Jaya Ramashandran, eine 22-jährige Witwe, geriet hochschwanger zwischen die Fronten von Regierungstruppen und Rebellen, die sich selbst als Tamilische-Befreiungs-Tiger bezeichnen, und seit Jahren erbittert um die Unabhängigkeit im Nordosten Sri Lankas kämpfen. Der Körper von Jayas Ehemann Rashid wurde erst kürzlich bei der Arbeit in den Reisfeldern von Granatgeschossen zerfetzt. Jetzt wollte die junge Frau nicht noch ihr erstes Kind verlieren und war auf dem Weg in eines der notdürftig errichteten Flüchtlingslager südlich der Kampfzone.

Der Inselstaat unterhalb der Südspitze Indiens wird im Mai 2009 gleich von zwei Krisen gebeutelt. Einmal sind wie Jaya noch zehntausende Zivilisten auf einem schmalen Landstreifen im Norden eingeschlossen, die von den „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) nicht weggelassen werden, während erbittert weiter geschossen wird. Die andere Katastrophe sind die überbordenden Notlager, in denen bisher 200.000 Menschen Unterschlupf fanden, die aus der Kampfzone flüchten konnten.

Schneller Beistand mit Erste-Hilfe-Fonds

Zu den ersten, die den Notleidenden zu Hilfe kamen, um sie wenigstens provisorisch mit Nahrung, Decken und Medizin zu versorgen, gehören die Mitarbeiter der „Organisation zur Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten“ (OCHA) der Vereinten Nationen sowie Einsatzkräfte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Geld für die medizinischen Sofortmaßnahmen kommt aus dem Erste-Hilfe-Budget der UNO, das mittlerweile die 100-Millionen-Dollar-Marke überschritt, wie die WHO kürzlich verkündete. Dieses Budget wird wiederum einem besonderen Topf – dem Zentralen Notfall-Linderungs-Fonds der Vereinten Nationen – entnommen, mit dem weltweit den Opfern von Naturgewalten oder von Menschenhand verursachten Leids schnell und unbürokratisch Beistand geleistet werden soll.

Nicaraguaner, denen Seuchen nach dem Hurrikan Felix drohten, Sudanesen, die aus den permanenten Konfliktgebieten fliehen, Überlebende des Zyklons Nargis, der Myanmar heimsuchte, und viele andere haben rund um den Globus bereits von den lebensrettenden Aktionen profitiert, die der „Central Emergency Response Fund“ (CERF) ermöglichte.

Mehr als eine Milliarde Dollar für Katastrophenhilfe in 67 Ländern

Seit seiner Gründung im Jahre 2006 haben mehr als 100 UNO-Mitgliedsländer, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar für den gemeinsamen Hilfsfonds gestiftet. Nicht alle Gelder sind bisher auch tatsächlich geflossen, aber reichlich über eine Milliarde Dollar wurden schon für Notprogramme in 67 Ländern aus diesem Topf finanziert.

Er ermöglicht der Weltorganisation schnellen Zugriff auf ihre Konten und hilft damit potenziell das Leben von Tausenden in Krisen- und Katastrophengebieten zu erhalten. Die medizinische Versorgung obliegt der Abteilung „Gesundheitsaktion in Krisenfällen“, einer schnellen Eingreiftruppe der WHO in von Notfällen betroffene Staaten auf allen Kontinenten. Die UNO kann hier auch ihren Vorteil ausspielen, dass sie in fast allen Ländern der Erde mit mindestens einem Büro oder Spezialprogramm vertreten ist.

Vorrangig Nothilfe für afrikanische Katastrophenopfer

“Die 100-Millionen-Dollar Schallmauer durchbrochen zu haben, ist ein Zeichen für die Wertschätzung unserer Leistung in Noteinsätzen“, sagt Dr. Eric Laroche, der für die Abteilung „Gesundheitsaktion in Krisenfällen“ zuständige stellvertretende Generaldirektor der Weltgesundheitsbehörde. Zwei Drittel dieser Summe wurden für medizinische Soforthilfe in plötzlichen Notsituationen wie Erdbeben, Zyklonen und Konflikten ausgegeben, während 35,4 Millionen Dollar längerfristigen Gesundheitsprojekten beispielsweise in den asiatischen Tsunami-Gebieten zu Gute kamen, deren Finanzierung nicht ausreichte. Der gröβte Anteil der eingesetzten Gelder zur Katastrophenlinderung ging nach Afrika, gefolgt von der östlichen Mittelmeer-Region, Südost-Asien und dem westpazifischen Raum.

Auch Jaya Ramashandran aus Sri Lanka konnte durch Mittel des Nothilfe-Fonds der UNO aus ihrer verzweifelten Lage befreit werden. Kurz nachdem sie bei Nacht und Nebel eines der Aufnahmelager in Jaffna erreichte, brachte sie mit internationaler ärztlicher Hilfe einen gesunden Sohn zur Welt.