Gelsenallergie - schmerzhafte Überreaktion auf Stechmücken

Allergischer Gelsenstich, nach ca. 1h, etwa 10cm - Katharina Ruppert
Allergischer Gelsenstich, nach ca. 1h, etwa 10cm - Katharina Ruppert
Kann man gegen Gelsen (Stechmücken) allergisch sein? Wie äußert sich das? Und was kann man dagegen tun?

Immer mehr Menschen klagen im Sommer über allergische Reaktionen auf Gelsenstiche. Dabei kommt es nach dem Stich nicht nur zu kleinen lokalen Rötungen, Beulen und Juckreiz, sondern die Einstichstelle schwillt stark an und schmerzt. Dies kann bei einmaligem Auftreten ein Zeichen für eine bakterielle Infektion sein; in diesem Fall helfen Antibiotika. Sollte es jedoch nach den meisten Gelsenstichen zu großen Schwellungen, Schmerzen und Blutdruckschwankungen kommen, liegt vermutlich eine Allergie vor.

Woraus besteht der Speichel von Stechmücken?

Einerseits enthält der Mückenspeichel gerinnungshemmende Stoffe, damit das Blut flüssig bleibt und die Gelse ungehindert saugen kann. Andererseits sind im Speichel auch Eiweißstoffe der Stechmücke enthalten, die eine Immunantwort auslösen können. Auch eine Art Betäubungsmittel ist im Speichel enthalten: die Mücke möchte verhindern, dass der Mensch während des Saugens merkt, dass er gestochen wurde.

Was passiert nach einem Gelsenstich?

Normalerweise schwillt die Einstichstelle ein wenig an. Eine etwa fingernagelgroße Rötung (etwa fünf bis zehn Millimeter) entsteht. Bei einer allergischen Reaktion kann die Schwellung Ausmaße von zehn Zentimetern Durchmesser erreichen und der Verletzung nach einem Wespenstich ähneln.

Wie kommt es zu einer Gelsenstichallergie?

Das Immunsystem des Menschen erkennt, dass an der Einstichstelle etwas nicht in Ordnung ist: Haut und Gefäße wurden verletzt und Fremdstoffe sind eingedrungen. Eine Immunantwort ist die natürliche Konsequenz. Eine übertriebene Immunantwort wird als Allergie bezeichnet: wesentlich mehr Immunstoffe als notwendig kommen zur Einstichstelle und lösen eine spürbare Entzündungsreaktion aus. Dabei kommt es zu den fünf Kardinalsymptomen einer Entzündung: Rötung, Schwellung, Schmerz, Funktionseinschränkung und Hitze-Entwicklung.

Ist eine Gelsenallergie gefährlich?

Vereinzelte Stiche lösen üblicherweise zwar lokale Symptome aus (wie oben beschrieben), sind jedoch für den gesamten Organismus nicht bedrohlich. Jedoch kann es im Extremfall - wie etwa bei sehr vielen Stichen gleichzeitig - zu unspezifischen Symptomen kommen: Durchfall, Kopf- und Gliederschmerzen und plötzlichen starken Blutdruckschwankungen. Jedoch ist bisher kein Fall bekannt, bei dem es durch Mückenstiche zum Tod des Betroffenen kam.

Vorsicht ist geboten, wenn noch keine Allergie diagnostiziert wurde und erstmals ein Stich ungewöhnlich schnell und starkt anschwillt: Es kann sich auch um eine bakterielle Infektion handeln, die sogar zur Blutvergiftung führen könnte. Daher ist im Zweifelsfall umgehend ein Arzt aufzusuchen!

Wie kann eine Allergie gegen Mückenstiche zweifelsfrei festgestellt werden?

Wie bei anderen Allergien gibt es auch hierfür einen Allergie-Test: Mittels Antikörperbestimmung im Blut wird nachgewiesen, ob der Körper auf die Eiweißstoffe im Mückenspeichel allergisch reagiert oder nicht. Jedoch sind bisher noch nicht alle Allergene im Speichel identifiziert.

Wie kann man sich vor Gelsenstichen schützen?

Besonders aktiv sind die Stechmücken in der Abenddämmerung und etwa zwei Stunden danach. Sie werden durch Licht und Körpergerüche angelockt. Damit man jedoch im Sommer nicht auf alle outdoor-Aktivitäten am Abend verzichten muss, kann man sich mit einem Gelsenspray oder einer Lotion schützen. Diese Mittel sind im Drogeriemarkt und in der Apotheke erhältlich. Weiters sind Fliegengitter an Fenstern ein wirksamer Schutz gegen Gelsen in der Wohnung.

Was kann man als Allergiker tun, wenn man bereits gestochen wurde?

Die wichtigste Sofortmaßnahme ist: Nicht kratzen! Zwar fällt es angesichts des Juckreizes sehr schwer, sich nicht permanent durch Fingernägel-Einsatz Linderung zu verschaffen. Aber durch das Kratzen werden Bakterien in die Wunde gebracht, wodurch eine Entzündungsreaktion wesentlich begünstigt wird.

Eine Kühlung der Einstichstelle lindert den Juckreiz und bremst die Schwellung. Zusätzlich gibt es sogenannte "after bite"-Produkte, die durch ihre Inhaltsstoffe (Ammoniak, Alkohol, Aloe Vera, Bisabolol, Menthol, Panthenol,...) dem Juckreiz entgegen wirken.

Histaminblocker-Tabletten gibt es in der Apotheke zu kaufen. Sie werden oral eingenommen und hemmen die Histaminbildung. Dieser Botenstoff ist für viele Allergie-Symptome verantwortlich. Bei Menschen, die besonders empfindlich auf Gelsenstiche und auch andere Insektenstiche reagieren, sollten solche Tabletten als ständige Begleiter bei Ausflügen mitgeführt werden.

Hausmittel gegen den Juckreiz und die Schwellung sind: Zwiebeln, Essig, schwarzer Tee, Alkohol, Teebaumöl oder zerriebenes und aufgelöstes Aspirin auf die Einstichstelle.

Außerdem sind kühlende Salben und Fenistil-Tropfen sehr hilfreich. Eine Therapie gegen die Gelsen-Allergie gibt es bislang noch nicht.

Wer wird besonders häufig gestochen?

Viele leidgeplagte Menschen kennen das: Eine sommerliche Abendveranstaltung, viele viele Menschen, viele viele Gelsen, und eine äußerst ungerechte Verteilung der Stiche auf die Anwesenden. Der Grund dafür ist, dass Stechmücken sich ihre "Opfer" gut aussuchen. Sie mögen vor allem dünne und gut durchblutete Haut; daher gehen sie grundsätzlich lieber auf Damen los. Weiters sind Gerüche wichtig. Jedoch weiß man noch nicht genau, welche Düfte auf Gelsen anziehend und welche abschreckend wirken. Knoblauch dürfte die Mini-Vampire vertreiben, ist jedoch als Permanent-Parfum eher ungeeignet. Lavendel- und Citronella-Öl werden von Gelsen ebenfalls gemieden.

Quellen

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Karu, Katharina Ruppert

Karu Lami - Ich bin Ernährungswissenschafterin, Sozialarbeiterin, Katzen- Besitzerin, Heimwerkerin, Fotografin, Camperin, Botanikerin, Shubunkin- ...

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