Geschichte der Stadt Louisbourg auf Cape Breton

Kampf der Briten um die letzte Festung der Franzosen in Nova Scotia

Louisbourg Wachsoldat - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Louisbourg Wachsoldat - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Der Kampf um die Festung Louisbourg in Nova Scotia ist eines der dramatischsten Kapitel im Kampf der Briten und Franzosen um die Vorherrschaft in Atlantikkanada.

Sie wurde nicht alt: die Festung Louisbourg auf der Insel Cape Breton Island im Osten Nova Scotias. Von Anfang an war sie Zankapfel zwischen den beiden rivalisierenden Kolonialmächten im Nordosten Amerikas, den Briten und Franzosen. Die Franzosen waren zwar die Ersten gewesen, die die Gebiete des heutigen Ostkanada erschlossen und besiedelt hatten, aber sie sollten dieses Territorium nicht behalten.

Weil die waldreichen Regionen im Osten Kanadas nicht das lieferten, was sie sich erwartet hatten - nämlich unermesslichen Reichtum, wie ihn die Spanier in Zentralamerika gefunden hatten, oder wenn schon das nicht vorhanden war, so doch zumindest eine schiffbare Nordwestpassage durch den amerikanischen Kontinent - konzentrierten sich die intensivsten Siedlungsbestrebungen an strategisch wichtigeren Punkten, die vor allem entlang des Sankt Lorenz Stroms lagen.

Louisbourg, die letzte Bastion der Franzosen in Nova Scotia im Osten Kanadas

Nachdem die Franzosen im Frieden von Utrecht im Jahr 1713 ihre Siedlungsgebiete Akadien und Neufundland an die Briten verloren hatten, waren die beiden Inseln Cape Breton Island und Prince Edward Island die einzigen kolonialen Besitzungen, die ihnen im atlantischen Kanada noch blieben. Die Isle Royale und die Isle Saint-Jean, wie sie damals noch hießen, dienten den Akadiern als Basis für ihre Fischzüge zu den reichen Fanggründen der Grand Banks vor Neufundland, wo es Kabeljau in Massen gab. Dieser war im katholischen Mutterland, wo das Freitagsgebot den Verzehr von Fleisch verbot, ein beliebtes Handelsprodukt.

Louisbourg, mit dessen Bau 1719 begonnen wurde, war daher von Anfang an als Hafenstadt geplant, in der die französischen Fischerboote einen sichere Zuflucht finden sollten. Die Verantwortlichen rechneten von Beginn an mit weiteren Angriffen der britischen Rivalen, die die Kontrolle über ganz Ostkanada gewinnen wollten. Und sie sollten Recht behalten. Die Befestigungen von Louisbourg wurden gerade noch rechtzeitig vor der ersten Belagerung der Briten im Jahr 1745 fertiggestellt.

Bis dahin hatte sich Louisbourg zu einer blühenden Stadt entwickelt. Hier lebten Fischer, Farmer, Soldaten, Seeleute und Händler, deren Aufgabe es war, die Produkte der Kolonie - also vor allem Kabeljau - zu trocknen und einzusalzen für den Transport ins Mutterland. Die strengen Kolonialgesetze verboten außerdem die Herstellung bestimmter Produkte in den Kolonien, so dass diese aus Europa angeliefert werden mussten. Und Louisbourg profitierte davon, denn hier legten die Handelsschiffe an, die die heißbegehrten Waren ins Land brachten.

Der Kampf um Louisbourg Nova Scotia, Kanada, zwischen Briten und Franzosen

Unglücklicherweise hatten die Planer der Befestigungsanlagen von Louisbourg beim Bau der Stadtmauer nicht mit einem Angriff von Land her gerechnet. Sie waren davon ausgegangen, dass die Angreifer von See her kommen würden und hatten ihren Hafen hervorragend geschützt. Keiner hatte daran gedacht, dass die Briten von der Landseite aus angreifen könnten. Und daher hatte auch niemand die niedrigen Hügel in Betracht gezogen, die sich hinter Louisbourg gefährlich nahe an dessen Stadtmauer erheben - gerade hoch genug, um als ausgezeichnete Stellungen für Kanonen zu dienen.

Es kam daher, wie es kommen musste: Nach nur sechs Wochen Belagerung durch neuenglische Truppen fiel Louisbourg 1745 an die Briten. Im Vertrag von Aix-la-Chapelle im Jahr 1748 erhielten die Franzosen noch einmal die Herrschaft über die Stadt. Aber sie wurde zehn Jahre später erneut von den Briten belagert. Diesmal kam der Angriff übers Meer. Die französischen Verteidiger verfügten jedoch nur noch über eine schwache Verteidigung zur See, so dass die britische Marine, die mit 13.100 Soldaten und 150 Schiffen mit weiteren 14.000 Mann Besatzung anrückte, leichtes Spiel hatte. Wieder dauerte es nur sieben Wochen, bis die Stadt ihre Waffen streckte. Und diesmal machten die britischen Eroberer Nägel mit Köpfen: Um sicher zu stellen, dass Louisbourg den Franzosen nie wieder als Festung dienen konnte, schleiften sie die Befestigungen der Stadt.

Erst im 20. Jahrhundert wurde die Stadt Louisbourg nach alten Plänen und Erkenntnissen, die man aus archäologischen Ausgrabungen vor Ort gewann, wieder vollständig aufgebaut. Sie kann heute in all ihrer historischen Pracht besichtigt werden.

Monika Fuchs, Monika Fuchs

Monika Fuchs - Seit 1989 ist Monika Fuchs ganzjährig auf Reisen in den USA, Kanada, Zentralamerika, Australien, Südafrika, Namibia, Zimbabwe, ...

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