Georg Thoma: Olympiasieger in der Nordischen Kombination

Baden-Würrttembergs Ministerpräsident Günter Oettinger verleiht Georg Thoma im Jahr 2007 die Staufer-Medaille - Joachim Hahne
Baden-Würrttembergs Ministerpräsident Günter Oettinger verleiht Georg Thoma im Jahr 2007 die Staufer-Medaille - Joachim Hahne
Auch über 50 Jahre nach dem Olympiasieg 1960 in der Nordischen Kombination in Squaw Valley ist der "Gold-Jörgli" aus dem Schwarzwald so populär wie damals.

Er ist populär, wie nur wenige andere erfolgreiche Sportler. Er kann durchaus in einem Atemzug genannt werden mit der Box-Legende Max Schmeling, Fußball-Idol Uwe Seeler oder „Fußball-Kaiser“ Franz Beckenbauer. Auch mehr als 51 Jahre nach seinem sensationellen Triumph mit dem Olympiasieg in der Nordischen Kombination bei den Winterspielen von Squaw Valley im Jahr 1960 ist der Ruhm des „Gold-Jörgli“ nicht verblasst. Auch viele junge Sportinteressierte Menschen verneigen sich noch heute vor ihren grandiosen sportlichen Erfolgen: Die Rede ist von Georg Thoma

Ex-Fußballprofis bestaunen den Olympiasieger Georg Thoma

Als sich im Jahr 2007, wenige Tage vor dem runden Geburtstag die Ex-Fußballprofis wie Kalle Riedle, die Förster-Brüder, Stefan Engels oder Buffy Ettmayer in der Schwarzwaldgemeinde zu einem Promi-Kick gegen ehemalige Skispringer und Trainer trafen, da waren die Autogramme vom „Thoma-Schorsch“ genauso begehrt, wie jene der ehemaligen Welt- und Europameister. Und mit funkelnden Augen lauschten die Fußballer im „Wohnzimmer“ von Georg Thoma (74), dem „Schwarzwälder Ski-Museum“ den Ausführungen der Ski-Legende, brandete Beifall auf, als die Original-Wochenschau-Reportage vom Olympiasieg aus einem alten Radio schallte.

20.000 Menschen feiern im Jahr 1960 in Hinterzarten den Olympiasieger Georg Thoma

Nach seinem Olympiasieg bereiteten ihm in Hinterzarten 20 000 Menschen bei seiner Heimkehr aus Squaw Valley Thoma einen euphorischen Empfang. Längst Ehrenbürger von Hinterzarten, ist er sich noch immer des Stellenwerts bewusst, den seine Medaillen damals hatten. "Mein Erfolg war nach dem WM-Sieg der Fußballer 1954 etwas besonderes für das Nachkriegs-Deutschland. Die Leute hatten wieder einen gewissen Nationalstolz."

Als Georg Thoma am legendären Holmenkollen 1966 dann noch Weltmeister wurde, hatte er sich endgültig einen Platz in den Geschichtsbüchern des Sports gesichert. "Wir Esel waren damals zu blöd, unsere Langlaufski nur in der Abstoß-Zone zu wachsen und hinten und vorne Paraffin aufzubügeln", erzählte der erfolgreichste deutsche Kombinierer, der die heutige Sportler-Generation um deren Möglichkeiten bei der Material-Pflege beneidet.

Statt Wein und Krawatten wünschte sich Georg Thoma ein Ski-Museum zum 50. Geburtstag

„Ich wollte keine fünfzig Flaschen Wein und fünfzig Krawatten“, erinnert sich Georg Thoma zurück. Dafür bat er anlässlich seines 50. Geburtstag um Spenden für ein „Schwarzwälder Skimuseum“ Die Idee hierzu im heimischen „Hugenhof“ ein solches einzurichten, war bei seinen vielen Norwegen-Aufenthalten gereift. Georg Thoma hat sich damit schon zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt. Über 10 000 Besucher kamen bisher in das geschichtsträchtige Haus, welches in den letzten Jahren nochmals erweitert wurde. „Wir benötigen weiterhin jeden Cent“, hofft Thoma auch künftig auf finanzielle Unterstützung.

Nach der Weltmeisterschaft 1966 war zunächst einmal Schluss mit dem Leistungssport. Trotzdem: Der heute 74-jährige blieb dem Sport verbunden. Die Zeit als „schnellster Briefträger der Republik“ war ebenso vorbei, wie die Karriere. Thoma arbeitete im Sommer als Tennislehrer, im Winter betrieb er eine Skischule, die mittlerweile in die Wintersport-Schule seines Neffen Gundolf übergegangen ist. Als Repräsentant einer Sprudelfirma sowie eines Beerenwein-Herstellers ist er nach wie vor gefragt. Mit der von der SV-Versicherung ausgerichteten „Georg-Thoma-Talent-Pokal“, einem Schülernachwuchswettbewerb ist er im Schwarzwald noch immer an der Basis mit der ihm so wichtigen Nachwuchsförderung des Nordischen Skisports eng verwurzelt.

Georg Thoma noch immer Rekordhalter beim Rucksacklauf über 100 Kilometer

Doch Georg Thoma war auch nach seiner aktiven Laufbahn noch immer selbst sportlich aktiv. Auf der Suche nach "einer neuen Herausforderung" startete der Hinterzartener bei unzähligen Ski-Marathons. Noch heute unerreicht der Streckenrekord von 5,51 Stunden aus dem Jahr 1981 beim 100-km-Rucksacklauf von Schonach zum Belchen. "Das war Abenteuer und Faszination", gerät Thoma ins Schwärmen. Dazu kommen in seiner zweiten Karriere acht WM-Titel bei den Seniorenlangläufern. Der Lohn für Thoma, der pro Saison bis zu 15 000 Trainingskilometer abspulte. Auch die Trainingsmethoden seien damals nicht so ausgefeilt gewesen. Gymnastik, um die Muskeln geschmeidig zu machen, habe es nicht gegeben. "Nur wenn du total kaputt warst, war es ein gutes Training", erzählt Thoma. Geschadet hat es ihm aber nicht.

Obwohl Thoma sich auf dem Rennrad oder dem Mountainbike noch immer täglich sportlich betätigt, lässt er es heute insgesamt etwas ruhiger angehen. "Ich mache immer noch gerne Skitouren, aber in der Loipe geht es nicht mehr so gut", gibt er zu. Von einem schweren Sturz im November 2005 genesen, erledigt er aber weiter geschäftliche Dinge von bis zu 100 Kilometern täglich mit dem Rad.

Georg Thoma ist bekennender Anhänger des Sportclub Freiburg

Nicht nur am TV-Gerät, sondern am liebsten live verfolgt der Olympiasieger noch immer das aktuelle Sportgeschehen. Ob im Skistadion in Hinterzarten, Schonach oder Neustadt - oder im Fußballstadion des SC Freiburg oder auf dem Sportplatz beim Hinterzartener Sportverein: Georg Thoma ist ein gern gesehener Gast. Schanzenführungen, repräsentative Aufgaben und „noch reichlich vorhandene Fanpost mit Autogrammwünschen“ sorgen dafür, dass es dem „Gold-Jörgli“ nicht langweilig wird.

Gold-Jörgli“ ein Olympiasieger ohne Allüren und so populär wie in seiner aktiven Zeit

Sein 70. Geburtstag am 20. August 2007 wurde mit der Familie und Freunden in großer Runde im Kurhaus Hinterzarten gefeiert. Mit dabei auch sein langjähriger sportlicher Weggefährte, Axel Zerlaut aus Isny sowie der Leichtathlet, Heinz Fütterer. „Ich hätte noch viele einladen können, aber wo fängst du an, wo hörst du auf?, sagte Thoma. Und für den weiteren Lebensweg wünschte sich der rüstige 70-er bescheiden: „Einfach nur Gesundheit, mir und meiner Familie“. Georg Thoma war nie ein Star und wollte nie einer sein. Eben auch ein Grund, dass der "Gold-Jörgli" auch über 50 Jahre nach seinem sportlichen Triumph noch immer so großer Beliebtheit erfreut. Der damalige Ministerpräsident Günter Oettinger überreichte Georg Thoma, dem berühmtesten Sohn der Gemeinde Hinterzarten die "Staufer-Medaille" des Landes Baden-Württemberg.

Joachim Hahne, johapress

Joachim Hahne - Freier Journalist, Media-Büro für Bild, Ton und Text Mitglied im Verband der Deutschen Sportjournalisten (VDS) berichtet ...

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