Germany’s next Topmodel 2010 ist eine Österreicherin mit syrischen Wurzeln – die 21-jährige Alisar Ailabouni. Seit kurz nach 23 Uhr am 10. Juni 2010 stand es fest. Doch bis die Zuschauer das erfahren durften, vergingen drei nicht immer spannende Stunden.
Die Show begann natürlich mit einem großen Auftritt von Heidi Klum im Leopardenoutfit und neuer, kürzerer Frisur. Nach den beiden Co-Juroren Kristian Schuller und Qualid "Q" Ladraa durfte sich auch Laufsteg-Trainer Jorge präsentieren, was dem ein oder anderen Zuschauer trotz guten Tanzbewegungen die Schamesröte ins Gesicht trieb. Es war einfach ein bisschen zu viel Glitzeranzug und Highheels auf einmal- und das mit stuntartigem Sturz, glücklicherweise ohne Verletzungen. Ein kürzeres Jorge-Special hätte es sicher auch getan, wo doch die Topmodel-Finalistinnen im Vordergrund stehen sollten.
Etwas zu viel drum herum bei Germany' next Topmodel
Die erste Stunde der Liveshow aus der Kölner Lanxess Arena zog sich ganz schön in die Länge. Beim ersten Auftritt der drei Finalistinnen gaben sich Laura, Alisar und Hanna zwar in ihren super knappen Kleidchen sichtlich Mühe, wirkten aber dennoch auf dem großen Laufsteg in der noch größeren Halle mit 15.000 Zuschauern etwas verloren.
Die vielen Rückblicke und Zusammenfassungen zwischen der eigentlichen Action gingen irgendwann auf die Nerven. Fleißige Topmodel-Gucker haben diese Szenen sowieso schon zur Genüge gesehen. Ebenso verführte Heidis ständiges Nachhören, wie es die beiden männlichen Juroren denn finden, nebst ihrem eigenem Beteuern, dass alles ganz großartig sei, eher zum Gähnen. Von den vielen langen Werbepausen wollen wir gar nicht reden, das ist ein anderes Thema. Zu viel des Guten waren jedenfalls die Schalten zur Backstage-Reporterin Charlotte Engelhardt, die unter anderem Werbung fürs Topmodel-Magazin machte. Lobhudeleien über Kristian Schullers Bildband mit den Kandidatinnen hörte man auch nicht nur einmal an diesem Abend.
Die Performance von Monrose mit „Like a Lady“ war zwar gelungen und sexy, aber es fehlte auch hier das ganz große Spektakel, das man von der Show erwartet hätte. Besser wurde das später mit den Auftritten von Kylie Minogue und Katy Perry. Minogue sang „All The Lovers“, unterstützt von sexy Männern, und Katy Perry, die aus einem riesigen, pinken Ring in Sonnenlook von oben herabschwebte, gab ihren neuen Song „California Girls“ zum Besten.
Die Top 2 des Topmodel-Finales
Beim zweiten Livewalk trugen die Finalistinnen sexy-rockige Lack- und Lederoutfits mit Stiefeln. Heidi war anschließend sehr stolz auf ihre „Mädchen“, sagte sie. Und dann stand auch „schon“ die erste Entscheidung des Abends an, eine der drei musste gehen. Nach ein wenig Heidi-Verzögerungstaktik fiel die Entscheidung auf Laura, bei der sich der Otto-Normal-Fernsehzuschauer sowieso schon wunderte, warum sie es ins Finale geschafft hatte. Da gab es doch Mädchen und Frauen mit schönerem Gesicht und symphatischerer Ausstrahlung. Aber bisher hat Heidi ja immer gewusst, was sie tut. Oder sie wählte vielleicht sogar mit Absicht keine der anfänglichen Favoritinnen aus, um sich keine echte Konkurrentin heranzuziehen? Das wird jedoch Spekulation bleiben.
Nach der ersten Entscheidung gab es ein kurzes Fotoshooting, bei dem sich die Mädels noch einmal beweisen sollten. Sie wurden auf Händen getragen und sollten sich dabei benehmen, als hätten sie die Show schon gewonnen.
Der erste Höhepunkt war allerdings der Walk der Top 17 mit den bereits ausgeschiedenen Kandidatinnen. So bekam das Ganze doch wieder den Flair von großer Abendshow und inszeniertem Fashionspektakel, auch wenn Luisa beinahe stürzte und die dazu spielende Newcomer-Rockband „Silversun Pickups“ für viele wahrscheinlich unbekannt war.
Die Entscheidung der Liveshow
Endlich kam die Zeit der Entscheidung: Wer wird Germany’s next Topmodel? Heidi machte es wieder mal besonders spannend und stand schließlich zwischen Alisar und Hanna. Alle drei starrten gebannt auf die Leinwand mit dem Cosmopolitan-Cover, auf dem die Gewinnerin erscheinen sollte. Dann endlich war Alisar auf dem Titel zu erkennen- die Gewinnern stand fest. Damit ließ die Österreicherin auch noch die letzte Konkurrentin, die 18-jährige Hanna hinter sich. Immer wieder wurde in der Show betont, dass sich Alisar während der Topmodelstaffel sehr weiter entwickelt und ihre anfängliche Schüchternheit hinter sich gelassen habe. Kritik wie sonst in den Serienteilen hagelte es heute sowieso nicht von Chefin Heidi und den männlichen Juroren, alles war lediglich ganz „überwältigend“.
Alisar wird also auf dem Titel der deutschen „Cosmopolitan“ erscheinen und hat Werbekampagnen im Wert von über 400.000 Euro gewonnen. Wenn sie Glück hat, warten auch noch ein paar andere Jobs und Fernsehauftritte, vorzugsweise bei ProSieben, auf die Gewinnerin.
Die sechste Staffel mit Heidi Klum ist schon geplant
Fazit: Die Show war unterhaltsam, aber mit drei Stunden eindeutig zu lang und hätte durch ein wenig Straffung und Weglassen von unwichtigem Beiwerk sicher gewonnen. Medienprofi Heidi Klum kann man allerdings auf jeden Fall positiv anrechnen, dass sie die drei Stunden Livemoderation gut gemeistert hat, fast ganz ohne Patzer. Und sie hat es drauf, Spannung in die Entscheidungen zu bringen, denn von ihrem Pokerface lässt sich nichts ablesen. Sie kann diese Staffel Germany’s next Topmodel jedenfalls ihrer langen Erfolgsliste hinzufügen. Im anschließenden Starmagazin red! kündigte sie an, dass es im nächsten Jahr eine weitere Staffel geben werde. Wen wundert es bei den guten Einschaltquoten mit einem Marktanteil von durchschnittlich knapp 18 Prozent in der Zielgruppe, auch wenn diese unter den Werten der Vorjahre lagen. Die Quoten der Finalshow waren mit insgesamt 3,57 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe von 23,4 Prozent ordentlich, aber deutlich schwächer als in den vergangenen Staffeln.
