
- Noch sind die Handwerker nicht weg - Benita Brunnert
Das nachbarliche Schauspielhaus verkündet in seiner roten Laufschrift:: "Wir heißen das Ohnsorg-Theater herzlich willkommen und wünschen toi, toi, toi." Draußen vor dem Eingang des Ohnsorg verrichten Handwerker noch die letzten Arbeiten. Aber es sind nur noch Kleinigkeiten. Ein Hamburger meint im Hinblick auf die Elbphilharmonie: "Das ist schon eine Leistung, das Haus wird pünktlich fertig, kann sogar schon bespielt werden UND die Kosten sind in dem errechneten Rahmen geblieben.Es geht also." Es ist Freitag, der 26. August 2011. Das Ohnsorg-Theater hat zahlreiche Mitglieder des Verbandes Hamburger Amateur Theater zu einer öffentlichen Generalprobe von "En Sommernachtsdroom", der plattdeutschen Adaption des berühmten Shakespeare-Stückes geladen.
Es fühlt sich gut an
"Wie fühlt es sich denn nun bei Ihnen an?", fragt Intendant Christian Seeler sein Publikum als erstes und erhält ausschließlich positive Stimmen. "Hier oben auf der Bühne fühlt es sich auch gut an", bestätigt er. "Dass Sie die Handwerker noch am Eingang arbeiten sehen, liegt nur daran, dass wir Ihnen einmal zeigen wollten, was wir hier in den letzten Wochen erlebt haben." Zu den Handwerkern hätte man mittlerweile eine Hassliebe entwickelt. Man bewundere sie, für ihre Arbeit, aber man sei auch froh, wenn sie den endlich verschwinden.
Im Rangfoyer gibt es 9 Sitze für die Damentoiletten
Alles ist neu, edler, moderner und geräumiger geworden. Das fällt sofort auf, wenn man ins Bieberhaus, der neuen Spielstätte des Traditionstheaters kommt. Das plüschige "kommodige" ist verschwunden. Aber bei den Toiletten hat sich nichts geändert. So scheint es zumindest, wenn die Damen die Tür zu den Sanitäranlagen öffnen. Ach, Herr Seeler! "Moment mal", das lässt der Intendant so nicht auf sich sitzen. Im Rangfoyer gibt es ja auch noch Toiletten. Ich habe gezählt. Neun Sitze für die Damen. Und sie können in den Rang auch mit dem Fahrstuhl gelangen".
Ein moderner Sommernachtstraum
Doch nach diesem kleinen Vorgeplänkel mit dem Publikum geht es endlich los. Der Sommernachtsdroom beginnt. Auf der Seitenbühne, rechts, finden die Musiker Platz. Die Bühne ist mit einem langen Tisch, einem Stuhl und einigen Kerzen geschmückt. Langsam kommen die Spieler in modernen, teilweise sehr eleganten, teilweise sehr bequemen Kostümen auf die Bühne. Die Musik spielt, die Bühne dreht sich. Ein Auftakt, wie man ihn so bisher noch nicht erlebt hat, im Ohnsorg. Michael Bogdanov führt erstmalig am Ohnsorg Theater Regie und bringt erfrischende Ideen ein. Auf der anderen Seite, ist vieles aber auch erst durch das neue Haus möglich.
Nicht alles ist verständlich
An Aufwand wird bei diesem Sommernachtsdroom nicht gespart. 17 Schauspieler und fünf Musiker zeigen ein beeindruckendes Schauspielerlebnis. Allerdings, der hervorragenden Akkustik, die Indenant Christian Seeler vorab so lobte, zum Trotz, an Textverständlichkeit hapert es noch. Vor allen Dingen dann, wenn die Musiker spielen und Darsteller zeitgleich sprechen müssen. Wer dann direkt neben der Seitenbühne sitzt, hat kaum eine Chance, die Worte zu hören. Doch vielleicht gelingt dies noch bis zur Premiere.
Hervorragende schauspielerische Leistung
Zum Schreien komisch gibt Andrea Gerhard die liebeswütige und aufdringliche Helena. Sehr verhalten und noch immer schwächstes Glied der Ohnsorg-Kette ist Christian Richard Bauer als Demetrius. Mit reichlich trockenem Humor schlüpft Erkki Hopf in die Rolle des Puck. Laut, temperamtentvoll, engagiert und mit unübersehbarem Spaß poltert Hortst Arenthold als Handwerker Klaas Zettel über die Bühne. Bogdanov hat mit "Een Sommernachtsdroom" eine rasante und charmante Komödie auf die Bretter gebracht und die neuen Möglichkeiten der frisch bezogenen Bühne voll ausgekostet. Wunderschön, wenn Beate Kiupel auf einem großen Elfenblatt unter die Scheinwerfer schwebt und dort in tiefem Schlaf versinkt. Die Besucher, der Generalprobe waren sich einig: "En Sommernachtsdroom" ist absolut sehenswert. Die Galapremiere findet am Sonntag, 28. August um 20 Uhr im Bieberhaus, der neuen Spielstätte des Ohnsorg Theaters statt.
