Gentechnik ist eine faszinierende, aber auch riskante Technologie, die seit Jahren kontrovers diskutiert wird. In den USA und anderen Ländern der Welt breitet sie sich beunruhigend schnell aus. Hunderte von Patenten auf künstlich geschaffene Lebensformen wurden schon angemeldet.

Was ist überhaupt Gentechnik?

Arbeitet man in der herkömmlichen Züchtung nur mit Organismen der gleichen Art oder mit nahen Verwandten, so wird bei der Gentechnik Erbmaterial von Bakterien, Viren, Pflanzen, Tieren und Menschen isoliert und in andere Lebewesen übertragen. Natürliche Artgrenzen werden dabei überschritten. Die Frage bleibt: In wie weit ist ein sinnvoller Umgang damit möglich?

Gentechnik-Pflanzen und das Totalherbizid Glyphosat – Gefahr im Doppelpack

1974 kam das Totalherbizid Glyphosat in den USA unter dem Namen ''Roundup'' auf den Markt und ist seither weltweit führend. Glyphosat wirkt über die Blätter und hemmt einen lebenswichtigen Stoffwechselprozess in den Pflanzen. Die Wirkung tritt innerhalb einer Woche ein und die Pflanzen – Unkräuter wie Nutzpflanzen - sterben ab. Dies war der Grund für die Entwicklung des Gen-Soja.

Monsanto gelang es, ein bakterielles Gen in Sojabohnen einzubauen, mit dessen Hilfe die Pflanze ein bestimmtes Enzym, das EPSPS (5-Enolpyruvylshikmiat-3-phospat-Synthese) produziert, das die Pflanze das Glyphosat überleben lässt. Seither werden nach gleichem Vorbild auch Mais, Raps, Zuckerrüben, Baumwolle und Alfalfa in den USA, Argentinien, Brasilien und Kanada kommerziell angebaut. Im Jahr 2010 weltweit bereits auf 148 Millionen Hektar Ackerland.

Doch Glyphosat findet auch ohne Gentechnik Einsatz im Obst-, Acker- und Weinbau und in Heimgärten. In Deutschland sind insgesamt 75 Glyphosat-haltige Mittel zugelassen.

Genpflanzen in der EU

Die EU hat sich jahrelang strikt gegen Gentechnik in Lebensmitteln ausgesprochen. Dieses Verbot gilt jedoch nicht für Gen-Pflanzen, wie Soja und Mais, als Viehfutter.

Allein nach Deutschland werden jährlich 35 Millionen Tonnen Soja importiert. 80 Prozente davon sind gentechnisch verändert. Für den Verbraucher ist das nicht erkennbar, denn Produkte wie Fleisch, Milch und Käse müssen nicht auf Gentechnik gekennzeichnet werden. Dass sich Schadstoffe aus Gen-Pflanzen, wie das Insektizid Glyphosat, in Tieren und sogar im menschlichen Urin fanden, konnten Forscher der Universität Leipzig vor einigen Monaten nachweisen.

Umweltorganisationen und WissenschaftlerInnen klagen derzeit gemeinsam vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Zulassung von Monsanto's Soja-Saatgut, das unter dem Namen ''Intacta'' aus Brasilien als Futter-und Lebensmittel in die EU importiert wird. Es handelt sich dabei um eine nie dagewesene Kombination von Eigenschaften in einer Sojabohnenpflanze, die gegen Glyphosat resistent ist. Die Kläger sind der Auffassung, dass diese Sojapflanze von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA nicht ausreichend auf ihre Risiken für die VerbraucherInnen untersucht worden ist und die EU sie deswegen nicht hätte zulassen dürfen.

Einer weiteren Meldung von Test Biotech zufolge hat sich die EFSA Ende März 2013 bereits positiv zu den eingereichten Zulassungs-Anträgen von glyphosatresistentem Mais (Linie 59122) der Firmen Syngenta und Dow AgroSciences geäußert. Anbauempfehlungen für vier weitere Maislinien befinden sich kurz vor der Veröffentlichung und damit insgesamt zwölf Gen-Pflanzen in einem weit fortgeschrittenen Stadium des Zulassungsverfahrens für den Anbau in der EU.

Bisher gibt es nur wenige Auflagen zum Anbau von Gen-Produkten in Deutschland. So wird nur gefordert, dass der Abstand zwischen einem konventionellen und einem Gentechnik-Feld 150 Meter betragen muss. Viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass Wind und Bienen Pollen kilometerweit tragen. Sehr schnell kommt es so zu einer ungewollten Verunreinigung herkömmlicher Pflanzen. Wenn nur 0,3 Prozent des Mais-Saatgutes verunreinigt ist, würden bereits 300 Gentechnik-Pflanzen pro Hektar wachsen. Die Kosten für Verunreinigung, die durch Gen-Pflanzen verursacht wurden, muss der Bauer des herkömmlichen Anbaus tragen, nicht der Verursacher. Einige Gentechnik-Pflanzen setzen zum einen Gifte frei und schaden damit Insekten und Kleintieren, zum anderen können sie sich in Boden und Wasser anreichern.

Gentechnik – am meisten verbreitet in den USA, Kanada und Südamerika

In den USA und Kanada, wo es fast nur noch Monokulturen gentechnisch veränderter Pflanzen wie Mais, Raps und Soja gibt, ist es fast unmöglich, noch gentechnikfreies Saatgut zu beziehen. Von der einstigen Sortenvielfalt, auch Biodiversität genannt, ist dort nicht viel geblieben. Darunter zu leiden hatten und haben die kleinbäuerlichen Betriebe. Gerade diese Vielfältigkeit im Saatgut sollte jedoch erhalten bleiben. Dafür setzen sich weltweit Organisationen wie Navdanya, Save or Seeds, GRAIN und andere leidenschaftlich ein.

Monsanto gegen Bauern - ''Monsanto versus Farmers'' (US-Studie aus dem Jahr 2005)

Mit Knebelverträgen werden weltweit Bauern gezwungen, jedes Jahr aufs Neue Monsanto's Saatgut zu kaufen. Vermehren Sie ihr Saatgut selbst, machen sie sich strafbar. Gegen den Saatgut-Giganten Monsanto, von dem 90 Prozent aller Gentechnik-Pflanzen stammen, anzugehen, ist nahezu unmöglich. Das bekamen schon Hunderte Bauern zu spüren, die ihre Existenz verloren haben im Kampf gegen den Weltkonzern. Monsanto kann sich lange Prozesse leisten, ist seine Rechtsabteilung doch größer als seine Entwicklungsabteilung.

Auch wenn Firmen wie Monsanto seit Jahren versprechen, mit Gentechnik das Welthungerproblem zu lösen, so ist das bisher leider noch nicht gelungen. Es wundert nicht, denn allein 50 Prozent der Welt-Getreideernte fließen in die Fütterung von Masttieren für die Industrienationen – Getreide, das armen Ländern zur eigenen Ernährung fehlt.

Keine Langzeitstudien zu Gentechnik-Pflanzen und Pflanzenschutzmitteln

Zur Wirkung von Gentechnik-Pflanzen auf die menschliche Gesundheit, Umwelt und Natur gibt es noch keine Langzeitstudien. Das ist sicher mit ein Grund für das Unbehagen vieler Menschen gegenüber dieser Technologie. Untersucht wurden bisher nur kurzfristige Effekte, wobei diese Untersuchungen von der Agro-Gentechnik-Industrie selber in Auftrag gegeben werden und auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet sind. Defizite bleiben und darum ist unabhängige und transparente Begleitforschung umso notwendiger.

Gibt es eine Lösung beziehungsweise eine Alternative zum Gen-Anbau?

Eine wirkliche Lösung des Hungerproblems liegt in der kleinbäuerlichen, ökologischen Landwirtschaft, die sozial gerechter ist und die den Bauern ihre eigene Existenz sichert. Darin waren sich die Beteiligten des 2008 erschienenen ''Weltagrarberichtes'' einig, aber auch Nichtregierungsorganisationen (NRO) wie zum Beispiel FIAN, Oxfam, IFOAM, der Bund Ökologische Landwirtschaft und Agrarexperten wie Vandana Shiva und Jean Zieglersehen darin die Zukunft.

Organisationen und Verbände, die sich mit dem Thema Gentechnik und Glyphosat beschäftigen

Auch in Deutschland gibt es inzwischen zahlreiche Verbände; Netzwerke und Organisationen, die sich mit den Folgen der Biotechnologie kritisch auseinandersetzen. Dazu gehören unter anderem:

  • Test Biotech
  • Umweltinstitut München
  • Epigen Wissenschaftsbüro
  • Informationsdienst Gentechnik
  • Campact
  • Gen-ethisches Netzwerk
  • Save our Seeds
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
  • Keine-Gentechnik
  • Greenpeace
  • Foodwatch
Alle Adressen mit Websites finden Sie unter "Gentechnikfrei.Wordpress"

Quelle:

Lichtbild-Vortrag Dr. Andreas Bauer-Panskus/Epigen Wissenschaftsbüro am 16.2.2013 in Wuppertal

Keine Gentechnik

Test Biotech

Regenwald Report 4/2012

US-Studie ''Monsanto gegen Bauern" - ABL-Verlag

Umweltinstitut.org