Mitte des 18. Jahrhunderts wurde nicht nur die bislang unbekannte Welt der südlichen Hemisphäre entdeckt, sondern auch eine neue Art der Forschungsreise und ihrer Dokumentation. Der zweiundzwangigjährige Sohn eines Dorfpastors aus der Nähe von Danzig war einer der Mitbegründer dieser wegweisenden Reiseliteratur mit wissenschaftlichem Anspruch. Nicht irgendein junger Mann, sondern Georg Forster. Im Alter von dreizehn Jahren wurde seine Übersetzung eines Geschichtswerkes von Lomonossow ins Englische von der Londoner Society of Antiquaries gewürdigt – keine zwei Jahre, nachdem Georg mit seinem Vater Johann Reinhold Forster ohne Englischkenntnisse aus Petersburg aufgebrochen war. Dort beschränkte sich seine gesamte Schulbildung auf gerade einmal sieben Monate. Doch lernen ließ sich trefflich auch auf anderen Wegen.

Geburt des Georg Forster und seines unbändigen Beobachtungsgeistes

Am 27. November 1754 wurde Johann Georg Adam Forster im pommerschen Nassenhuben bei Danzig geboren. Sein Vater Johann Reinhold Forster hatte zwar eine Anstellung als evangelisch-lutherischer Pastor inne, interessierte sich aber im Geiste der Aufklärung eher für die noch junge Naturkunde und die Philosophie. 1765 brach er im Auftrag der deutschen Kolonialverwaltung nach Südosten auf, um die Lebensbedingungen in den neugegründeten Wolga-Kolonien fast bis ans Kaspische Meer zu untersuchen – mit dabei sein elfjähriger Sohn. Auf dem Lehrplan des Lebens standen natur- und völkerkundliche Betrachtungen sowie kartographische Studien. Schnell sprach Georg fließend Russisch. In den folgenden sieben Monaten der Expeditions-Auswertung besuchte er die Petrischule in Petersburg, wo sein Interesse an Staats-, Verfassungs- und Wirtschaftlehre geweckt wurde, besonders aber an jenem Bereich, den er selbst anhand seines frisch erworbenen "Beobachtungsgeistes" zu ergründen hoffte – heute wohl interdisziplinär zwischen Anthropologie, Soziologie, Botanik und nahezu jeder weiteren Naturwissenschaft anzusiedeln. Mit 13 Jahren gab er in London sein erstes Buch heraus und machte sich einen Namen als Übersetzer, während er ganz bürgerlich den Beruf des Tuchhändlers erlernte.

Aufbruch der Forsters als Naturforscher auf Expeditionsreise in eine neue Welt

J.R. Forster suchte in der englischen Heimat seiner Vorfahren jene intelektuelle und auch finanzielle Anerkennung der Beschäftigung als Naturforscher, Aufklärer und Übersetzer, die ihm in der pommerschen Provinz bürokratisch verwehrt geblieben war – seine zurückgelassene Familie musste sich mit dem Verkauf seiner wertvollen Privatbibliothek notdürftig über Wasser halten. Sicher war es ein glücklicher Zufall, dass Forster kurzfristig das Angebot bekam, die herausfordernde Position des Naturforschers der zweiten Expeditionsreise um die Welt unter Captain Cook zu besetzen, da die Forderungen der ersten Wahl, des berühmten Sir Joseph Banks, von der Admiralität abgelehnt worden waren. Das Budget für die Ausstattung der Seereise war bis auf 4.000 Pfund Sterling erschöpft, und die reichten auch nicht für die geforderten Umbaumaßnahmen der Kabine des angesehenen Naturforschers, der zehn Tage vor der geplanten Abreise absprang. J.R. Forster akzeptierte unter der Bedingung, dass ihn sein siebzehnjähriger Sohn Georg als Assistent und Zeichner begleiten sollte. Also gingen die Forsters an Bord der HMS Resolution, die am 13. Juli 1772 aus dem englischen Hafen Plymouth ablegte.

Literarische Dokumentation einer einzigartigen Entdeckungsreise unter James Cook

Nach drei Jahren auf hoher See mit vielen persönlichen Entbehrungen und noch mehr Eindrücken bislang unbekannter Inseln, Völker, Sprachen und Kulturen verfasste Georg Forster in nur acht Monaten seinen 1777 veröffentlichten Reisebericht "A voyage round the world" und kam damit nur knapp Captain James Cook selbst zuvor, der ebenfalls an den Aufzeichnungen seiner Entdeckungsreisen in die Südsee arbeitete. Der ältere Forster – im festen Glauben, ursprünglich im Besitz der offiziellen Aufgabe zu sein, die Erkundungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse der Seereise zu dokumentieren – hatte sich mit dem Vertreter der britischen Admiralität überworfen, dem Earl of Sandwich. Neben dem formal nötigen Lektorat – sein Englisch war bei Weitem nicht so ausgefeilt wie das des Sohnes – wollte er seiner "philosophischen Reise" die inhaltliche Zensur seiner vorläufigen Manuskripte ersparen, die er zurecht befürchtete. Also bekam sein Sohn Georg die Tagebücher des Vaters überstellt sowie eine einzigartige Chance – und nutze sie. Auch wenn ein Großteil der Kupferstiche zur Illustration des Werkes und damit auch seines Wertes (in diesem Fall insgesamt 2.000 Pfund Sterling) den Forsters ab- und seinem ehemaligen Captain zugesprochen wurden.

Kulturelle Bedeutung von Georg Forsters "Reise um die Welt"

Intensive Landschaftsbeschreibungen wechseln mit reflektierten Beobachtungen der Südsee-Bewohner und ihrer Kultur in Verzahnung mit der umgebenen Natur ab und leisten einen fundierten Beitrag zur vergleichenden Völkerkunde, die beispielsweise auch Sprache und Dialekte als Herkunftsmerkmal der unterschiedlichen polynesischen Stämme der Inselwelt Ozeaniens heranzieht. Dabei lässt sich Forster bei aller Sympathie etwa für die "glücklichen Bewohner der Insel Tahiti" nicht von der Südsee-Idylle blenden, die andere Reisende vor ihm mit breiter Wirkung beim europäischen Publikum gezeichnet haben. Auch überließ er die vorgefertigte überhebliche Sicht der christlich-abendländischen Welt anderen und setzt sich mit seinen eigenen Erfahrungen und denen anderer Entdecker differenziert und kritisch auseinander. Mit Erfolg, denn Forsters Reise um die Welt begeisterte bereits kurz nach Erscheinen 1778 das deutsche Publikum ebenso wie die sachkundigen Zeitgenossen – darunter sein späterer Reisegefährte Alexander von Humboldt. Schließlich gilt das Werk als wissenschaftlich exakter Prototyp der modernen Reiseliteratur und ist noch heute eine unvergleichlich reiche Quelle über die Kultur der Südsee Ozeaniens vor der europäischen Kolonisation.