Genealogie im Computer: Software für die Ahnenforschung

"Stammbusch" - S. Schleichert
Das Angebot an Computerprogrammen für genealogische Daten ist schier unübersehbar. Einige Gesichtspunkte gibt es aber, die beachtet werden sollten.

Eine erste Übersicht bietet die Liste der verfügbaren Programme im Portal GenWiki, ausführliche Tests erscheinen regelmäßig in der Zeitschrift Computergenealogie. Generell gilt aber: Wer zwei Ahnenforscher um Rat nach dem besten Programm fragt, wird mit Sicherheit drei Antworten bekommen. Die sinnvollste Herangehensweise ist daher, selbst einige Programme zu testen, denn jeder Benutzer hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen.

Wichtige Kriterien für die Auswahl: GEDCOM, Ereignisse, Quellenverwaltung

Für den, der seine Daten auch mit anderen austauschen oder im Internet veröffentlichen möchte, sollte GEDCOM-Kompatibilität an erster Stelle stehen. Dabei handelt es sich um ein spezielles Datenformat, das für den flexiblen Austausch genealogischer Daten entwickelt wurde. Allerdings ist nicht überall, wo GEDCOM draufsteht, auch GEDCOM drin: nicht alle Programme schaffen tatsächlich den verlustfreien Transfer aller Daten. Schwierigkeiten bereiten oft die Notizen und Quellenangaben, die aber für die weitere Forschung unverzichtbar sind.

Manche Programme sehen nur feste Felder für Geburt, Heirat, Tod vor und bieten nicht die Möglichkeit, etwa mehrere Berufe oder Wohnorte pro Person einzugeben. Grundsätzlich sollte es möglich sein, über die grundlegenden Standards hinaus eine unbegrenzte Anzahl von Ereignissen und Attributen einzugeben. Da jede Liste an vordefinierten Ereignissen irgendwann an ihre Grenzen stößt, kann es sehr hilfreich sein, eigene Ereignisse definieren zu können. Beispielsweise sieht kaum ein Programm im Standard vor, den Status einer Person (Bürger, Einwohner, Hintersasse etc.) aufzuführen. Ganz wichtig ist darüber hinaus eine gute Quellenverwaltung. Jedes Ereignis sollte mit mehreren Quellenangaben versehen werden können und auch mit Notizen über weitere Details.

Auswertung und Darstellung

Wichtig sind außerdem Such- und Abfragemöglichkeiten. Alphabetische Namens- und Ortslisten sollten selbstverständlich sein, aber auch weitergehende Abfragen sind sehr hilfreich, etwa die Frage nach allen Personen mit Namen Müller, die von Beruf Arbeiter sind oder in einem bestimmten Ort vorkommen. Die schönsten Forschungsergebnisse nützen nichts, wenn sie nicht dargestellt werden können. Besondere Aufmerksamkeit sollte daher auch den Ausgabemöglichkeiten des Programms am Bildschirm und im Druck gewidmet werden. In der graphischen Darstellung beschränken sich die meisten Programme auf Ahnentafel (Vorfahren) oder Stammbaum (Nachkommen) oder eine Kombination von beidem (Sanduhrdarstellung). Die wenigsten beherrschen eine komplette Darstellung der gesamten Verwandtschaft.

Geschmackssache

Alles, was darüber hinaus geht, bleibt dem persönlichen Geschmack des Benutzers überlassen. Manche Programme sind kostenlos, manche müssen gekauft werden. Manche liegen nur auf Englisch oder Deutsch vor, manche haben auch Module für andere Sprachen. Manche lassen sich gut per Maus steuern, andere per Tastatur. Mit den entsprechenden Features ausgestattet, kann genealogische Software ein mächtiges Hilfsmittel für die Ahnenforschung sein - weit mehr als ein Zettelkasten jemals könnte.

Sabine Schleichert, S. Schleichert

Sabine Schleichert - Historikerin und Genealogin Beruflicher Werdegang: 1986-1992: Studium der Geschichte und Sozialkunde, Abschluss ...

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