Die Gerichtsbarkeit hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert und weiter entwickelt. Aber stets war die Strafe an Leib und Leben, die Todesstrafe vorgesehen. Die hohe Gerichtsbarkeit ist bekannt auch unter den Begriffen "Blutgerichtsbarkeit“, "Blutbann“, "ius gladii“ („Recht des Schwertes“), "Halsgerichtsbarkeit“ oder "Grafschafts- und Vogteirecht“. Im Mittelalter und während der langen Zeit des Heiligen Römischen Reiches nannte sich die Hochgerichtsbarkeit "peinliche Gerichtsbarkeit“. Das Wort "peinlich“ in dem Zusammenhang bezieht sich auf das lateinische Wort "poena - Strafe. Die peinliche Gerichtsbarkeit erließ Strafen, die Verstümmelungen oder den Tod zur Folge hatten. Es waren somit "blutige Strafen“, was zu dem Begriff "Blutgerichtsbarkeit“ führte.

Die Entwicklung der Hochgerichtsbarkeit

In karolingischer Zeit war die hohe Gerichtsbarkeit durch die Höhe der Bußen definiert und wurde meist von Grafengerichten ausgeübt. Der strafrechtliche Aufgabenbereich des Hochgerichts wandelte sich seit dem zwölften Jh. entscheidend. (Hochgericht nannte man auch die Richtstätte, der Platz, an dem hingerichtet wurde). Es kam zu einer Abgrenzung gegenüber dem Niedergericht. Die Hochgerichtsbarkeit hatte die mit Lebens- und Körperstrafen bedrohten Delikte abzuurteilen, die nicht durch Geldzahlungen abgelöst werden konnten. Die Zuständigkeit in den strafrechtlich schweren Fällen (causae maiores) kam seit dem zwölften Jh. durch Einzelverleihungen generell an die Landesherren und bildete einen wichtigen Bestandteil für den Aufbau von Fürstenstaaten. In Bayern wurde die Hochgerichtskompetenz mit den "drei Fällen“ (schwerer Diebstahl, Notzucht, Totschlag), in Franken mit den "vier Rügen“ (Diebstahl, Notzucht, Totschlag, Brandstiftung) oder in Sachsen mit den "hohen Brüchen“ (ebenso) umschrieben. Im 15. Jh. setzte eine geänderte Fiskalisierung der Gerichtsbarkeit ein. Unter bestimmten Voraussetzungen konnten verwirkte Kriminalstrafen in Geldstrafen umgewandelt werden.

Die Kodifikation der Hochgerichts- bzw. Blutgerichtsbarkeit

Kodifikation ist die systematische Zusammenfassung von Rechtsvorschriften zu einem zusammenhängenden Gesetzeswerk. Die Maximilianische Halsgerichtsordnung von 1499 war das erste kodifizierte Strafrecht. Als dann im Jahre 1507 die Bambergische Peinliche Halsgerichtsordnung erlassen wurde, flossen beide in das Werk Kaiser Karls V., die Constitutio Criminalis Carolina, kurz CCC, bekannt auch unter der Bezeichnung "peinliche Halsgerichtsordnung“. Sie wurde 1532 erlassen, und obwohl sie als subsidiär galt, also nur herangezogen wurde, wenn das eigene Landesrecht keine passende Regelung kannte, führte sie zur Vereinheitlichung der Kriminalprozesse. Die peinliche Halsgerichtsordnung (Blutgerichtsbarkeit) ist eine Fortentwicklung aus der Verschmelzung von römischem Recht und deutschem. Sie galt im deutschsprachigen Raum noch teilweise bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein. Die peinliche Halsgerichtsordnung enthielt neben Vorschriften über das Strafverfahren auch materielle Strafvorschriften. Ihre Bezeichnung leitet sich her von der in ihr geregelten peinlichen, das heißt schmerzhaften Befragung unter Einsatz der Folter.

Kenntlichmachung der Blutsgerichtsbarkeit durch das Blutschild

Das Recht der Blutgerichtsbarkeit, also das Recht, über Leben und Tod zu bestimmen, wurde durch Zeichen und Wappen dargestellt. Seit dem späten Mittelalter fügten viele Landesherren ihrem Wappen ein zweites schlichtes rotes Wappen, den so genannten Blutschild, bei. Es signalisiert ihre Herrscherwürde und das Recht über Leben und Tod und die entsprechende Blutgerichtsbarkeit, den Blutbann. Es wird dargestellt durch ein Regalienfeld. (Regalien sind Hoheitsrechte, die einem Staatsoberhaupt zustehen). Das Regalienfeld ist ein leeres rotes Feld in einem zusammengesetzten Wappen. Es ist also inhaltsfrei, aber nicht bedeutungsfrei. Die Farbe ist immer Rot. Synonym wird es auch als Bannschild, Bannfeld oder Blutbannfeld bezeichnet. Beispiele für ein Blutschild sind das Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach an der Plassenburg. Brandenburg führt das Regalienfeld seit 1535. Oder auch das Anhalter Wappen am Schloss in Bad Homburg. Das Haus Anhalt-Dessau führt das Regalienfeld seit 1556.

Quellennachweis: Adel bis Zunft - C.H. Beck (Wilhelm Volkert)

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