
- Balliste vor dem Museum in Wolin - Harald Rossa
Geschichtsträchtig ist die polnische Insel Wolin, deutsch Wollin genannt, zwischen Stettiner Haff und Ostsee. Der Name der Insel wird auf einen slawischen Stamm zurückgeführt, der im 9. Jahrhundert die Insel bewohnte. Wallburgen sicherten das Gebiet der Wollner. Hauptort dieser unabhängigen Herrschaft war die Burg Wolin. Die lag an der damals viel befahrenen Wasserstraße zwischen der Ostsee und dem Süden und profitierte von dem Warenstrom. Guter Ackerboden und der Fischreichtum sorgten für Wohlstand auf der Insel.
Vor- und Frühgeschichte
Etliche Funde von Waffen und Geräte aus der mittleren und jüngeren Steinzeit belegen eine frühe Besiedlung der Insel Wollin. Während der Bronzezeit lebten Germanen auf der Insel. 2004 wurde bei der Stadt Wollin ein etwa 2000 Jahre altes germanisches Grab freigelegt. Im Verlauf der Völkerwanderung verließen die Germanen die Insel.
Slawische Besiedlung
Jahrhunderte später, um 700 n. Chr., kamen Slawen auf die Insel. Sie betrieben Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. Ihre Rundlingsdörfer entstanden am Rand der Wasserläufe und Seen. Die bedeutendste Siedlung der Insel war die Stadt Wollin. Sie profitierte von dem Schiffsverkehr der Fernhändler. Hier wurden Reichtümer angehäuft. Die Schatzkammer im Tempel des dreiköpfigen Triglav soll prall gefüllt gewesen sein. So entstanden Begehrlichkeiten bei den Nachbarn. Um das Jahr 1000 fielen mehrfach Wikinger über die Insel her. Sie gründeten schließlich hier Handelsniederlassungen, die sie mit Burgen schützten. Die bekannteste unter ihnen war die Jomsburg, die in den Vinetasage eine Rolle spielt.
Ringen um Wollin
In den folgenden Jahrhunderten war Wolin häufig Zankapfel zwischen den rivalisierenden Mächten an der Ostsee. Dänemark, Schweden, Ostfranken, Preußen und Polen lösten sich als Herrschaft immer wieder ab. 967 überfiel der polnische Herzog Mieszko I. Wollin und beendete die bis dahin bestehende Unabhängigkeit der Insel. 1120 wurde Wollin von einer schwedischen Flotte und einem polnischen Heer belagert. Pommernherzog Wartislaw I., musste die Oberhoheit Polens anerkennen und die Annahme des Christentums und einen jährlichen Tribut entrichten.
1124 entsandte der polnische Herrscher den Bischof Otto von Bamberg nach Wollin. Dieser wollte mit Zustimmung von Kaiser und Papst die pommerschen Heiden zum Christentum bekehren. Der Christianisierung der slawischen Bevölkerung im 12. Jahrhundert folgte die Zuwanderung germanische Siedler aus dem Westen des Reiches und aus Dänemark. Die Herzöge von Pommern holten auch deutsche Ritter und Berater ins Land und erreichten ihre Unabhängigkeit von der Polnischen Krone. Im Verlauf dieser Zuwanderung setzte sich die deutsche Sprache durch und die slawische Bevölkerung gab ihre Sprache weitgehend auf.
1627 besetzte während des Dreißigjährigen Krieges Wallenstein von der katholischen Liga die Insel. Drei Jahre später landete König Gustav Adolf von Schweden bei Peenemünde auf der Nachbarinsel Usedom. Die Truppen Wallensteins verließen darauf die ausgeplünderte Insel Wollin kampflos. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 gehörte Wollin zum schwedischen Vorpommern.
Wollin in Preußen
Dann führte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, auch der Große Kurfürst genannt, mehrere erfolgreiche Kriege gegen die Schweden. 1713 konnte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Inseln Wollin und Usedom in die Provinz Pommern eingliedern. Im Stockholmer Frieden von 1721 wurde dies bestätigt. Unter König Friedrich II. kam es zu einer nachhaltigen Entwicklung auf der Insel Wollin. Dazu gehörte die planmäßige Nutzung der Wälder. Schulen entstanden und neue Bauernstellen wurden geschaffen. Dazu kamen die Befestigung von Dünen, die Entwässerung von Bruchgebieten und vor allem die Anlage des Hafens in Swinemünde.
Die Feldzüge Napoleons brachten viele französische Soldaten auf die Insel. Allein in der Stadt Wollin wurden 600 französische Soldaten einquartiert. Nach dem Sieg über Napoleon 1813 folgte eine Zeit des Wohlstands auf der Insel. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich. Vor allem die Orte Kalkofen, Kolzow, Ostswine und Pritter sowie die Badeorte Heidebrink, Misdroy, Neuendorf, Swantus, Osternothafen und West Dievenow trugen diese Entwicklung. Der Fremdenverkehr entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Mündung der Swine stark befestigt. Auf dem Wolliner Ufer der Swine entstand zwischen 1856 und 1863 das Fort Gerhard oder Ostbatterie. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Marine die Anlage. Heute ist sie als Museum zu besichtigen.
Wollin in Polen
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wollin von der Roten Armee eingenommen. Dann kam die Insel unter polnische Verwaltung und der Name änderte sich geringfügig zu Wolin. Menschen aus den einstigen Ostgebieten Polens wurden hier angesiedelt. Swinemünde wurde zu einem wichtigen Hafen und Werftstandort. Der Fremdenverkehr blieb wichtig und in den letzten Jahren wird verstärkt in Hotels und touristische Infrastruktur investiert.
Mehr zur Geschichte der Insel Wolin
- Erwin Rosenthal: Die Insel Wollin mit Kaseburg und Cammin. Geschichte und Gegenwart. Rhinoverlag Ilmenau 2011, ISBN 978-3-939399-09-4
Quellen
- Tourismus-Polen: Insel Wolin
- Ostseeurlaub Polen: Insel Wollin
- Inseln Usedom Wollin
- Usedom-Wolliner Geschichts- und Heimatverein
- Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte – Landkreis Usedom-Wollin
- Greifswald Kompakt: Swinemünde – Stadt der Festungen
- Urlaub polnische Ostseeküste: Seefestung Swinemünde
- Baltic Fort Route
