Für Gerhard Stroh aus Wiesbaden jährt sich ein ganz besonderes Ereignis: Am 11. Februar 1981 erhielt der damals 38-Jährige in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg eine neue Niere. Zuvor musste er dreimal in der Woche eine Dialyse über sich ergehen lassen. Das "neue" Organ ist seitdem gesund geblieben - und mit ihm Gerhard Stroh, der gerade mal eine Tablette am Tag nimmt, damit die Niere nicht abgestoßen wird.

Gerhard Stroh erinnert sich noch genau an den Anruf aus Heidelberg: "Wir haben eine neue Niere für Sie", hieß es am anderen Ende der Leitung. Obwohl er an einer chronischen Erkrankung litt und drei Jahre auf ein neues Organ wartete, kam der Anruf doch überraschend. Außer einem "Ja" brachte er damals kein Wort heraus. In einer vierstündigen Operation transplantierten ihm die Ärzte dann die Niere eines verstorbenen 23-jährigen Mannes.

Gerhard Stroh profitierte von einem gut passenden Organ

"30 Jahre mit der selben Spenderniere sind schon etwas besonderes", meint Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter des Nierenzentrums Heidelberg. Oftmals werden die Organe nach einigen Jahren vom Körper wieder abgestoßen oder die Patienten versterben an einer anderen Erkrankung. "Gerhard Stroh profitierte von einem Organ, das aufgrund Blutgruppe und Gewebemerkmale sehr gut zu ihm passte."

Nierentransplantationen werden in Heidelberg bereits seit 1967 praktiziert. Da jeder Mensch zwei Nieren im Körper hat, ergibt sich die Chance der Lebendspende. Dabei pflanzt man die Niere eines gesunden Menschen - meist sind diese Familienangehörige oder Bekannte - dem Betroffenen ein. "Neben ethischen Gesichtspunkten muss der Spender ganz gesund sein und sollte möglichst gleiche oder ähnliche Gewebemerkmale wie der Empfänger aufweisen", erklärt Professor Zeier. Je weniger passende Merkmale es gibt, desto schwieriger gestaltet sich die Einstellung des Patienten mit Medikamenten. Diese muss ein Patient nehmen, damit das eigene Immunsystem unterdrückt und das Organ nicht abgestoßen wird.

2010 wurden in Heidelberg 148 Nieren transplantiert

Insgesamt verpflanzten die Heidelberger Mediziner im vergangenen Jahr 148 Nieren, davon waren 53 Lebendspenden. Somit ist das Klinikum eines der bundesweit größten Zentren für Nierentransplantationen. Der tatsächliche Bedarf ist allerdings um einiges höher: "2010 wurden in Deutschland 2.936 Nieren transplantiert, etwa 8.000 Menschen stehen aber aktuell auf der Warteliste", so Professor Dr. Jan Schmidt, Leiter der Sektion Organtransplantation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Sofern also keine Lebendspende in Betracht kommt, beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation etwa sechs Jahre. Aus diesem Grund macht sich Professor Schmidt weiter für die "postmortale" Organspende stark: "Wenn sich mehr Menschen zu ihren Lebzeiten positiv mit der Organspende auseinander setzen würden, könnte theoretisch der Bedarf in Deutschland auch ohne Lebendspende gedeckt werden."

Eine sechsjährige Wartezeit ist Gerhard Stroh zum Glück erspart geblieben. Das Leben verändert hat seine Erkrankung aber trotzdem: Mittlerweile ist er Vorsitzender der Selbsthilfegruppe "Niere Wiesbaden und Umgebung e.V." sowie Herausgeber des "Diatra-Journals", einer Fachzeitschrift für Nephrologie und Transplantation. Damit möchte er seinen Teil dazu beitragen, dass nierenkranke Patienten und transplantierte Menschen möglichst viele Informationen erhalten und in der schweren Zeit der Erkrankung nicht alleine sind.

Das Foto zeigt von links: Monika Jungmann, langjährige ehemalige Transplantationskoordinatorin für Nieren, Gerhard Stroh, Professor Dr. Jan Schmidt, Leiter der Sektion Organtransplantation der Chirurgischen Universitätsklinik sowie Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter des Nierenzentrums Heidelberg.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg