
- Schöne Wörter willkommen! - faviona/pixelio
Anglizismen sind aus der deutschen Sprache längst nicht mehr wegzudenken und stoßen bisweilen auf Ablehnung – vor allem, wenn sie in gekünstelt "up-to-date" erscheinen wollendes "Denglisch" ausarten. Doch auch umgekehrt haben sich (besonders im amerikanischen Englisch) einige deutsche Begriffe eingenistet. Im Gegensatz zu den eher neudeutschen Anglizismen sind diese jedoch schon länger in der fremden Sprache verwurzelt: Viele etablierten sich zur Zeit der großen Einwanderungswellen in die USA, als New York nach Berlin die zweitgrößte deutsche Einwohnerzahl hatte. Besonders gerne werden Lehnwörter übernommen, wenn es für den bezeichneten Sachverhalt kein entsprechendes englisches Wort gibt und wenn die Vokabel prägnant und auch für englische Zungen aussprechbar ist.
"The german way of life" – deutsches Essen bereichert die englische Sprache
Als besonders typisches deutsches Gericht galt und gilt nach wie vor "sauerkraut", was so weit führte, dass die Deutschen auch als "krauts" bezeichnet werden. Diese brachten aus ihrer Heimat wohl auch die "kohlrabi" mit, für die es kein englisches Wort gibt. Daneben ist Deutschland für seine Vielfalt an Brotsorten bekannt: Die "pretzel" mit ihrer besonderen Form wurde übernommen, ebenso wie die "kaiser" (ein knuspriges Brötchen), der vollkornige "pumpernickel" und der "zwieback". Auf den Ladenschildern amerikanischer Feinkostgeschäfte steht heute noch häufig "delikatessen" und auch die Einrichtung des "kaffeeklatsch" kam offensichtlich mit den Einwanderern über den Großen Teich.
Prägnante deutsche Vokabeln, die sich gut ins Englische einfügen
Aus dem Englischen finden vor allem die kurzen, einprägsamen Wörter Eingang in andere Sprachen ("three-letter-words"). Das gilt auch umgekehrt für manche deutschen Begriffe wie "kitsch". Allzu Sentimentales wird als "schmaltz" oder "schmaltzy" bezeichnet, Hochprozentiges als "schnapps" und rasantes Skilaufen als "schuss". Beinahe schon lautmalerisch ist das Wort "blitz", das vom "Blitzkrieg" herrührt und im übertragenen Sinn für plötzliche und heftige Aktionen verwendet wird. Auch die Wörter "rucksack" und "kindergarten" haben sich im Englischen durchgesetzt, wobei mit letzterem im amerikanischen Sprachgebrauch eher eine Vorschule gemeint ist. Manche Amerikaner wünschen sogar "gesundheit!", wenn jemand niest.
Deutsche Befindlichkeiten: die "german angst"
In den bereichen Philosophie und Psychologie kamen im 19. und frühen 20. Jahrhundert wesentliche Impulse aus dem deutschsprachigen Raum, was sich im Vokabular ausdrückt: Für "zeitgeist", "weltanschauung" und die sprichwörtliche "geman angst" (vielleicht vor einem "doppelgänger"?) scheint es kein genaues englisches Pendant zu geben. Sprachliche Anleihen aus dem Deutschen wie "schadenfreude", "wanderlust" und "weltschmerz" lassen zudem Rückchlüsse auf die Besonderheiten der deutschen Mentalität zu: Die Deutschen gelten anscheinend als sehr pessimistisches und nachdenkliches Volk. Auch der Begriff "realpolitik" wurde ins Englische übernommen.
Deutsche Fachbegriffe der Musik aus dem 19. Jahrhundert
Während bis um 1800 die Fachterminologie der Kunstmusik stark italienisch geprägt war, gewannen ab dem 19. Jahrhundert auch Deutsch und Französisch mehr Einfluss. Als Bezeichnung für die Gattung Kunstlied hat sich "lied" (pl. "lieder") international durchgesetzt und aus Wagners Musiktheater wurden das "leitmotiv" und der "sprechgesang" als feststehende Begriffe übernommen. Daneben findet sich im Englischen der (eher scherzhafte) Ausdruck "wagnerian" (pathetisch, übertrieben).
Quellen:
- E. C. Hirsch: Deutsch für Besserwisser. Hamburg, 1976.
- Oxford Advanced Learner's Dictionary. Oxford University Press 2005.
