
- Cover Prinz, Geschichte Bayerns - Piper
Die Geschichte Bayerns des Historikers Friedrich Prinz ist mittlerweile in der 5. Auflage erschienen (1. Auflage 1997) und hat als Begleitbuch zu einer gleichnamigen Fernsehreihe einige Verbreitung gefunden. Das Buch setzt mit der Präsenz der Römer seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. ein. Die eigentliche bayrische Landesgeschichte lässt Prinz aber nach der Völkerwanderung im 6. und 7. Jahrhundert beginnen und von Tassilo III. bis Franz Josef Strauß reichen. Zum Glück belässt es Prinz nicht bei politikgeschichtlichen Herrscherportraits, obwohl ihm dieses Genre, wie vor allem das Kapitel über Maximilian Joseph Montgelas (1753- 1814) zeigt, besonders gut liegt. Abschnitte zur Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte werden immer wieder eingeflochten, leider häufig nur rudimentär und unsystematisch. Die Auswirkungen wirtschaftlichen und sozialen Wandels auf die Politik werden, wie einst im Historismus des 19. Jahrhunderts üblich, in den Schatten geschichtsmächtiger Akteure gestellt. Dass dieser Ansatz für das Zeitalter des “politischen Massenmarktes” untauglich ist, scheint auch Prinz aufgefallen zu sein. So wird in den Kapiteln, die die Zeit vom Vormärz bis zur Gegenwart behandeln, die Personalisierung etwas zugunsten der politischen Sozialgeschichte zurückgefahren. Die Kultur bleibt bei Prinz dagegen weitgehend mit der Gesellschaft unverbunden, und wird zumeist auf Hervorbringungen der Hochkultur wie Baukunst, Literatur und Musik reduziert. Etwas seltsam ist, dass viele kulturelle Schöpfungen eher bewertet als analysiert werden, so als ob es einen Wettbewerb gegeben hätte, welches Land die schönsten Schlösser baut oder die populärsten Schriftsteller anzieht. Nach welchen Kriterien der Autor hier urteilt bleibt unklar.
Gesellschaftsgeschichtliches Gesamtbild oder völkerpsychologische Spekulation?
Die Verschmelzung der einzelnen Teildisziplinen, um ein gesellschaftsgeschichtliches Gesamtbild der behandelten Epochen zu zeichnen, leistet das eher narrativ und additiv ausgerichtete Buch nicht. Die chronologische Anordnung der Kapitel ist übersichtlich, ihre interne Gliederung ist leider weniger systematisch angelegt. Dennoch zieht Prinz einen “roten Faden” durch die Landesgeschichte, den er in einem “bayrischen Sonderbewusstsein” erkennen will. Worin dies genau bestehen soll, bleibt schwammig, abgesehen von abgedroschenen Bemerkungen über die deftig-herzliche Wesensart der Bayern und das Lavieren zwischen Tradition und Moderne. Das erinnert doch sehr an einen peinlichen Politslogan, der den Freistaat einst zwischen “Laptop und Lederhose” verortete. Manch essentialistische Aussage könnte eher aus völkerpsychologischen Studien des 19. Jahrhunderts stammen, als aus der modernen landesgeschichtlichen Forschung. Zur Ehrenrettung des Buches muss man allerdings festhalten, dass die regionale und konfessionelle Vielfalt Bayerns nicht eingeebnet wird. Nachvollziehbar ist, dass die Städte, insbesondere München, stärker berücksichtigt werden als die Provinz. Sie haben als herrschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Zentren seit der Zeit der Renaissance an Bedeutung gewonnen. Bayern als rückständiges Agrarland ist nur die halbe (und zumeist preußische) Wahrheit.
Zwischen Landeskunde und Wissenschaft
Prinz hat seine Geschichte Bayerns nach eigenem Bekunden eher landeskundlich als wissenschaftlich angelegt und möchte wohl eher den Touristen als den Historiker ansprechen. Stilistisch gelingt das dem Autor nur bedingt. Die Kapitel zu Mittelalter und Früher Neuzeit erweisen sich als doch recht voraussetzungsreich, was allein die Masse an Namen, Daten und Ereignissen anbelangt. Man merkt schnell, dass Prinz Inhaber eines Lehrstuhls für mittelalterliche Geschichte war. Insgesamt ist die Darstellung flüssig geschrieben und wird durch zahlreiche Abbildungen und Karten illustriert. Dort, wo das Buch in eine kulturelle “Leistungsschau” ausartet, wirkt es allerdings auch stilistisch eher zäh.
