Mit dem Begriff „Indianer-Kriege“ wird im Allgemeinen eine Serie von bewaffneten Konflikten zwischen europäisch-amerikanischen Siedlern, Einheiten der amerikanischen Armee und verschiedenen Prärie-Indianer-Stämmen westlich des Mississippi bezeichnet.
Die Zeit der Indianer-Kriege
Diese sich überwiegend im Bereich der Great Plains und der Rocky Mountains vollziehenden militärischen Auseinandersetzungen fanden meist in der Zeit zwischen dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges (1865) und dem Jahr 1890 statt. Diese Zeitspanne umfasst zugleich in etwa die klassische Periode des so genannten „Wilden Westens“. Sie bildet überdies den populär-historischen Hintergrund der meisten Western- und Indianer-Filme des 20. Jahrhunderts.
Konfrontation mit äußerst widerständigen Indianer-Stämmen
Gleichwohl waren bereits vom Beginn der britisch-französischen Besiedlung Amerikas ab dem 17. Jahrhundert Spannungen und bewaffnete Konflikte mit östlichen Indianer-Stämmen sehr häufig. Durch die Masseneinwanderung des 19. Jahrhunderts und die Konfrontation der Siedler mit ausgesprochen widerständigen indianischen Nationen, wie etwa den Kiowas, Sioux, Apachen oder Komantschen erhielten diese Konflikte jedoch noch einmal eine besondere Verschärfung.
Grenzkonflikte mit den Indianern
Wichtiger Ausgangspunkt nahezu aller gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Indianern in der Zeit der Indianer-Kriege war das immer schnellere Vordringen der europäisch-amerikanischen Siedlungsgrenze westlich des Mississippi. Häufig waren es ärmere Siedler, die ohne Rechtstitel Indianer-Land besetzten und für sich und ihre Familien beanspruchten. Die wirtschaftliche Inwertsetzung riesiger Landgebiet durch Farmer, Trapper oder Holzfäller führte in Verbindung mit dem aggressiven Besitz- und Raumdenken der nach Westen dringenden Siedler schnell zu immer neuen Grenzkonflikten und gewaltsamen Grenzverschiebungen.
Verdrängung der nomadischen Prärie-Indianer
Hiergegen halfen auch keine Vertragsschlüsse mehr, die mit den Indianern zuvor immer wieder abgeschlossen worden waren. Diese Verträge sollten einem ohnehin längst im vollen Gange befindlichen Verdrängungsprozess häufig genug nur den Anschein der Rechtlichkeit geben. Vor allem die an eine nomadische Wirtschaftsweise gewöhnten Stämme der Prärie-Indianer wurden so in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr aus ihren angestammten Lebensräumen gedrängt.
Eisenbahnprojekte und die Vernichtung der Bisons
Das Aufkommen großer Eisenbahnbauprojekte, die das Ziel einer kontinentalen, nationalen Großwirtschaft von der West- bis zur Ostküste erstrebten, führte schließlich zu einer Eskalation der ohnehin durch jahrelange Kleinkonflikte angespannten Lage. Da die Arbeitskräfte für die Eisenbahnstrecken mit Nahrungsmitteln versorgt werden mussten, bejagten die West-Siedler nun immer stärker die Bison-Herden der Prärie. Damit wurde jedoch die wichtigste Nahrungsgrundlage zahlreicher Stämme in den Großen Ebenen zerstört.
Vertreibungen und Umsiedlungsaktionen in Indianer-Reservate
Da die Eisenbahngesellschaften für ihre gigantischen Bauprojekte zudem gewaltige Landstriche beanspruchten, die überdies mitten durch indianische Territorien liefen, wollte man die in diesen Gebieten siedelnden Indianer-Stämme durch gewaltsame Umsiedlungsaktionen in entlegenere Landesteile, Reservate oder Indianerterritorien verbringen. Die Indianer der Prärie-Ebenen zeigten hiergegen jedoch bald heftigen Widerstand – die Zeit der Indianer-Kriege begann.
Die Indianer-Kriege als Guerilla-Kämpfe
Diese Serie von bewaffneten Konflikten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen weißen Siedlern, Milizen und Einheiten der US-Armee trugen im Allgemeinen den Charakter nicht koordinierter Klein-Kriege. Sie waren also durch verschiedene Formen eines großräumigen Guerilla-Krieges gekennzeichnet, der sich vor allem durch Überfälle und Hinterhalte auszeichnete. Die an den Indianer-Kriegen beteiligten Stämme, Stammes-Bündnisse und Einheiten der amerikanischen Armee fochten diese Guerilla-Kämpfe mit großer Härte und Brutalität. Von beiden Konfliktparteien wurden die Indianer-Kriege immer wieder auch durch Übergriffe auf nicht-kämpfende Frauen, Kinder und Alte zusätzlich verschärft.
Widerstand durch Apachen und Sioux
Einzelne Stämme, wie etwa die Apachen oder die Sioux, leisteten bis in die 1880er Jahre hartnäckig Widerstand gegen die nach Westen und Südwesten dringenden Weißen, die ihnen letztlich jedoch militärisch und logistisch völlig überlegen waren.
Die Rolle der US.-Armee während der Indianer-Kriege
Eine wichtige und schlussendlich kriegsentscheidende Rolle innerhalb der Indianer-Kriege spielte das amerikanische Militär. Durch vorgeschobene Armeeposten, in schwer befestigten, so genannten „Forts“ stationiert, sowie insbesondere mit Hilfe hochmobiler und äußerst schlagkräftiger Kavallerie-Einheiten gelang gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließlich die völlige Unterwerfung sämtlicher Indianer-Stämme westlich des Mississippi. Um 1900 befanden sich die geschlagenen Indianer-Stämme endgültig in staatlich kontrollierten Reservaten.
