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Georg Wertheim - jüdischer Geschäftsmann in Deutschland

Kaufhauskuppel - Rolf Handke
Kaufhauskuppel - Rolf Handke
Der Gründer der Wertheim-Kaufhäuser musste die Arisierung seines Unternehmens erleben und wurde von Menschen seines Vertrauens enttäuscht.

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Industrialisierung und vor allem durch den Eintritt in den Welthandel. Gegen Ende des Jahrhunderts stieg der Wohlstand – zumindest eines Teils - der Bevölkerung und damit die Nachfrage nach Waren. Das Warenhaus entstand. Hier wurde im Gegensatz zu dem Handel auf Märkten ein umfangreiches Warensortiment zu festen Preisen angeboten. Die jüdischen Mitbürger, die inzwischen gleichgestellte Staatsbürger waren, hatten an dieser Entwicklung regen Anteil, denn sie bauten auf lange Tradition im Geldverleih und Handel. Eine dieser jüdischen Familien war die Familie Wertheim.

Gründung der Kaufhäuser

1885 eröffnete Georg Wertheim in der Mitte Berlins, in der Rosenthaler Straße sein erstes Textilgeschäft. Er bot mit großem Erfolg preiswerte Waren an, die gern gekauft wurden. 1892 eröffnete er das erste Kaufhaus in der Leipziger Straße, dem bald ein zweites an der Sophienstraße folgte. Beide Häuser waren vom Architekten Messel gebaut und wurden zu Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wertheim beschäftigte zeitweise 10.000 Menschen. Er hielt seine Angestellten dazu an, alle Kunden gleich zu behandeln, und nicht die Bessergestellten vorzuziehen. Auch das war ein Novum für die damalige Zeit. Er selber pflegte einen nichtautoritären Führungsstil und lebte, gemessen an seinem Einkommen, relativ bescheiden.

Wirtschaftlicher Niedergang und Tod Georg Wertheims im Dritten Reich

Der Großbankier Emil Georg von Strauß, im Vorstand der Deutschen Volkspartei, trat 1931 in die NSDAP ein. 1932 wurde er Vertreter von Göring als Reichstagsvizepräsident. Hitler wollte in Berlin seine neue Reichskanzlei bauen. Das Grundstück, das ihm dafür geeignet erschien, gehörte allerdings dem Kaufhauskonzern Wertheim. Georg Wertheim hatte schon häufig mit dem Bankier Strauß zusammengearbeitet und vertraute dessen Rat. Dieser hatte ihn 1933, als die Nazis im Völkischen Beobachter zu Boykottmaßnahmen gegen jüdische Warenhäuser aufriefen, vor SS-Trupps und der aufgehetzten Masse geschützt. Neid und latenter Antisemitismus flossen in der Bevölkerung zusammen in offenen, von den Nazis geschürten, Antisemitismus.

Georg Wertheim verkaufte, auf Anraten von Strauß, Geschäftsanteile und auch Grundstücke in der Mitte Berlins. Es gelang Strauß, Wertheim nach und nach aus der Geschäftsführung heraus zu drängen und das verbliebene Geschäftskapital auf seine Frau zu übertragen. Als Gegenleistung erhielt er die Bestätigung "deutsches Geschäft". Nun war der Kaufhauskonzern vollständig “arisiert“. Es gelang Strauß sogar, Wertheim zur Annullierung seiner “Mischehe“ zu überreden, um in Berlin unbehelligt weiterleben zu können. 1939 starb Georg Wertmann. Die ehemalige Frau Wertheims, Ursula, heiratete 1941 Artur Lindgens, den sie schon vor Wertheims Tod gekannt hatte. Dieser war ein guter Freund des Reichsleiters Martin Bormann, was die Nähe Lindgens zu den Nazis verdeutlicht. Er überredete seine Frau und seinen Stiefsohn zu einer Verzichtserklärung auf das Wertheim-Vermögen.

Erneuter Betrug nach 1945

1948 versuchte Lindgens den Besatzungsmächten gegenüber, das Unternehmen als von der NSDAP verfolgt zu deklarieren. Es gelang nicht. Den sowjetischen Besatzern war zumindest seine enge Bekanntschaft mit Strauss bekannt. Er wurde vom “Ausschuss zum Schutz des Volkseigentums“ enteignet. Später flog Lindgens in Absprache mit dem Besitzer des Hertie-Konzerns Georg Karg in die USA und kaufte den mittellosen und uninformierten Wertheim-Nachkommen ihre Anteile am Unternehmen für 9.200 Dollar ab. Die niedrige Kaufsumme begründete er mit der sowjetischen Enteignung. Die späteren Erben klagten dagegen und erwirkten eine – im Vergleich zum Wert des Unternehmens marginale - Entschädigung im Jahre 2005.

Verwendete Literatur:

Erica Fischer, Simone Ludwig-Winters: "Die Wertheims". Geschichte einer Familie. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2004

Helmut Genschel: Die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft im dritten Reich. Musterschmidt, 1966

Otto Köhler: Die Wertheim-Geschichte

Renate Bernhagen, Marlies Adams

Renate Bernhagen - Ruhestand in Berlin. Berlin ist meine Heimatstadt, und nach einer langen Zeit der Berufs- und Ortswechsel bin ich wieder zu Hause. Als ...

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