
- Schüler mit Nachhilfelehrerin - unbekannt
Wenn das Kind mit einer schlechten Note oder gar einem schlechten Zeugnis heimkommt, ist Unmut und Ratlosigkeit vorprogrammiert. Die erste Idee ist in diesem Zusammenhang immer öfter Nachhilfe. Doch diese wird heutzutage in ganz verschiedenen Variationen angeboten und muss auf den Schüler abgestimmt sein, um Erfolg versprechen zu können. Auch die Frage der Kosten spielt eine nicht unwichtige Rolle für die Eltern, gerade dann, wenn mehrere Kinder betroffen sind. Grundlegend ist aber die Einsicht des Schülers! Ist diesem das Problem noch nicht bewusst, sieht er keinen Sinn in extra Stunden und wird mit Trotz, Wut und Abwehr reagieren. In solchen Fällen steht der Nachhilfelehrer auf verlorenem Posten.
Die individuell passende Nachhilfe
Für alle übrigen Fälle gilt es vorab die geeignete Form der Nachhilfe zu finden. Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Möglichkeiten:
- private Nachhilfe von Mitschülern
- private Nachhilfe von älteren Schülern oder Studierenden
- private oder institutionelle Nachhilfe von angehenden oder ehemaligen Lehrern
- organisierte Nachhilfeinstitute mit Einzel- oder Gruppenunterricht
Von Mitschülern lernen
Eine Alternative ist also private Nachhilfe zu Hause. Hierbei liegt der wichtigste Schritt in der Suche nach der geeigneten Lehrperson. Für jemanden aus der gleichen Klasse sprechen mehrere Faktoren: zum einen empfindet das Kind die Nachhilfe auf diese Art nicht so sehr als Strafe, zum anderen wissen Klassenkameraden mit besseren Noten ganz genau, was der Lehrer erwartet. Sicherlich ist diese Methode auch die günstigste (je nach dem Alter der Kinder genügen eventuell schon 5 Euro), erfordert aber einen anwesenden Elternteil, der dafür sorgt, dass auch wirklich gelernt wird.
Erfahrene Schüler und Studenten helfen jüngeren
Diese Aufgabe entfällt bei älteren Schülern oder Studenten. Erfahrungsgemäß ist es aber dennoch sinnvoll in regelmäßigen Abstände die Ergebnisse der Nachhilfestunden zu überprüfen. Diese Nachhilfelehrer kommen nach Hause oder empfangen die Schüler bei sich. Je nachdem ob man auf dem Land oder in einer Großstadt wohnt, schwanken die Kosten für eine Stunde zwischen 10 und 20 Euro.
Pensionäre als Ruhepol und junge Lehrkräfte voller Elan
Viele angehende Lehrer nutzen Nachhilfestunden als Übung fürs Unterrichten, während pensionierte Lehrer gern noch einmal ihre Erfahrungen weitergeben. Beide Methoden erreichen gute Erfolgsquoten, wobei sich angehende Lehrer eher für ältere Schüler eignen und pensionierte für die Unterstufe oder untere Mittelstufe. Ältere Schüler finden junge Lehrer häufig sympathisch, während sich die Ruhe der älteren Lehrer positiv auf die jungen Schüler auswirkt, die zu Konzentrationsproblemen neigen. Pensionäre, aber oftmals auch Referendare, sind seltener privat vermittelt zu bekommen, sondern arbeiten häufig für Nachhilfeinstitute, die entweder Lehrer zu den Schülern nach Hause schicken oder aber Stunden in Nachhilfezentren anbieten, daher verläuft die Bezahlung auch indirekt und ist mit weiteren Zusatzkosten verbunden.
Nachhilfeinstitute planen bis ins Detail
In jeder größeren Stadt existieren heute verschiedenste Nachhilfeinstitute mitunter mit zahlreichen Filialen pro Stadt. Die Unterschiede liegen lediglich im Detail. Im Regelfall gehen die Eltern einen Vertrag über ein Schul(-halb)jahr ein und stimmen einer Kündigungsfrist zu. Der Schüler erhält in seinem Problemfach oder bei Bedarf auch in einer Fächerkombination Nachhilfestunden, die je nach Alter 45, 60 oder 90 Minuten dauern können. Zumeist findet der Unterricht in kleinen Lerngruppen von drei bis fünf Personen statt, wobei natürlich dafür gesorgt wird, dass die Gruppen alterstechnisch, weitestgehend charakterlich und selbstverständlich hinsichtlich des Faches und der anzustrebenden Kompetenzen harmonieren. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Hauptschüler und ein Gymnasiast oder eine Sechstklässlerin mit einer Neuntklässlerin zusammenarbeiten muss. Dies wirkt auf die Eltern zunächst unpassend, kann sich aber in einigen Fällen als sinnvoll erweisen, wenn die Schüler gegenseitig voneinander profitieren und die Rolle des Lehrers auf diese Art etwas in den Hintergrund rückt.
Diese Institute prüfen ihr Lehrpersonal vorab und regelmäßig im Laufe der Kooperation hinsichtlich ihrer Kompetenzen, führen immer wieder Schulungen durch und gestatten den Eltern Einblicke in den Unterricht, sowie Probestunden für die Kinder. Zudem ist es möglich, den Lehrer zu wechseln, sollte der Schüler einmal nicht mit seinem Helfer harmonieren. Die Stunden sind nur bei den jüngeren Schülern als erweiterte Hausaufgabenbetreuung zu verstehen. Nach der Unterstufe wird gezielt auf extra Übungsaufgaben und Gruppenkommunikation gesetzt. Hierfür existieren in den meisten Fällen eigene Lehrwerke mit unzähligen Aufgaben, welche den Schulstoff vertiefen. Diese sind so angelegt, dass sie mit den unterschiedlichen Lehrwerken, die momentan im Umlauf sind, kompatibel sind und zudem noch versuchen, diese um einige Hilfestellungen zu ergänzen.
Vor den zentralen Prüfungszeiträumen finden zudem immer öfter gezielte Crashkurse und Prüfungsvorbereitungen mitunter mit Probeklausuren statt. Solch Veranstaltungen benötigen dann allerdings etwas mehr Einsatz, da sie einige Stunden in Anspruch nehmen und desöfteren auf Wochenenden gelegt werden.
Für besondere Fälle besteht die Möglichkeit des Einzelunterrichts zu gesonderten Konditionen. Preislich gesehen liegen diese Institutionen erstaunlicher Weise letztlich unterhalb der Kosten für eine private Nachhilfe. Diese Tatsache lässt sich aus der längerfristigen Bindung, den Kombiangeboten und dem üblichen Gruppenunterricht erklären.
Schulinterne Förderprogramme
Auch die Schulen selbst haben mittlerweile erkannt, dass bei dem modernen System zu viele Schüler auf der Strecke bleiben, deren Möglichkeiten an sich völlig ausreichend sind, und dass nur weil sie etwas mehr Zeit bräuchten. Einfache Hausaufgabenbetreuung reicht da nicht länger aus. Aus diesem Grunde spielen in den Stundenplan integrierte Förderstunden eine immer wichtigere Rolle. Diese existieren für die zentralsten Hauptfächer, Mathematik, Deutsch und Englisch, und werden zumeist in wechselndem Turnus abgehalten. Begründet wird dieser negative Aspekt mit dem Fakt, dass der ohnehin schon übervolle Stundenplan ansonsten noch weiter ausgedehnt würde.
Die Unterrichtsstunden in den Fördergruppen sind zur inhaltlichen Vertiefung, Festigung und Übung gedacht. Es darf weder im Thema vorangeschritten werden, noch werden Hausaufgaben gestellt. Der Fokus in den Fremdsprachen liegt auf der verbalen Anwendung der aktuellen Redewendungen und der schriftlichen Einübung der Grammatik. Oftmals muss auf Vorstufen zurückgegriffen werden.
Einzig der Faktor der Stigmatisierung, wenn ein Schüler für einen solchen Kurs ausgewählt wird, ist negativ, aber wohl kaum zu vermeiden. Viele Schulen verpflichten ihre Schüler, deren Noten auffällig geworden sind, zur Teilnahme an solchen Unterrichtsstunden, ersatzweise können sie aber auch private Nachhilfestunden nehmen.
