
- Schloss Rheinsberg - Harald Rossa
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff hat mit dem Kronprinzen Friedrich große Pläne geschmiedet und für den jungen König Friedrich II. einen beachtlichen Teil und dazu noch viele nicht vorab geplante Bauten realisiert. Nur wenige Architekten haben so umfangreich und dauerhaft in Rheinsberg, Berlin und Potsdam Spuren hinterlassen wie Wenzeslaus von Knobelsdorff.
Kindheit und Jugend
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff kam 17. Februar 1699 auf Gut Kuckädel bei Crossen an der Oder zur Welt. Er war der älteste Sohn von Georg Siegmund von Knobelsdorff und dessen Frau Ursula Barbara von Haugwitz. Nach dem Tod seines Vaters 1713 übernahmen die Großeltern mütterlicherseits und vor allem sein Patenonkel, der Oberforstmeister Georg von Knobelsdorff, die Vormundschaft und Erziehung.
Die Militärzeit
Der Familientradition folgend trat er 1814 in die preußische Armee ein. Im Frühjahr 1729 wurde seine Einheit nach Berlin verlegt. Es wird der erste Kontakt mit dem Kronprinzen Friedrich in dieser Zeit vermutet. Mit 29 Jahren beendete er aus gesundheitlichen Gründen den Militärdienst.
Die künstlerische Bildung
Während seiner Zeit als Soldat hatte er seine künstlerischen Fähigkeiten autodidaktisch weiter entwickelt. Nach dem Militärdienst erlernte er bei dem preußischen Hofmaler Antoine Pesne, mit dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb, die Techniken der Malerei. Zusätzlich bildete er sich in Geometrie und Anatomie. Bei den Baumeistern A. von Wangenheim und Johann Gottfried Kemmeter vertiefte er seine Kenntnisse der Architektur.
1732 zog er nach Neuruppin und wurde Berater und Gesellschafter des Kronprinzen. 1735 entstand in Neuruppin der Amaltheagarten. Ein neues Opernhaus für Berlin wurde skizziert. Von 1736 bis ins Frühjahr 1937 bereiste Knobelsdorff Italien und lebte längere Zeit in Rom.
Schloss Rheinsberg: die erste große Bauaufgabe
Im April 1937 wurde er in den „Rheinsberger Freundeskreis“ des Kronprinzen aufgenommen, der inzwischen auf dem Rheinsberger Schloss residierte. Knobelsdorff wurde als Nachfolger von Johann Gottfried Kemmeter Bauintendant in Rheinsberg. Die Arbeiten zur Erweiterung und Umgestaltung des Schlosses Rheinsberg unter seiner Leitung begannen. Beteiligt waren u. a. F.C. Glume, A. Pesne, A. Dubuisson und J.C. Scheffler.
1740 erstellte Knobelsdorff die Pläne für den Neuaufbau der Stadt Rheinsberg, die durch einen Großbrand weitgehend zerstört wurde.
Im Juni 1740 stirbt der König Friedrich Wilhelm I. Knobelsdorff ist für die Gestaltung der Trauerfeiern in Berlin und Potsdam verantwortlich.
Architekt des jungen Königs Friedrich II.
Noch 1740 beauftragte König Friedrich II. Knobelsdorff mit der Umgestaltung und Erweiterung des Schlosses Charlottenburg. Bis 1748 entsteht der „Neue Flügel“, der heute zumeist als „Knobelsdorffflügel“ bezeichnet wird. Außerdem wurde der Schlosspark umgestaltet und die Landstraße nach Berlin hergerichtet.
Im Herbst 1740 reiste Knobelsdorff via Dresden nach Paris, um den modernen Theaterbau zu studieren. Im November 1740 war er wieder in Berlin und wurde zum „Surintendenten der Königlichen Schlösser, Häuser und Gärten“ und „Directeuer en chef aller immedianten Bauten in den sämtlichen Provinzen“ ernannt. Er trug die Titel Geheimer Finanz-, Kriegs- und Domänenrat.
Von 1740 bis 1742 dauerte der Ausbau des Schlosses Monbijou in Berlin zum Witwensitz von Sophie Dorothea, der Mutter von Friedrich II.
Große Pläne: das Forum Fridericianum wird konzipiert
1740 begann der Bau der Königlichen Hofoper in Berlin, der heutigen Staatsoper, an der Straße Unter den Linden. Es war der erste Bau des geplanten Forum Fridericianum und wurde im Oktober 1743 eingeweiht. 1741 begann auch die Neugestaltung des Tiergartens in Berlin und das Konzept zum Forum Fridericianum wurde weiter entwickelt. Daneben richtete Knobelsdorff im Berliner Stadtschloss eine Wohnung für Friedrich II. ein.
1743 kaufte Knobelsdorff ein Grundstück im Nordosten des Berliner Tiergartens. Hier richtete er die „Knobelsdorffsche Meierei“ ein. In diesem Jahr begann auch die Bautätigkeit für den König in Potsdam mit dem Kommödiensaal im dortigen Stadtschloss. Im August 1743 wurde von Friedrich II. auf dem „wüsten Berge bei Bornstedt“ die Idee des Lustschlosses Sanssouci entwickelt.
Potsdam wird zur bevorzugten Residenz von Friedrich II.
Ab 1744 wurde das Potsdamer Stadtschloss umgebaut. Diese Arbeiten ziehen sich bis 1751 hin. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde von Knobelsdorff die Umgestaltung der ehemaligen Orangerie zum Marstall geplant.
Ebenfalls 1744 begann die Anlage des Parks Sanssouci unter der Regie von Knobelsdorff. Im April 1845 wurde der Grundstein zum Schloss Sanssouci gelegt. Vermutlich kam es bei der Entwicklung der Pläne zu diesem Schloss zu Differenzen zwischen Knobelsdorff und dem König. Im April 1746 gab Knobelsdorff die Aufgabe als Bauverantwortlicher für Sanssouci aus Gesundheitsgründen ab.
Heirat
1746 heirate er Sophie Charlotte Schöne, die Tochter des Charlottenburger Küsters. Diese nicht standesgemäße Verbindung erregte in der höfischen Gesellschaft Missfallen. Dazu eskalierten die Differenzen mit dem König. Im Juli 1746 wurde Knobelsdorff von allen Bauaufgaben suspendiert.
Trotz Differenzen mit dem König baut Knobelsdorff weiter
1747 entstand nach seinen Plänen eine Orangerie im Park Sanssouci und das Portal mit dem Obelisk als Haupteingang zum Park. Vermutlich war er in dieser Zeit auch an der Planung der Hedwigskirche in Berlin und des ersten Berliner Doms am Lustgarten beteiligt. Zwischen 1747 und 1751 fertigte er Vorschläge zur Umgestaltung des Renaissanceschlosses in Dessau.
1748 beginnt die Umgestaltung des Alten Marktes in Potsdam. Ab 1751 entsteht die Neptungrotte im Park Sanssouci.
Von 1752 stammte der Entwurf der französischen Kirche am Bassinplatz in Potsdam. Ab Oktober 1752 übergibt Friedrich II. die Leitung der Bauaktivitäten in Potsdam an Jan Boumann und C.I. Hildebrandt.
Lebensende 1753
1753 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Knobelsdorff. Er legte eine Kur im belgischen Spa ein, die aber keine Besserung brachte. Am 16. September 1753 starb er in Berlin und wurde in der Deutschen Kirche auf dem Gendarmenmarkt beigesetzt.
Wenige Tage vor seinem Tod, schrieb Knobelsdorff dem König. Er dankte „für all die Güte und all die Wohlthaten, mit welchen mich Euer Majestät während meines Lebens überhäuft haben“. Zugleich bat er darum, seine beiden Töchter als rechtmäßige Erbinnen anzuerkennen. Denn die stammten aus einer nicht standesgemäßen Verbindung. Der König entsprach der Bitte, ließ allerdings die Vererbung des Adelstitels nicht zu.
Literaturtipp
Hans Joachim Kadatz: Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Baumeister Friedrichs II. Lizenzausgabe C.H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09488-0
