Gendiagnostikgesetz 2010: Humangenetik und DNA Vaterschaftstest

Humangenetische Untersuchung und Vaterschaftstest - Siegfried Fries - Pixelio.de
Humangenetische Untersuchung und Vaterschaftstest - Siegfried Fries - Pixelio.de
Durch das 2010 in Kraft getretene Gendiagnostikgesetz hat sich die rechtliche Grundlage für humangenetische Untersuchungen und Vaterschaftstests verändert.

Humangenetische Untersuchungen helfen heute, erblich veranlagte Krankheiten zu diagnostizieren. DNA Vaterschaftstests werden zu relativ geringen Kosten im Internet oder in der Apotheke angeboten. Viele Beiträge im Web befassen sich inzwischen mit diesen Themen. Nicht immer werden dabei die wichtigen Änderungen durch das Gendiagnostikgesetz berücksichtigt.

Das Gendiagnostikgesetz

Das Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (kurz: Gendiagnostikgesetz) regelt seit 1. Februar 2010 sowohl humangenetische Untersuchungen bei Patienten als auch Abstammungsuntersuchungen auf Basis von DNA-Analysen. Hintergrund des Gesetzes ist der umfassende Schutz des Mensches auf informationelle Selbstbestimmung, die im Grundgesetz verankert ist. Um die genetischen Daten eines Mensches besonders zu schützen, hat die deutsche Legislative im Gendiagnostikgesetz umfassende Vorschriften zur Durchführung genetischer Untersuchungen gemacht.

Unter anderem muss ein Patient muss vor der medizinisch indizierten genetischen Untersuchung umfassend über die Untersuchung und deren mögliche Folgen aufgeklärt werden. Seinerseits muss der Patient seine Einwilligung schriftlich erteilen. Diese Einwilligung kann zu einem späteren Zeitpunkt jedoch widerrufen werden (Recht auf Nichtwissen), so dass ein noch nicht mitgeteiltes Untersuchungsergebnis dann durch den Arzt dem Patienten nicht mehr übermittelt werden kann.

Auswirkung auf DNA-Abstammungsuntersuchungen

Obwohl eine DNA-Analyse zum Zwecke der Abstammungsuntersuchung (zum Beispiel bei einem Vaterschaftstest oder Vaterschaftsgutachten) keine humangenetische Untersuchung darstellt, sind diese Untersuchungen ebenfalls im Gendiagnostikgesetz geregelt. DNA der Testpersonen wird hier in der Regel durch einen Mundschleimhautabstrich mittels Wattetupfern gewonnen.

Wichtige Änderungen sind die Aufklärung durch den Sachverständigen sowie die schriftliche Einwilligung in eine Abstammungsuntersuchung durch die am Test teilnehmenden Personen sowie deren gesetzlichen Vertretern. Bei minderjährigen sind dies die sorgeberechtigten Eltern. Ein Vaterschaftstest mit Haaren, die ein zweifelnder Vater seinem Kind ohne Zustimmung der Mutter heimlich entnommen hat, sind durch den Gesetzgeber damit unterbunden. Dieses Verbot ist umfassend in der Presse diskutiert worden und ist daher in allen Informationen zum Thema Abstammungsgutachten im Internet zu finden.

Verboten wurden ebenfalls pränatale Vaterschaftstests, die vor der Geburt während der Schwangerschaft im Rahmen von Fruchtwasseruntersuchungen durchgeführt wurden. Diese sind nur noch dann möglich, wenn die Schwangerschaft im Zusammenhang mit einer Straftat steht. Dieses Verbot hat nur wenig Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erhalten, so dass viele Informationsseiten im Web veraltete Darstellungen enthalten.

Kritische Bewertung des Gendiagnostikgesetzes

Im Zusammenhang mit Abstammungsanalysen wurde das Gendiagnostikgesetz unter anderem durch die Organisation Pro Asyl kritisiert, da es DNA-Vaterschaftstests zum Nachweis von Verwandtschaftsverhältnissen beim Familiennachzug explizit ausnimmt und damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung für Immigranten nicht besonders geschützt wird.

Wie viele Gesetze hat das Gendiagnostikgesetz zusätzliche Bürokratie und nicht immer klare Vorgaben zur Umsetzung der gesetzlichen Regelungen geschaffen. Auf der anderen Seite wird es schon jetzt in Teilen der naturwissenschaftlichen und medizinischen Realität nicht mehr gerecht. Diese Punkte werden insbesondere von betroffenen Ärzten und Humangenetikern bemängelt.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Anwalt – ersetzen können.

Stephanie Karg - Stephanie Karg war nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre sowie der Sprachen Englisch und Spanisch mehrere Jahre in ...

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