Verlauf der Gentrifizierung:
Im Allgemeinen beschreibt die Gentrifizierung den sozialen Aufwertungsprozess eines Stadtteils. Zu Beginn leben Menschen aus unteren sozialen Schichten zu geringen Mieten in oft maroden und sanierungsbedürftigen Wohnungen. Aufgrund der geringen Mieten kommt es zu einem Zuzug von jungen Künstlern, Alternativen und Studenten, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Sie sanieren und renovieren die Wohnungen jedoch.
In der zweiten Phase ziehen immer mehr Personen aus dem alternativen Milieu in diesen Stadtteil, welcher sich durch Versorgungseinrichtungen an die Pioniere anpasst.
In der dritten Phase bildet sich eine Szene heraus, die den Stadtteil attraktiv wirken lässt. Die ersten Gentrifier, meist wohlhabendere Personen, die schon etwas älter sind, zeigen Interesse an dem Stadtteil und ziehen vermehrt in diese Bereiche. In den modernisierten Wohnungen steigen nun die Mieten, weshalb die alt eingesessenen Mieter in der letzten Phase der Gentrifizierung aus ihren Wohnungen ziehen müssen, da ihnen das Geld für die Miete fehlt.
Berlin – Ort der Gentrifizierung:
Beispiele in Berlin sind die Mainzer Straße in Friedrichshain und der Kollwitz-Platz in Prenzlauer Berg. Aktuell ist der Stadtteil Neukölln sehr stark von der Gentrifizierung betroffen. Früher sprach man von der Rütli-Schule und bildungsfernen Schülern, heruntergekommenen Altbauten, einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und Kriminalität. Der Spruch des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit „Arm, aber sexy“ aber auch andere Faktoren wie die Öffnung des Tempelhofer Flugfelds führten zu einem neuen Blick auf den Stadtteil Neukölln. Insbesondere junge Leute zogen in die Wohnungen in Zentrumsnähe. Mittlerweile bildet sich hier ein weiterer „Szene-Bezirk“, der in Anspielung auf das beliebte Kreuzberg als „Kreuzkölln“ bezeichnet wird. Im Berliner Stadtteil Kreuzberg fand die Gentrifizierung bereits vor der Jahrtausendwende statt. In Neukölln werden in einiger Zeit auch die sogenannten Gentrifier Einzug halten, die von der Atmosphäre und der Zentrumsnähe begeistert sind. Diese werden den Stadtteil vermutlich aufwerten und für einen Rückgang der Kriminalität sorgen. Allerdings wird es zu Segregationsprozessen kommen, was bedeutet, dass sich die Bevölkerungsgruppen nach Herkunft oder Einkommen und entmischen, sodass die Kriminalität sich an anderen Orten bündeln könnte.
Bewertung:
Die Gentrifizierung bringt also nicht nur Vor- sondern auch schwerwiegende Nachteile mit sich. Zum einen werden die Mieter verdrängt, die sich die Wohnung nicht mehr leisten können. Sie müssen nach Jahren ihre Wohnung verlassen. Dies betrifft Menschen aus unteren sozialen Schichten, aber auch Rentner.
Des Weiteren werden in immer mehr Stadtteilen die Mieten erhöht, sodass nur noch wenige Wohnungen für Geringverdienende gibt. Diese Problematik führt auch immer wieder zu radikalen Aktionen, wie der Hausbesetzung in der Liebigstraße in Berlin im Jahre 2011.
Allerdings ist die Gentrifizierung auch ein Glücksfall für jeden betroffene n Stadtteil. Stark marode Gebäude werden saniert und es entstehen attraktive Bauten. Die Pioniere und Gentrifier sorgen für ein schönes äußeres Erscheinungsbild des Stadtteils und schaffen eine nette Atmosphäre. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass Berlin die Hauptstadt ist und massenhaft Touristen anlockt. Für diese ist ein schönes Erscheinungsbild nur von Vorteil.
