
- Schalke04 - Bredehom Jens/Pixelio
Kohle, Dreck und schlechte Luft, diese Attribute fallen oft in einem Atemzug, wenn man den Namen Gelsenkirchen hört. Stimmen die Vorurteile?
Stadt im Wandel
Kohle und Stahl, das war einmal. Gelsenkirchen ist heute nicht mehr Industriestandort, sondern Dienstleistungszentrum. Eine Stadt im Wandel, wie sie sonst nur im Osten Deutschlands anzutreffen ist. Eine der höchsten Arbeitslosenzahlen im Westen, kein Geld im Stadtsäckel und dennoch, irgendwie liegt ein besonderes Flair auf dieser Stadt. Besucher, welche sich in die Lokalitäten der Stadt begeben und dort einen möglicherweise bayrischen oder anderen fremden Dialekt nach außen tragen, hören oft Sätze wie „Ey du, willse watt trinken? Wo bisse her?“ Die Ruhris, wie die Bewohner des Ruhrgebiets liebevoll genannt werden, zu dem auch Gelsenkirchen zählt, sind herzlich und tragen die Zunge auf dem Herzen, dies merkt man sofort, wenn man mit den Menschen in Kontakt tritt. Wohl mit Ausnahme von Köln lassen sich kaum schneller Kontakte knüpfen als im Ruhrgebiet. Gelsenkirchen weist heute viele kulturelle Attraktionen auf. Sei es das Kulturzentrum Kaue in Heßler, das ehemalige Buga-Gelände, oder das Museum in Buer, das Musiktheater im Revier, aber auch Haus Leythe und Schloss Berge oder der ehemalige Ruhr-Zoo, der heute eine vorbildliche Tiererlebniswelt (ZOOM) darstellt, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Schalke 04
Hinzu kommt ein Phänomen, welches in der Republik momentan und in der Stadt selbst immer in aller Munde ist, der Fußballverein Schalke 04. Kaum ein Fußballverein hat so viele treue und „verrückte Fans“ wie Schalke 04. Der Satz des Berliner Bürgermeisters Wowereit, Berlin sei arm aber sexy, lässt sich eins zu eins auf diese Stadt übertragen. Die Stadt ist zweifelsfrei arm. Dieser Armut versuchen immer mehr Menschen, vor allem junge, zu entfliehen. Von den einst 391.000 Einwohnern sollen nach einer Prognose im Jahr 2025 nur noch etwa 225.000 Einwohner übrig bleiben (Studie der Bertelsmannstiftung). Trotz aller nach außen scheinenden Tristesse sind die Menschen, die der Stadt nicht den Rücken kehren, mit ihrer Stadt sehr zufrieden und fühlen sich in ihr sehr wohl. Dies belegen auch die vielen Hymnen und Lieder, die auf die Stadt gedichtet wurden. Nur wer Gelsenkirchen einmal kennengelernt und besucht hat, wird merken, dass die Vorurteile nicht stimmen.
Gelsenkirchen wird in erster Linie durch die dort lebenden Menschen charakterisiert. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass trotz eines hohen Migrantenanteils die Quote an Ausländerfeindlichkeit unterdurchschnittlich ist und das Miteinander der verschiedenen Kulturen dafür umso größer ist. Gelsenkirchener sagen oft: „Damals haben wir dem Rest der Republik den Allerwertesten... mit unserer Kohle gewärmt und heute will uns keiner mehr.“ Hier kommen Stolz und Verzweiflung gleichermaßen zum Ausdruck. Einen Grund für diese Verzweiflung gibt es jedoch nicht, denn die Stadt und ihr Wert definiert sich durch die Menschen. Die Zukunft von Gelsenkirchen wird somit durch die in ihr lebenden Menschen selbst bestimmt.
Quellenangaben:
Bertelsmannstiftung-Bevölkerungsprognose 2025
