, die Agenturen befinden sich in einem gnadenlosen Wettbewerb. Es überlebt nur die, die in ihrem Angebot dem vorherrschenden Trend vorauseilt. Motive, die sich als "echte Verkaufsschlager" hundertfach verkaufen lassen, gibt es tatsächlich. Doch genau diese werden inzwischen von Bildproduzenten bedient, die die Stockfotografie zum Beruf gemacht haben. Hinter deren Portfolio steckt harte Arbeit, aktuell am gefragten Motiv werden die Anfragen bedient. Geliefert werden hochauflösende Fotodateien in technisch brillanter Ausführung.
Private Emotion ist kein Verkaufsargument
Die Wahrscheinlichkeit, dass der umworbene Urlaubsfotograf rein zufällig ein annähernd in der gleichen Perfektion erstelltes Foto anzubieten hat, ist verschwindend gering. Die Enttäuschung wird sich recht schnell einstellen, wenn die angebotenen Fotos von der belieferten Bildagentur abgelehnt werden. Der emotionale Moment, den der Fotograf beim Betrachten seines eigenen Bildes empfindet, findet beim Mitarbeiter der Bildagentur nicht statt. Dieser hat in wenigen Sekunden zu entscheiden, ob das Foto "vermarktungsfähig" ist oder nicht. Entscheidend für einen Zufallstreffer kann bei der zu bewältigenden Bilderflut nur ein absolut außergewöhnlich gutes Motiv sein.
Rechte am Bild - eine Verletzung wird teuer
Das Nichtwissen über die Gesetzgebung zum "Recht am Bild" und deren Verletzung kann für den unerfahrenen Amateur leicht zur kostspieligen Falle werden. In der Regel hat der Bildautor dafür Sorge zu tragen, dass seine angebotenen Fotos den rechtlichen Vorgaben gerecht werden. Wer Fotos, auf denen Personen abgebildet sind, ohne deren schriftliche Freigabe (Model-Release) zur kommerziellen Veröffentlichung anbietet, riskiert erhebliche Schadenersatzforderungen. Gleiches gilt für durch Gebrauchsmuster geschützte Objekte. Selbst eine kleine Osterhäschenfigur vom Warenhauswühltisch kann davon betroffen sein. Wer die wunderschöne Aufnahme des nächtlich illuminierten Eiffelturms ohne schriftliche Freigabe anbietet, muss mit Schadensersatzforderungen rechnen, die schnell in den fünfstelligen Eurobereich gehen
Tolles Foto - unerwünschtes Motiv
Ein Sonnenuntergang am Traumstrand von Tahiti, eine Nahaufnahmen eines Löwen im Safaripark oder ein wunderschönes Makro einer Orchidee - eine Aufzählung, die sich endlos fortsetzen ließe. In Bildagenturen sind sie in zehn- bis hunderttausendfacher Ausführung für kleine Centbeträge zu erwerben. Der Fotograf muss akzeptieren, dass je nach Honorarmodell etwa 30 bis 60 Cent pro Verkauf für ihn übrig bleiben. Als Fazit bleibt: Der nächste Urlaub lässt sich nicht mit dem Verkauf von Fotos des vergangenen finanzieren. Die Vermarktung von Bildmaterial über Internet-Bildagenturen ist für ernsthafte Amateure eine interessante Möglichkeit, mit ihrem Hobby ein kleines Nebeneinkommen zu erwerben. Die Hürden liegen hoch. Bevor man sich zum Mitmachen entschließt, empfiehlt sich die intensive Beobachtung dessen, was bereits im Angebot vorhanden ist.
